Lassen Sie sich von Ihrem Arzt individuell beraten. Jedes Medikament hat Gegenanzeigen und kann Nebenwirkungen aufweisen. Daher ist medizinischer Rat vor Abreise in ein Malariagebiet unbedingt empfohlen. Eine vorbeugende medikamentöse Einnahme ist bei entsprechendem Malariarisiko wirksam und sinnvoll.
Chloroquin
Eine Standardprophylaxe mit Chloroquin kommt nur für Gebiete ohne Chloroquin-Resistenz in Betracht. Chloroquin ist geeignet für Langzeitaufenthalte und kann bei entsprechender Dosierung auch während der Schwangerschaft, der Stillzeit sowie von Kindern eingenommen werden. Nebenwirkungen sind in aller Regel leicht und gehen schnell vorüber. Augenschäden werden bei einer prophylaktischen Einnahmedauer von über fünf Jahren gelegentlich beobachtet. Daher ist bei langjährigen Aufenthalten in den Tropen eine augenärztliche Kontrolle alle drei Jahre empfohlen. Chloroquin kann in Gebieten ohne Chloroquin-Resistenz auch zur Malariatherapie und zur notfallmäßigen Selbstbehandlung bei Malariaverdacht verwendet werden. Einnahme: Eine Woche vor Betreten bis vier Wochen nach Verlassen des Malariagebietes.
Proguanil
Eine medikamentöse Malariavorbeugung mit Chloroquin + Proguanil kommt in Gebieten mit Chloroquin-Resistenzen in Betracht. Durch die zusätzliche Proguanil-Einnahme wird ein erhöhter Schutz erzielt. Jedoch ist Proguanil nicht zur alleinigen Prophylaxe geeignet, sondern nur in Kombination mit Chloroquin empfohlen. Es eignet sich nicht zur Behandlung einer Malaria. Die Vorbeugung Chloroquin + Proguanil eignet sich besonders bei Langzeitaufenthalten sowie zur Einnahme während der Schwangerschaft oder Stillzeit. Selten treten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Schwindel und Entzündungen der Mundschleimhaut auf. Einnahme: Eine Woche vor Betreten bis vier Wochen nach Verlassen des Malariagebietes.
Mefloquin
Eine vorbeugende Einnahme von Mefloquin wird in Malaria tropica -Gebieten mit hohem Malaria- Übertragungsrisiko und ausgeprägter Resistenz gegen Chloroquin und anderen Medikamenten (Multiresistenzen) empfohlen. Mefloquin dient ebenfalls zur Malariabehandlung und zur notfallmäßigen Selbstbehandlung bei Malariaverdacht. Gelegentlich werden neuropsychiatrische Nebenwirkungen beobachtet, so dass Patienten mit psychischen Erkrankungen oder Krampfanfällen in der Vorgeschichte sowie Personen mit besonderen Anforderungen an die räumliche Orientierung (z.B. Piloten, Gerätetaucher u.ä.) keine Prophylaxe mit Mefloquin einnehmen sollten. Bei Last-Minute-Reisen können bei höherer Anfangdosierung Nebenwirkungen häufiger und stärker auftreten. Im Gegensatz zu Chloroquin ist Mefloquin für Schwangere im 1. Drittel und Kleinkinder bis 15 kg Körpergewicht nicht geeignet. Während und nach der letzten Einnahme von Mefloquin sollte für drei Monate sicherheitshalber eine Schwangerschaft vermieden werden. In der Regel treten Nebenwirkungen schon häufig nach der ersten oder zweiten Einnahme auf. Daher ist Reisenden, vor allem denen die noch keine Erfahrungen mit einer Mefloquin-Einnahme gemacht haben, empfohlen 2 - 3 Wochen vor Abreise mit der Mefloquin-Prophylaxe zu beginnen. Sollten Nebenwirkungen auftreten, kann in diesem Fall immer noch rechtzeitig eine Alternative gesucht werden. Bei Unverträglichkeit, sollte auch zukünftig auf die Einnahme des Mittels verzichtet werden. Einnahme: Eine Woche vor Betreten bis vier Wochen nach Verlassen des Malariagebietes.
Atovaqoun/Proguanil
Dieses Kombinationspräparat ist sowohl als Notfallmedikament ("stand-by") als auch zur Malariavorbeugung geeignet. Durch das vorteilhafte Zusammenwirken zweier Wirkstoffe kann das Medikament zur Behandlung und Vorbeugung der gefährlichen Malaria tropica eingenommen werden, vor allem bei vorhandenen Erreger-Resistenzen gegen andere Malariamedikamente (wie z.B. Chloroquin, Mefloquin). Untersuchungen zeigten eine gute Verträglichkeit im Vergleich zu anderen Malariamitteln. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Verdauungsstörungen und Kopfschmerzen traten in aller Regel leicht und selten auf und gingen schnell vorüber. Derzeit als Mittel erster Wahl empfohlen wird Atovaquon/Proguanil in Regionen mit Resistenzen gegen Mefloquin (wie z.B. Thailand (Provinzen Tak und Trat), sowie Extremreisen in thailändische Grenzgebiete zu Myanmar (Burma), Laos und Kambodscha). Bei Unverträglichkeit von Mefloquin oder in Fällen, wo Mefloquin nicht in Frage kommt, wird Atovaquon/Proguanil als Alternative empfohlen. Das Kombinationspräparat ist sowohl für Erwachsene als auch für Kinder erhältlich. Aufgrund der kurzen Einnahmedauer vor Abreise und der guten Verträglichkeit ist Atovaqoun/Proguanil für Last-Minute Reisen und für Kurzaufenthalte in Risikogebieten besonders gut geeignet. Einnahme: Ein bis zwei Tage vor Betreten bis 7 Tage nach Verlassen des Malariagebietes.
Artemether / Lumefantrin
Dieses Kombinationspräparat ist sowohl als Notfallmedikament ("stand-by") als auch zur Behandlung der Malaria tropica empfohlen. Zur Malariavorbeugung als auch zur Therapie der Malaria tertiana ist das Medikament nicht geeignet. Als Nebenwirkungen wurden Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen und Schwindel beobachtet. Die europäische Zulassung ist auf Reisende beschränkt, die mindestens 12 Jahre alt sind und mindestens über 35 kg wiegen.
Weitere Mittel zur Behandlung der Malaria:
Doxycyclin
Die DTG weist darauf hin, dass Doxycyclin in Gebieten mit Mefloquin-Resistenzen alternativ zu Atovaqoun/Proguanil zur Prophylaxe eingesetzt werden kann, obwohl diese Verwendungsweise in Deutschland nicht offiziell zugelassen ist. Jedoch wird auf die Gefahr möglicher Nebenwirkungen, wie z.B. einer Lichtempfindlichkeit der Haut hingewiesen (Vorsicht bei starker Sonneneinstrahlung in den Tropen- und Subtropen !). Bei Schwangeren und Kindern unter 8 Jahren darf Doxycyclin nicht eingesetzt werden. Zur Malariabehandlung ist das Medikament allein nicht geeignet. Einnahme: Ein Tag vor Ankunft und vier Wochen nach Verlassen des Malariagebietes. Doxycyclin sollte mit viel Flüssigkeit eingenommen werden, um Schleimhautschäden der Speiseröhre zu vermeiden.
Chinin
Chinin wird -meist mit einem Antibiotikum kombiniert (Tetracyclin)- zur Behandlung der Malaria tropica eingesetzt. Als Notfallmedikament ("stand-by") wird es nur in absoluten Ausnahmesituationen mitgegeben.
Sufadoxin-Pyrimethamin
Sulfadoxin-Pyrimethamin ist nicht zur Malariavorbeugung geeignet. Zur Behandlung der Malaria wird es vor allem noch in Afrika verwendet. Sulfadoxin-Pyrimethamin ist in Deutschland nicht mehr zugelassen und sollte auch als Notfallmedikament ("stand-by") nicht mehr benutzt werden.