Parkinson
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Morbus Parkinson ist an sich kein Grund, von dem Genuss und dem Erlebnis einer Reise abzusehen. Dennoch müssen ein paar Grundregeln eingehalten werden, damit die Reise die gewünschte Erholung verspricht und nicht im Stress und unter starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen endet. Ihr Reiseziel sollte dem Ausprägungsgrad Ihrer Erkrankung angepasst sein, d.h. je fortgeschrittener die Erkrankung ist, umso mehr ist von "exotischen Reisezielen" abzusehen. Stresssituationen können zu einer Verschlimmerung der Symptomatik führen.
Welches sind besondere Gefahren bei Parkinson-Patienten ?
- Verminderte Hitzetoleranz: Beim Krankheitsbild des Morbus Parkinson können durch eine verminderte Hitzetoleranz und Störungen der Wärmeregulation Kreislaufbeschwerden auftreten, die zu einem plötzlichen Blutdruckabfall führen können. Starker Schwindel und "Schwarzwerden vor den Augen" können die ersten Vorboten für einen Kreislaufkollaps sein. Fazit: Reisen in Länder mit extrem hohen Temperaturen (heiße Klimazonen) oder starken Temperaturdifferenzen, insbesondere im Zusammenhang mit hoher Luftfeuchtigkeit, sollten gemieden werden.
- Erhöhte Fallneigung: Durch die Einschränkung der Halte- und Stellreflexe beim Morbus Parkinson wird eine Fallneigung begünstigt, bei der es häufig zu Stürzen ohne Vorwarnung kommt. Beugen Sie vor, indem Sie sich von z.B. verkehrsreichen Straßen, unwegsamem Gelände etc. fernhalten, bzw. dort nur in Begleitung gehen. Anstrengende Berg- und Trekkingtouren sollten gemieden werden.
- Wirkungsschwankungen der Medikamente Beachten Sie bitte, dass Nahrungsumstellungen, Stress, Reisedurchfall, etc. zu einer verminderten Aufnahme Ihres Medikamentes und in der Konsequenz zu einer abgeschwächten Wirkung führen können. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie sich in einem solchen Fall verhalten sollen und nehmen Sie ausreichend Medikamente mit.
Wie kann man den Gefahren vorbeugen ?
Vor der Reise
- Auf jeden Fall sollten Sie vor der Reise rechtzeitig zu Ihrem Arzt gehen und sich von ihm beraten lassen ! Dabei ist es wichtig einen festen Einnahmeplan für Ihre Medikation zu erstellen, der die möglichen Zeitverschiebungen während der Reise und im Reiseland berücksichtigt.
- Nehmen Sie ausreichend Medikamente mit (am besten auch eine "Notfallration", falls sich die Rückreise unerwartet verzögert) und lassen Sie sich Ihre mitgeführten Medikamente durch Ihren Arzt attestieren. Das Attest sollte am besten in englischer Sprache formuliert sein, so dass Sie sich als Parkinson-Patient mit Ihrer chronischen Medikation im Bedarfsfall (z.B. am Grenzübergang) ausweisen können.
- Sicherheitshalber empfiehlt es sich, bei Auslandsreisen eine Liste der internationalen Arzneimittel-Bezeichnungen mit sich zu führen. Diese erhalten Sie bei der Deutschen Parkinson-Vereinigung (dPV).
- Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, was Sie in einem Notfall bzw. bei Verschlechterung der Beschwerden tun sollen. Bedenken Sie, dass es während der Reise durch unterschiedliche Faktoren zu Wirkungsschwankungen der Medikamente kommen kann (on-off-Phänomen). Besprechen Sie das mit Ihrem Arzt.
- Die Reiseapotheke: Verzichten Sie auf Mittel gegen Übelkeit, die Metoclopramid enthalten, da dieser Wirkstoff zur Verschlechterung der Parkinson-Symptome beitragen könnte. Nehmen Sie stattdessen als Mittel gegen Übelkeit Tropfen mit dem Wirkstoff Domperidon.
- Erkundigen Sie sich rechtzeitig vor der Reise über medizinische Versorgungseinrichtungen in Ihrem Reiseland, die Ihnen im Notfall weiterhelfen können.
- Packen Sie bei Reisen in warme Länder leichte und atmungsaktive Kleidung (am besten aus Naturfasern) ein. Auch eine Kopfbedeckung zum Schutz vor direkter Sonnenstrahlung ist geeignet.
- Erkundigen Sie sich vor der Reise bei Ihrem Reiseunternehmen, ob Reiseerleichterungen für Parkinson-Patienten bei Ihrem Reiseveranstalter angeboten werden (v.a. bei Flug- und Bahnreisen).
- Planen Sie genügend Zeit für Ihre Vorbereitungen ein ! Nachdem die Bewegungsabläufe in der Regel verlangsamt sind und auch Stress-Situationen sich auf die Beweglichkeit auswirken können (z.B. "freezing"), sollte ein großzügiger Zeitvorlauf eingeplant werden.
- Bei fortgeschrittener Erkrankung ist es ratsam, mit einer Begleitung zu reisen.
Während der Reise
- Achten Sie darauf, dass Sie während der L-Dopa Einnahme keine eiweißreiche Mahlzeit zu sich nehmen, da die Aufnahme von L-Dopa durch Eiweiße gehemmt wird (d.h. die Wirksamkeit Ihres Medikamentes kann dadurch herabgesetzt werden).
- Im Rahmen der Erkrankung kann es zu Thermoregulationsstörungen kommen. Warme und tropische Temperaturen können somit zur Verschlimmerung der Krankheitsbeschwerden führen. Sollten bereits Beschwerden wie Hyperkinesien (krankhafte Steigerung der Muskelbewegungen mit z.T. unwillkürlich ablaufenden Bewegungen) oder Tremor (typisches "Zittern") bestehen, kann durch die vermehrte Muskelarbeit und eine verminderte Schweißproduktion die Körpertemperatur ansteigen und zu einer sog. Hyperthermie ("Überhitzung") führen. Nutzen Sie physikalische Möglichkeiten (wie z.B. kalte Umschläge, Sonnenhut, Eisbeutel, etc.), um der Überhitzung des Körpers entgegenzuwirken. Nachdem sich bei einer Hyperthermie die Beschwerden erheblich verschlechtern können, kann u.U. eine kurzzeitige Krankenhausaufnahme hilfreich sein, bis sich der Körper wieder stabilisiert hat.
- Bei einer Hyperthermie ("Überhitzung" des Körpers) sollten Sie die Einnahme von Anticholinergika und Amantadin vermeiden, da Sie dadurch die Schweißsekretion des Körpers reduzieren und somit die Überhitzung fördern würden. Im Zweifelsfall sprechen Sie Ihren Arzt bitte darauf an.
- Gehen Sie behutsam mit der Nahrungsumstellung um. Zu scharfe oder fette Speisen können zu einer Irritation des Magen-Darm-Traktes führen. Auch der klassische Reisedurchfall kann für Sie gefährlich sein ! Magen- und Darmverstimmungen können zu einer verminderten Aufnahme Ihrer Medikamente führen (eingeschränkte Resorption). Dies wiederum hat zur Folge, dass nur eine verminderte Wirkung durch das Medikament möglich ist und demzufolge eine Verschlechterung der Symptomatik eintreten kann. Beugen Sie daher vor, indem Sie eine sorgfältige Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene einhalten und eine ausgewogene Nahrung zu sich nehmen.
- Achten Sie auf eine regelmäßige und ausreichende Flüssigkeitszufuhr !!! Vor allem in warmen, tropischen Ländern besteht ein erhöhter Flüssigkeitsbedarf des Körpers, d.h. mindestens 3 Liter Flüssigkeit sollten Sie am Tag in der Regel zu sich nehmen.
- Vermeiden Sie Überanstrengungen und passen Sie Ihre körperlichen Aktivitäten den Außentemperaturen Ihres Reiselandes an. D.h. je wärmer das Land, desto geringer sollte die körperliche Anstrengung sein ! Achten Sie auf Ruhezeiten ! Nicht umsonst gibt es in den warmen Ländern in den Mittagszeiten die "Siesta" !