Reiseimpfungen für Europa

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Reiseimpfungen für Europa

Aufgrund der Corona-Pandemie und der länderspezifischen Bestimmungen werden die Sommerferien 2020 für viele Deutsche wohl im europäischen Raum stattfinden. Doch auch für europäische Zielländer können Reiseimpfungen und Reiseempfehlungen bestehen.

 

Welche Impfungen sind sinnvoll?

Sinnvolle Impfungen sind in Deutschland zum einen Impfungen die standardmäßig durch die STIKO empfohlen werden und zum anderen Impfungen die aufgrund des Reisezieles und der Reiseaktivitäten einen Schutz vor bestimmten Krankheiten verleihen (Reiseimpfung) und somit sinnvoll sind. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (kurz „STIKO“) besteht aus Experten im Gesundheitswesen die auf wissenschaftlicher Grundlage Empfehlungen für die notwendigen Schutzimpfungen in Deutschland aussprechen. Im Jahr 2001 wurden die STIKO-Impfempfehlungen aufgrund ihrer Bedeutung für den öffentlichen Gesundheitsschutz mit dem Infektionsschutzgesetz gesetzlich verankert. Die STIKO warnt, dass während einer Pandemie keine zusätzlichen Impflücken entstehen sollten. Im aktuellen Impfkalender der STIKO können die empfohlenen Standardimpfungen eingesehen werden.

 

Welche Standardimpfungen schützen auch bei Europareisen?

Tetanus: (Standardimpfung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen)   Schutz vor Wundstarrkrampf (Tetanus) v.a. bei Verletzungen, Unfällen und medizinischen Eingriffen die häufig auch bei Reisen vorkommen können.

Diphtherie: (Standardimpfung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen)  Schützt vor Diphtherie weltweit und in gemäßigten Klimazonen wie Europa, insbesondere in  Osteuropa. Eine Untersuchung die in den Jahren 2000 bis 2009 durchgeführt wurde zeigte, dass von neun Diphtherie-Erkrankungen die in Deutschland registriert wurden, sieben einen reisemedizinischen Hintergrund hatten. Wegen der oft durch Impfmüdigkeit entstandenen Immunitätslücken der erwachsenen Bevölkerung wird eine zunehmende Empfänglichkeit beobachtet.

Hepatitis B (Standardimpfung bei Kindern und Jugendlichen)   Die Hepatitis B ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Ein erhöhtes Vorkommen innerhalb Europas besteht v.a. in den südlichen Teilen von Ost- und Zentraleuropa. Die Impfung schützt vor Hepatitis B u.a. in Ländern mit erhöhtem Hepatitis B-Vorkommen bei medizinischen Notfalleinsätzen z.B. Unfällen, Zahnbehandlungen, Operationen oder auch kosmetischen Eingriffen (z.B. Piercing, Tätowierungen) und  ungeschützten Intimkontakten.

Meningokokken (Standardimpfung bei Kindern und Jugendlichen)    Meningokokken treten weltweit auf. In Europa sind es vor allem die Meningokokken der Gruppen B und C. In Deutschland ist für Kinder eine Schutzimpfung gegen Meningokokken der Gruppe "C" standardmäßig empfohlen. Außerhalb Deutschlands wurden in den vergangenen Jahren Meningokokken-Fälle aus folgenden europäischen Ländern gemeldet: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Irland, Italien, Kroatien, Lettland,  Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Tschechische Republik, Ungarn, dem Vereinigten Königreich und Zypern gemeldet. Die meisten Fälle werden u.a. in Deutschland, Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich registriert. In Deutschland stehen Meningokokken-Impfstoffe gegen die Serogruppen A, C, W135, Y, die Serogruppe B und die Serogruppe C zur Verfügung. In Rahmen von Reisen kann ein Schutz gegen die Gruppen A, C, W, und Y sinnvoll sein.

Masern (Standardimpfung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen)    Masern treten weltweit auf. In den letzten Jahren ist es zu einem massiven Anstieg der Masernfälle gekommen – auch in Europa. In der europäischen WHO-Region erkrankten 2018 rund 89.000 Menschen (über die Hälfte der Fälle musste in Krankenhäusern behandelt werden, 74 Personen starben). Damit lag die Masernfallzahl dreimal so hoch wie im Vorjahr 2017 und 15mal höher als im Jahr 2016. Im Jahr 2019 wurden 103.000 Masernfälle aus der europäischen WHO-Region übermittelt. Ein Schutz gegen Masern ist somit für Europareisende sinnvoll. Erfahren Sie mehr zur Masern-Impfpflicht in Deutschland.

Influenza  (Personen ab 60. Lebensjahr und Risikogruppen)  Die saisonale Influenza stellt ist eine der häufigsten Reisekrankheiten und bietet  im europäischen Raum saisonal Schutz v.a. November bis April.

Pneumokokken  (Standardimpfung bei Säuglingen und Personen ab 60. Lebensjahr)    Pneumokokken können zu Pneumonien führen, d.h. zu einer Entzündung des Lungengewebes. Die Pneumonie ("Lungenentzündung") stellt in Europa eine der häufigsten Todesursachen dar. Daher wird den Risikogruppen in Deutschland standardmäßig eine Schutzimpfung empfohlen. Pneumokokken treten länderübergreifend weltweit auf – und somit auch überall in Europa.

 

Welche Reiseimpfungen gibt es für Europa?

Hepatitis A-Impfung (Reiseimpfung bei Risiko)    Da sich viele Deutsche bei ihrer Reise mit Hepatitis A-Viren infizieren, spricht man auch von der "Reisegelbsucht". Zwischen 40-50 % aller in Deutschland gemeldeten Hepatitis-A-Fälle lassen sich auf eine Reisegelbsucht zurückführen. Risikogebiete existieren weltweit, somit auch in Europa vor allem in Süd- und Osteuropa. Bei Muscheln aus Süditalien wurde im Jahr 2000 ein Durchseuchungsgrad mit Hepatitis A-Viren von 27,4 % festgestellt. Eine Untersuchung des italienischen Gesundheitsinstitutes in Rom hat mehrere traditionelle Zubereitungsarten von Meeresfrüchten untersucht und dabei aufgezeigt, dass mit Hepatitis A-Viren infizierte Muscheln und Schalentiere auch nach dem Kochen noch infektiös sein können. Ein Infektionsrisiko besteht bei kontaminierten Lebensmitteln wie u.a. Meeresfrüchten (z.B. Muscheln, Schalentiere und Austern im Mittelmeerraum), aber auch bei fäkaliengedüngten Gemüse (z.B. Salate). Außerdem wurde in den vergangenen Jahren in Europa auch eine Übertragung von Hepatitis A-Viren über Gefrierobst (z.B. Beeren) oder Trockengemüse (getrocknete Tomaten) beobachtet.

FSME-Impfung (Frühsommer Meningoenzephalitis) (Impfung bei Risiko)    Die FSME-Schutzimpfung („Zeckenimpfung“) schütz bei Reisen in Risikogebiete. Ein erhöhtes Risiko besteht bei Aufenthalten in der Natur u.a. Campen, Sonnenbaden, Picknicken und Sitzgelegenheiten im „Grünen“ (Hölzer, Bäume, Äste, Bänke, etc.). Auch Spaziergänge und Wanderungen v.a. auf Naturpfaden durch Sträucher, Wälder oder hohes Gras erhöhen das Infektionsrisiko. Länder in denenin den vergangenen Jahren nur wenige vereinzelte Fälle gemeldet wurden und die daher regional nur ein minimales FSME-Risiko besitzen sind: Belgien, Dänemark, Bulgarien, Griechenland, Niederlande, Rumänien und das Vereinigte Königreich. 
Länder in denen gehäuft Fälle (> 100 pro Jahr) in den vergangenen Jahren gemeldet wurden und die daher regional ein erhöhtes FSME-Risiko besitzen sind: Deutschland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Schweden, Österreich und die Tschechische Republik. Die meisten Fälle (> 500 pro Jahr) wurden in Deutschland und der Tschechischen Republik registriert. In Deutschland ist vor allem der südliche Teil (Bayern, Baden-Württemberg) von FSME betroffen.

Zu den europäischen Ländern mit FSME-Vorkommen gehören u.a. Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Montenegro, Niederlande, Nordmazedonien, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik, Ukraine, Ungarn und das Vereinigte Königreich.

 

Langzeitschutz durch Auffrischimpfungen

Informieren Sie sich bei Ihrem Impfarzt über Ihre Auffrischimpfungen und empfohlene Reiseimpfungen für Ihr Zielland. Fit For Travel gibt Ihnen eine Übersicht von Ärzten in Ihrer Nähe. Die „STIKO“ empfiehlt gerade während einer Pandemie an vorbeugende Maßnahmen zu denken. Dazu gehören auch Impfungen zum Schutz vor Infektionskrankheiten. In Deutschland gibt es sowohl für Erwachsene, als auch für Kinder allgemein empfohlene Impfungen, die der Gefahr von Ausbrüchen impfpräventabler Erkrankungen vorbeugen sollen.