Bandwurmbefall

Synonyme: Rinderbandwurmbefall, Schweinebandwurmbefall, Schweinefinnenbandwurm

Im Darm des Menschen können unterschiedliche Bandwurmarten parasitieren. Dazu gehören u.a. der Schweinebandwurm, Rinderbandwurm, Schweinefinnenbandwurm, Fischbandwurm, Zwergbandwurm, Fuchsbandwurm und Hundebandwurm.

Täniasis

Die Täniasis wird durch den Schweinebandwurm (Taenia solium) und durch den Rinderbandwurm (Taenia saginata) verursacht. Der Rinderbandwurm ist weltweit verbreitet und kommt vor allem in Zentral- und Ostafrika vor. Laut Schätzungen sind rund 40 - 60 Millionen Menschen mit dem Rinderbandwurm infiziert. Das Vorkommen des Schweinebandwurmbefalles ist geringer und wird auf rund 6 Millionen Infizierte weltweit geschätzt. Vorzugsweise kommt der Schweinebandwurm vor allem in Mittel- und Südamerika, sowie in Afrika, China, Indien und Südostasien vor. Seine Lebensdauer im Menschen kann mehr als 25 Jahre betragen. Die Mehrzahl der Infizierten sind beim Schweine- bzw. Rinderbandwurmbefall beschwerdefrei. In vielen Fällen wird der Bandwurmbefall erst durch den Abgang von Wurmbestandteilen im Stuhl bemerkt. Leichte Magen- und Darmbeschwerden sowie ein Juckreiz um den After können auftreten. Die Heilungsrate liegt bei erfolgreicher Behandlung annähernd bei 100 %.

Übertragung:

Die Infektion entsteht durch den Verzehr von finnenhaltigem Rinder- oder Schweinefleisch, das roh oder nur ungenügend gekocht verzehrt wird.

Schutz:

Wird der Verzehr von ungenügend erhitzten oder rohen Fleisch vermieden, kann eine Infektionsgefahr ausgeschlossen werden. Durch 10-tägiges Tiefgefrieren (-20 °C) des Fleisches können die Finnen abgetötet werden.

Zystizerkose

Die gefährlichste Komplikation bei einem Schweinebandwurmbefall stellt die Zystizerkose dar. Die Larven (Finnen) des Schweinebandwurmes können verschiedene Organe des Menschen befallen und dort zum Krankheitsbild der Zystizerkose führen. Bei etwa 60 % aller Fälle ist das Gehirn und das zentrale Nervensystem betroffen, was zu gravierenden Funktionsausfällen führen kann. Die Zystizerkose tritt vor allem in einigen Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens auf. In Mitteleuropa konnte durch die Fleischbeschau der Schweinefinnenbandwurm eliminiert werden.

Übertragung:

Zur Infektion kommt es durch die Aufnahme von Eiern des Schweinebandwurmes die durch einen Schweinefinnenbandwurmträger ausgeschieden werden. In den meisten Fällen werden die Eier über verunreinigtes Trinkwasser aufgenommen, seltener als direkte Schmierinfektion (z.B. Körperkontakte oder verunreinigte Gegenstände. Die Eier können z.B. auch unter Fingernägeln kleben und unter unhygienischen Zuständen bei der Nahrungszubereitung weitergegeben werden). Ebenso können Fliegen oder andere Insekten die Eier verschleppen und sie z.B. auf Nahrungsmittel übertragen.

Schutz:

Sehr sorgfältige Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene-Maßnahmen können das Infektionsrisiko mindern jedoch nicht ausschließen.

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Fischbandwurmbefall

Der Fischbandwurmbefall (syn. Diphyllobothriasis) wird durch Fischbandwürmer (u.a. Diphyllobothrium latum = "breiter Grubenkopfbandwurm") verursacht, der vor allem in Binnenseegebieten von Europa (v.a. im Nordwesten Russlands, in Finnland, Skandinavien, Schweiz, Italien) und Westasien auftritt. Im geringeren Ausmaß kommt der Fischbandwurm auch in Alaska, Kanada, Afrika, Ostasien, Papua-Neuguinea, Australien und Südamerika vor. Die meisten Infektionen laufen beschwerdefrei und dadurch unbemerkt. In seltenen Fällen können Magen-Darm Beschwerden auftreten. Bei etwa 2 % der Patienten kommt es zu einer Blutarmut (Anämie), die durch einen Vitamin-B12-Mangel verursacht wird. Der Fischbandwurmbefall kann medikamentös behandelt werden. Seine Heilungsrate liegt zwischen 90 - 100 %.

Übertragung:

Die Infektion entsteht durch den Verzehr von roh oder nur ungenügend gekochten Fischen, die infektiöse Stadien des Fischbandwurmes enthalten. Eine Vielzahl von Süß- und Meerwasserfischen können infiziert sein und eine Infektionsquelle darstellen.

Schutz:

Verzicht auf ungenügend erhitzte Fischspeisen (z.B. Sushi). Die infektiösen Stadien des Fischbandwurmes (sog. Plerozerkoide) können durch kochen oder tiefgefrieren (mind. 48 Std. bei -18°C) abgetötet werden.

Zwergbandwurmbefall

Der Zwergbandwurmbefall (syn. Hymenolepiasis) wird durch Zwergbandwürmer (Hymenolepis nana) verursacht, die vor allem in wärmeren Regionen vorkommen. Der Zwergbandwurm ist der häufigste Bandwurm des Menschen. Die Zahl der Infizierten wird auf rund 75 Millionen geschätzt. Besonders betroffen sind Kinder, vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen, sowie in Regionen mit mangelhaften sanitären bzw. hygienischen Standard. Die meisten Infektionen laufen beschwerdefrei und dadurch unbemerkt. In seltenen Fällen können Magen-Darm Beschwerden auftreten. Die Behandlung erfolgt medikamentös und kann bei Gruppeninfektionen auf die Behandlung der gesamten Gruppe ausgedehnt werden.

Übertragung:

Die Übertragung der Wurmeier erfolgt direkt von Mensch zu Mensch durch fäkal-orale Schmierinfektionen. Bei Kindern findet meistens eine Übertragung durch direkte Körperkontakte beim gemeinsamen Spielen oder aber auch durch gemeinsame Spielsachen statt. Ebenfalls ist die Übertragung der Eier durch Fäkalien verunreinigtes Trinkwasser und Nahrungsmittel möglich.

Schutz:

Sorgfältige Hygienemaßnahmen (z.B. Händewaschen und Fingernägel bürsten, Reinigung verunreinigter Gegenstände mit heißem Wasser), sowie gründliche Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygienemaßnahmen.

Echinokokkose

Die Echinokokkose wird durch den Befall des Hundebandwurmes (Echinococcus granulosus) und des Fuchsbandwurmes (Echinococcus multilocularis) hervorgerufen.

Man unterscheidet unterschiedliche Formen der Echinokokkose:

Die alveoläre Echinokokkose wird durch den Fuchsbandwurm verursacht, der nur in der nördlichen Hemisphäre vorkommt. Insbesondere betroffen sind in Mitteleuropa, Süddeutschland (Schwäbische Alb), die Nordschweiz, Österreich, und Südostfrankreich. Derzeit breitet sich der Fuchsbandwurm in Europa immer mehr nach Norden hin aus, so dass infizierte Füchse auch bereits in den nördlich angrenzenden Ländern, wie z.B. Polen, berichtet wurden. Auch aus Südosteuropa, der Nordost-Türkei und vor allem aus Nordchina werden Krankheitsfälle gemeldet. Die Anzahl der Neuerkrankungen in den Verbreitungsgebieten Zentraleuropas liegt bei 0,1 und 1,4 per 100.000 Einwohner pro Jahr.

Die zystische Echinokokkose wird durch den Hundebandwurm verursacht, der weltweit verbreitet ist. Besonders betroffen sind die Schafzuchtgebiete in Süd- und Südosteuropa, in Russland, im Nahen Osten, Zentral- und Südostasien, China, Nordafrika (Tunesien, Marokko, Algerien), Ostafrika (u.a. Kenia), Australien, Neuseeland, sowie Südamerika (Uruguay, Peru, Chile, Argentinien). Die Anzahl der Neuerkrankungen werden pro Jahr weltweit auf über 100.000 geschätzt. Die polyzystische Echinokokkose wird vor allem in den ländlichen Gebieten Lateinamerikas beobachtet.

Diese Würmer verursachen eine Zystenbildung im Körper, die vor allem die Leber und Lunge, aber auch andere Organe - wie z.B. das Gehirn - betreffen kann. Die Zysten bewirken insbesondere durch die Größenzunahme häufig ein Druck- und Schmerzgefühl in der Körperregion des betroffenen Organes. Beim Einreißen der Zysten kann es zu schweren Funktionsstörungen des betroffenen Organes, sowie in der Folge zu starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen und zum allergischen Schock kommen. Die ersten Beschwerden treten meist erst nach 5 - 15 Jahren auf. Die Echinokokkose ist eine schwerwiegende Erkrankung und sollte daher nur von Fachleuten in spezialisierten Einrichtungen behandelt werden. Die Heilungsrate bzw. Überlebenszeit richtet sich u.a. nach der Art und Lokalisation des Wurmbefalls, der damit verbundenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, sowie der Therapierbarkeit der Erkrankung.

Übertragung:

Der Hundebandwurmbefall wird durch das Verschlucken von Hundebandwurmeiern, die direkt vom Hund ausgeschieden werden, entweder durch den direkten Hundekontakt (durch abschlecken oder streicheln des Hundes), durch verunreinigte Nahrungsmittel oder auch durch Schmierinfektionen verursacht.

Der Fuchsbandwurm kann durch den Verzehr von ungekochten, wild wachsenden Waldbeeren (z.B. Walderdbeeren oder Heidelbeeren) oder Pilzen übertragen werden. Aber auch Gemüse und Fallobst kann bei der Übertragung eine erhebliche Rolle spielen, da es häufig mit Fuchslosung verunreinigt ist. Dadurch das es zu einer wachsenden Anzahl von infizierten Füchsen in Stadtnahen Umgebungen gekommen ist, hat sich das Infektionsrisiko auch auf Spiel-, Grill- oder sogar Golfplätze verlagert.

Schutz:

Sorgfältige Hygienemaßnahmen (Händewaschen nach Tierkontakt, regelmäßige Entwurmung von Hunden und Katzen) und gründliche Nahrungsmittelhygiene (insbesondere bei Waldbeeren und Pilzen).

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