EHEC-Infektionen

Bei den EHEC-Erregern (Enterohämorrhagische Escherichia coli) handelt es sich um Bakterien (gramnegative Stäbchen), die Zytotoxine (Zellgifte) bilden, die bestimmte Körperzellen schädigen und abtöten können. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Beschaffenheit, gibt es mehrere Gruppen (sog. Serogruppen) die unterschiedlich starke Krankheitsbilder hervorrufen können.

EHEC-Infektionen gibt es weltweit und auch in Deutschland sind Infektionen mit dem EHEC-Erreger nicht ungewöhnlich. Jährlich werden dem RKI rund 1.000 Erkrankungsfälle gemeldet. Viele Infektionen mit EHEC können ohne jede Beschwerden ablaufen und bleiben daher unbemerkt. Bei den meisten Erkrankungen kommt es zu unblutigen, wässrigen Durchfällen, die mit Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen einhergehen können. Bei ungefähr 10 - 20% der Erkrankungen tritt eine schwere Verlaufsform auf, bei der es zu einem blutigen Stuhl, mit anfallsartigen Bauchkrämpfen und gelegentlichem Fieber kommen kann. In ca. 5 - 10 % dieser Fälle kann es zu einem lebensgefährlichen hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) kommen, das vor allem Kinder betrifft. Bei dieser schweren Komplikation entwickelt sich ein akutes Nierenversagen, eine Blutarmut (Anämie) und eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie). Ungefähr 2% der HUS-Fälle enden tödlich.

Übertragung:

Die Übertragung von EHEC-Bakterien erfolgt über einen fäkal-oralen Übertragungsweg direkt oder indirekt vom Tier (Wiederkäuer) auf den Menschen, d.h. über Fäkalspuren die nicht-ersichtlich durch verunreinigte Lebensmittel oder direkten Tierkontakt übertragen werden. Dabei werden die Bakterien durch den Kontakt mit Tierkot, oder über kontaminierte Lebensmittel bzw. Wasser (z.B. beim Baden) oder aber auch mittels einer Schmierinfektion (eine geringe Infektionsdosis kann bereits ausreichen) direkt von Mensch-zu-Mensch übertragen. In Deutschland zeigte sich, dass Kinder unter drei Jahren die Altersgruppe mit den meisten EHEC-Infektionsfällen bilden, die sich meist durch den direkten Kontakt zum Wiederkäuer (Rind, Schaf, Ziege) infizieren. Rohmilch und das Vorkommen von Durchfall bei Familienmitgliedern bilden weitere Risikofaktoren. Kinder über neun Jahre und Erwachsene hingegen infizieren sich meist über verunreinigte Lebensmittel (z.B. Lammfleisch oder streichfähige Rohwürste wie u.a. Zwiebelmettwurst, Streichmettwurst, Teewurst).

Ausbruchsuntersuchungen der vergangenen Jahre haben eine Vielzahl von Übertragungswegen für menschliche EHEC-Erkrankungen aufgezeigt. So waren zum Beispiel in den USA über 50% der Ausbrüche auf Lebensmittel zurückzuführen - am häufigsten durch Rinderhackfleisch (z.B. in Hamburgern), aber auch in anderen Nahrungsmitteln (z.B. Salami, Mettwurst, Rohmilch, nicht pasteurisierter Apfelsaft, rohes Gemüse). In Deutschland kam es in den letzten Jahren mehrfach zu Häufungen von HUS-Erkrankungen, ohne dass eine Infektionsursache gefunden werden konnte.

Die Inkubationszeit beträgt ca. 2 - 10 Tage (im Durchschnitt 3 - 4 Tage). Die Ansteckungsfähigkeit einer Person besteht so lange, wie EHEC-Erreger im Stuhl nachgewiesen werden können.

Schutz:

Grundsätzlich gelten mehrere Vorsichtsmaßnahmen:

  • Lebensmittel (insbesondere Fleisch) sollten vor dem Verzehr gut durchgegart sein. (Kerntemperatur mindestens 70°C für 10 Minuten). 
  • Bei der Essenszubereitung sollte darauf geachtet werden, dass Fleisch nicht zeitgleich mit anderen, unmittelbar zum Verzehr bestimmten Lebensmitteln in Kontakt kommt und insbesondere Arbeitsgeräte und Arbeitsflächen getrennt werden. Auch die Hände sollten zwischenzeitlich gewaschen werden.
  • Sorgfältigste Hygienemaßnahmen im Umgang mit rohen Lebensmitteln tierischer Herkunft und anderen leicht verderblichen Nahrungsmitteln wie z.B. Fleisch, Mettwurst, Wurstaufschnitt, Milch und Milcherzeugnisse oder Feinkostsalate sind einzuhalten.
  • Rohmilch sollte nicht getrunken werden, nur nach ausreichender Wärmebehandlung.
  • Kinder und ältere Menschen sollten Lebensmittel tierischer Herkunft grundsätzlich immer nur durchgegart verzehren.
  • Vorsicht bei Tierkontakten (v.a. Streichelzoos, Bauernhöfe mit Publikumsverkehr). Es ist besonders darauf zu achten, dass Kinder nach Tier- oder Bodenkontakt die Finger nicht in den Mund führen und Speisen und Getränke IMMER außerhalb der Tierkontaktzonen gegeben werden.
  • Personen mit Durchfall sollten auf eine strikte und sorgfältige Hände-Hygiene achten (insbesondere gegenüber Kleinkindern und immungeschwächten Personen)
  • Familienmitglieder (v.a. auch Geschwister) und Personen im Umfeld des Erkrankten sollten ebenfalls eine effektive Händehygiene durchführen und darauf achten, dass mit Stuhl oder Erbrochenem verunreinigte Gegenstände, Kleidungsstücke oder Flächen sofort gereinigt und desinfiziert werden. 
  • Personen mit blutigen Durchfällen sollten umgehend den Arzt konsultieren und eine Stuhluntersuchung (EHEC-Nachweis) durchführen lassen