Vibrio-Infektion

Zu der Bakteriengattung "Vibrionen" gehören u.a. Vibrio vulnificus, Vibrio parahaemolyticus, Vibrio hollisae, Vibrio alginolyticus und Vibrio fluvialis. Sie kommen in salzigem Meeres- und Brackwasser warmer Klimazonen vor. Bevorzugt sind sie in Küstennahen Binnengewässern nachweisbar. Bei Temperaturen von über 20 °C im Salzwasser kommt es zu einer deutlichen Vermehrung der Bakteriengattung. Neben anderen Ländern haben Amerikas Staaten am Golf von Mexiko - Texas, Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida - durch ihre warmen Wassertemperaturen diese begünstigenden Wachstumsbedingungen. Dadurch besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko in den betroffenen Küstengewässern. Von 1988 bis 1997 wurden in den Staaten über 500 Erkrankungsfälle mit dem Erreger "Vibrio gastroenteritis" berichtet. Nachdem für diese Infektionen jedoch keine Meldepflicht besteht und somit nicht alle Fälle erfasst werden können, wird eine höhere Dunkelziffer angenommen.

In den USA wurden bereits in den Siebziger Jahren Erkrankungsfälle durch "Vibrio vulnificus" registriert. In Deutschland wurden erst 1994 Einzelfälle an der Ostsee bekannt. Durch die hohen Sommertemperaturen kann auch die Ostsee an seichten Stellen über 20°C betragen. Dadurch bilden sich im Salzwasser optimale Vermehrungsbedingungen für das Bakterium, so dass die Anzahl der Keime zunimmt und somit das Infektionsrisiko steigt.

Im Jahr 2006 wurden aus Mecklenburg-Vorpommern, aus der Gegend von Usedom, zwei Erkrankungsfälle berichtet. Insgesamt wurden im Jahr 2006 in Deutschland drei Erkrankungen registriert. Bereits im Jahr 2004 wurden zwei Erkrankungen nach Aufenthalt in Ostseewasser aus dem Kreis Ostvorpommern registriert. In beiden Fällen musste ein Bein amputiert werden. Dennoch verstarb einer der Patienten an den Folgen der Infektion. Bakteriologischen Untersuchungen des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes im August 2004 zufolge, wurde die Bakterienart "Vibrio vulnificus" in einigen Badegewässern als auch in Meerestieren (Miesmuscheln und Garnelen) der niedersächsischen Nordsee nachgewiesen. Durch die zunehmend warmen Sommertemperaturen in Europa wird eine weitere Zunahme des Vorkommens von Vibrionen im Nordwesten Europas befürchtet.

In Schweden erkrankten im Sommer 2006 ebenfalls drei Personen im Südosten des Landes. Aus Dänemark wurden mehrere Infektionen mit anderen Vibrionen-Gattungen (Vibrio alginolyticus und Vibrio parahaemolyticus) bekannt. Auch aus den Niederlanden wurden in diesem Sommer Vibrio-Infektionen bei drei Personen im Alter von 73, 18 und 11 Jahren berichtet. Die Patienten konnten rechtzeitig behandelt werden, so dass es zu keinen Komplikationen kam. Die Infektionen wurden beim Baden im Meeresarm der Osterschelde im Mündungsdelta von Rhein, Maas und Schelde, in der niederländischen Provinz Zeeland, erworben. Infektionen mit dem Bakterium Vibrio parahaemolyticus können zu bedrohlichen Wundinfektionen, Ohrentzündungen, aber auch - und insbesondere bei chronisch Kranken und abwehrgeschwächten Personen - zur Blutvergiftung und zum Tod führen.

Übertragung:

Vibrionen können den Menschen auf unterschiedliche Weise infizieren. Die Bakterien "Vibrio vulnificus" können Meerestiere befallen und durch die Nahrungskette - beim Verzehr dieser Meerestiere - durch den Menschen aufgenommen werden. Innerhalb weniger Stunden und Tage kann es dann zu Entzündungserscheinungen im Magen- und Darmtrakt kommen (Gastroenteritis). Jedoch können die infizierten Tiere (Krebse, Austern) auch bei der Verarbeitung in Fischereibetrieben Hautverletzungen verursachen und dadurch zu Infektionen mit dem gefährlichen Erreger führen. Daher zählen Personen die in der Fischverarbeitung tätig sind zu den Risikogruppen. Zu dieser Gruppierung gehören auch ältere und abwehrgeschwächte Menschen mit chronischen Erkrankungen (wie z.B. AIDS, Diabetes mellitus, Tumor- und Bluterkrankungen, Alkoholkrankheit). Durch ihre körperliche Abwehrschwäche können bereits wenige Erreger zu einem ernsten Krankheitsverlauf führen - wie z.B. zu einer Blutvergiftung (Sepsis) mit einem Multiorganversagen.

Ebenso können die Bakterien "Vibrio vulnificus" beim Aufenthalt im Salzwasser (Baden, Schwimmen, Waten, o.ä.) durch kleine Hautverletzungen (z.B. Schürf- und Schnittwunden) in den Körper gelangen. Dort verursachen sie zunächst eine massive Wundinfektion. Derartige Wundinfektionen führen nicht selten zur Amputation der Gliedmaßen (Arme, Beine). Im weiteren Verlauf befallen die Bakterien Organe und können Eiterherde im Körper bilden. In vielen Fällen kann es zu einer Blutvergiftung kommen, die in über 50% häufig tödlich endet. Je früher die Erkrankung erkannt wird umso höher liegen die Heilungschancen.

Schutz:

Um die Lebensmittelinfektion zu vermeiden ist es erforderlich nur vollständig durchgegarte Meerestiere zu verspeisen. Auf den Verzehr von rohen oder unvollständig gegarten Meerestieren sollte verzichtet werden. Vor allem das Essen von Austern in Amerikas Staaten am Golf von Mexiko - Texas, Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida.

Bei Wundinfektionen sollte vor allem darauf geachtet werden, ob sich die Wunde nach dem Kontakt mit Meereswasser entzündet. In einem solchen Fall, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden um mögliche Infektionen abzuklären. Personen mit Hautverletzungen oder chronischen Erkrankungen sollten sich generell von Gewässern in denen "Vibrionen" nachgewiesen wurden fernhalten. Auf öffentliche Badeverbote ist unbedingt zu achten!

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