4. Mai 2013

Ägypten: Erhöhtes Hepatitis A-Aufkommen bei Reisenden

Die Zahl der Hepatitis A-Fälle bei Ägyptenreisenden zeigt in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (Meldewoche 46/2012) erkrankten seit November 2012 insgesamt 39 Personen nach ihrem Ägyptenurlaub an einer Hepatitis A. Mehr als die Hälfte der Erkrankten musste aufgrund der Beschwerden stationär im Krankenhaus behandelt werden – ein Patient verstarb. Im Vergleichszeitraum der Vorjahre seit 2007 erkrankten nur rund 10 Reisende.

Auch andere europäische Länder verzeichnen vermehrt Hepatitis A-Erkrankungen

Auch in anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Dänemark, Norwegen, Schweden und Großbritannien zeichnet sich ein deutlicher Anstieg an Hepatitis A-Erkrankungen nach Ägyptenaufenthalt bei den Reiserückkehrern ab. Ein deutlicher Anstieg wurde vor allem in den letzten 2-3 Monaten registriert. Die Urlauber hielten sich an unterschiedlichen Orten in Ägypten auf, so dass keine besonderen Häufungen an einzelnen Orten festgestellt werden konnten. Derzeit  untersuchen Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts (RKI) gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden der betroffenen Länder, so wie dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) die näheren Umstände und möglichen Infektionsursachen.  

Erhöhtes Hepatitis A-Risiko bei Kreuzfahrten 

Diverse Untersuchungen in den vergangenen Jahren zeigten, dass viele Hepatitis A-Infektionen bei Kreuzfahrten auf dem Nil erworben werden. So wurden zum Beispiel im September 2008 in Frankreich 26 Hepatitis A-Fälle berichtet, die auf eine Infektion im Reiseland Ägypten – v.a. bei Nilfahrten – zurückzuführen waren. Auch Untersuchungen der Gesundheitsbehörden in Belgien ergaben, dass bei belgischen Reisenden Hepatitis A-Infektionen nach Nil-Kreuzfahrten auftraten. In Deutschland wurden 34 Hepatitis A-Fälle in der Zeit von September bis November 2008 gemeldet, bei denen ein Zusammenhang mit Nil-Kreuzfahrten angenommen wurde. 

Hepatitis A-Impfung ist bei erhöhtem Risiko empfohlen

Eine Ansteckung in einem Land mit einer hohen Hepatitis-Verbreitung kann sehr leicht erfolgen. Vom Trinkwasser für das Zähneputzen über Obst, Salat und Gemüse  bis hin zum Eis am Strand kommt alles in Frage, was in Kontakt mit verunreinigtem Wasser oder infizierten Menschen - von der Hotelküche bis zur Lebensmittelindustrie - steht. Die STIKO (Ständige Impfkommission am RKI) empfiehlt daher bei Reisen in Regionen mit erhöhter  Hepatitis-A-Krankheitshäufigkeit eine Schutzimpfung gegen Hepatitis A. Die Impfung dient zum einen dem  Schutz des Reisenden vor der Erkrankung, zum anderen schützt sie aber auch sein Umfeld bei Reiserückkehr. Die Vergangenheit zeigt, dass bei Reiserückkehrern wie zum Beispiel aus Ägypten, eine Einschleppung des Hepatitis A-Virus erfolgte und nicht selten zu einer Ausbreitung der Infektion im Umfeld des Reisenden im Heimatland führte.

Die Impfung ist noch am Abreisetag möglich

Um für die Reise einen Schutz vor Hepatitis A zu haben, genügt eine einzelne Impfdosis, auch wenn sie noch am Abreisetag (z.B. bei „Last-Minute-Reisen“) selbst erfolgen würde. Aufgrund der langen Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und ersten Krankheitszeichen) der Hepatitis A von mindestens 15 - 20 Tagen und dem schnellen Aufbau des Impfschutzes (12-15 Tage) kann die Impfung noch kurz vor der Abreise verabreicht werden. Nach 6 Monaten erfolgt die zweite Impfung. Damit wird der Langzeitschutz erreicht und die Grundimmunisierung vollständig abgeschlossen.

Die Impfung ist kombinierbar

Seit 1996 ist in Deutschland ist ein Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A und B zugelassen. Wie bei der Impfung gegen Hepatitis B sind zwei Impfungen im Abstand von 4 Wochen vor Reisebeginn zu verabreichen. Um einen Langzeitschutz zu erreichen, muss eine dritte Impfung nach ca. 6 Monaten gegeben werden. Die Wirksamkeit der Impfung ist zuverlässig, wie eine Untersuchung des Kombinationsimpfstoffes über den Zeitraum von 15 Jahren zeigte. Alle Geimpften hatten noch einen gültigen Hepatitis A-Impfschutz und über 89% aller Geimpften hatten noch einen Impfschutz gegen Hepatitis B. Reisende in Risikogebiete so wie Personen die ein Risiko haben, besonders schwer zu erkranken z.B. Personen mit chronischen Lebererkrankungen, ist ein Impfschutz gegen Hepatitis A empfohlen.