19. Sep 2021

Bolivien: Erhöhtes Tollwutrisiko in Cochabamba

Hund / Piali interMEDIS / Pechel

Die lokalen Gesundheitsbehörden (SEDES) von Cochabamba warnen aktuell vor einem erhöhten Tollwutrisiko in der Region. In der viertgrößten Stadt Boliviens und ihrem Umfeld soll sich die Zahl der tollwütigen Hunde im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt haben. Vier Personen sind bereits an Tollwut gestorben und weitere erkrankt. Besonders betroffen sind Tarata, Arbieto, Cliza und Sipe Sipe wo die Zahl der tollwütigen Hunde mit am höchsten ist. Die Zahl der Hunde in der Region von Cochabamba beträgt rund 600.000. Seit 11. September 2021 sollen hier durch eine Massenimpfkampagne möglichst viele Hunde geimpft werden. Einwohnern und Besuchern der Region wird dringend geraten, sich von frei laufenden Hunden fernzuhalten. 

Eiserne Regel in Reiseländern: Von frei laufenden Hunden fernhalten 

In mehr als 150 Ländern und Regionen besteht durch die erhöhte Zahl an streunenden Hunden ein erhöhtes Übertragungsrisiko für Tollwut v. a. in Ländern Asiens und Afrikas. Viele Hunde leben frei und herrenlos auf der Straße. Deshalb gilt als eiserne Regel, sich von frei laufenden Hunden, vor allem auch von Welpen, fernzuhalten da durch infizierte Tiere die Gefahr der Virusübertragung auf den Menschen besteht. In Mittel- und Südamerika können auch Fledermäuse die Tollwut übertragen. Der Biss der Fledermaus kann unbemerkt bleiben, da Fledermäuse über sehr kleine Zähne verfügen. Das beinhaltet die Gefahr, dass der Biss nicht wahrgenommen wird und somit die Infektionsgefahr unerkannt bleibt. Als wichtigste Verhaltensmaßnahme für Reisende gilt, insbesondere in den Tropen und Subtropen, freilaufende Tiere (v. a. Hunde und Katzen) nie zu streicheln oder zu berühren. Bei Bissverletzungen oder Belecken von Schleimhäuten oder Wunden durch streunende Tiere ist weiterhin – unabhängig vom Impfstatus – wegen akuter Lebensgefahr umgehend ein Arzt bzw. medizinische Hilfe aufzusuchen. Zu beachten ist, dass in vielen tropischen und subtropischen Ländern die medizinische Infrastruktur - v. a. in den ländlichen Regionen - unterentwickelt ist, sodass im Notfall u. U. nicht die richtigen Medikamente oder eine medizinische Einrichtung in der erforderlichen Zeit zur Verfügung stehen. Tragische Erkrankungsfälle bekräftigen die Tollwut-Impfempfehlung für Reisende vor allem bei Langzeitreisen in Länder mit erhöhtem Tollwutvorkommen. Bei erhöhtem Reiserisiko z. B. Trekking oder Übernachten im Freien ist daher eine Tollwut-Schutzimpfung zu erwägen.  

In fast allen Fällen verläuft die Erkrankung tödlich 

Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und ersten Symptomen) beträgt in den meisten Fällen zwischen 1 bis 3 Monaten; in Ausnahmefällen wurden Inkubationszeiten von bis zu einem Jahr beobachtet. Meistens treten nach 2 bis 3 Monaten (Inkubationszeit 5 Tage bis zu mehreren Jahren) nach der Biss- oder Kratzverletzung erste Beschwerden auf. Das kann zunächst nur eine Rötung mit einem Kribbeln der Biss- bzw. Kratznarbe sein. Im weiteren Verlauf entwickeln sich Krämpfe der Schlund-, Kehlkopf- und Atemmuskulatur mit Erstickungsgefühl, Atemnot, Erregungszuständen und Herzlähmung mit Todesfolge. In fast allen Fällen verläuft die Erkrankung tödlich, sobald die ersten Beschwerden auftreten. Das Virus befällt das zentrale Nervensystem und führt nach kurzer Zeit zum Tod. 

Schutzimpfung gegen Tollwut in Risikogebieten 

Die Impfung ist daher eine wichtige Maßnahme sich vorbeugend gegen die lebensgefährliche Krankheit zu schützen. Bislang waren 3 Impfungen an den Tagen 0, 7 und 21 bis 28 als Impfschema empfohlen. Im April 2018 gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedoch eine neue Empfehlung zur Tollwutimpfung heraus; demnach sind nur mehr zwei Impfungen an den Tagen 0 (= Tag der Impfung) und 7 (= sieben Tage nach der ersten Impfung) erforderlich, um einen Schutz gegen Tollwut zu erhalten. Es wird davon ausgegangen, dass die modernen Impfstoffe das Immunsystem so weit aktivieren, dass bereits nach zwei Impfungen ein ausreichender Schutz vorliegt, so die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft (DTG).