22. Feb 2017

Brasilien: Gelbfieber-Risiko in Karnevalgebieten

Karneval in Rio, Brasilien iStock / mmeee

Die Regierung von Brasilien hat für 63 Städte in Minas Gerais und eine Stadt in Espirito Santo eine erhöhte Infektionsgefahr für Gelbfieber ausgesprochen. Seit Beginn des Jahres wurden dort 44 Gelbfieber-Todesfälle registriert. Mehr als 70 weitere verdächtige Todesfälle werden medizinisch untersucht. Auch der Bundesstaat Sao Paulo meldet Gelbfieber. In den betroffenen Regionen sollen in den kommenden Tagen intensive Gelbfieber-Impfkampagnen stattfinden. Insgesamt sollen 12,8 Mio. Impfdosen in die betroffenen und anliegenden Risikogebiete geliefert werden. In den vergangenen Wochen wurden vor allem in Bahia, Espirito Santo, Minas Gerais, Rio de Janeiro und Sao Paulo vermehrt Gelbfieber-Impfkampagnen durchgeführt. Reisende mit Aufenthaltszielen in den Bundesstaaten Minas Gerais, Espirito Santo, Teilen von Bahia, Sao Paulo und Rio de Janeiro sollten eine Gelbfieber-Schutzimpfung in Erwägung ziehen. Diese Impfung sollte 10 Tage vor Einreise in ein Risikogebiet stattfinden, damit dem Körper ausreichend Zeit gelassen wird, einen Impfschutz aufzubauen. 

Wo liegen die Gelbfiebergebiete Brasiliens? 

Gelbfieber tritt regional in den folgenden Gebieten und Bundesstaaten auf. Acre, Amapá, Amazonas, Distrito Federal (einschließlich der Hauptstadt Brasilia), Goiás, Maranhao, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Minas Gerais, Pará, Rondônia, Roraima und Tocantins sowie bestimmte Regionen im Norden und Westen von Bahia,  im Westen und Zentrum von Paraná, im Südwesten von Piauí, weit im Westen von Santa Catarina, in Rio Grande do Sul und im Norden und Westen von Sao Paulo. Bei Reisen in Risikogebiete – vor allem bei Reisen zu den Iguazu-Fällen – ist eine Gelbfieberimpfung empfohlen.  

An welche weiteren Reiseimpfungen sollte gedacht werden? 

Eine Reise gibt immer Anlass den Impfstatus zu überprüfen und gegebenenfalls Auffrischimpfungen nachzuholen. Zu den Standardimpfungen gehören Tetanus und Diphtherie. Diesen Impfschutz sollte jeder haben und er sollte nicht länger als 10 Jahre zurückliegen. Ist eine Auffrischung fällig, so empfiehlt die STIKO zusätzlich eine einmalige Impfung gegen Keuchhusten mit einem Kombinationsimpfstoff (Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten, sog. Tdap-Impfstoff). Lateinamerika – somit auch Brasilien – gilt seit 1994 als „poliofrei“, d.h. ohne Vorkommen von Kinderlähmung (Polio). Eine Schutzimpfung ist somit nicht erforderlich. Ein Hepatitis A-Impfschutz ist bei Fernreisen durchaus sinnvoll, da die Viren weltweit vorkommen und durch Nahrungsmittel  und/oder Trinkwasser einfach übertragen werden können. 

Brasilien gehört zu den Ländern mit den meisten Verkehrstoten  

Brasilien gehört zu den Ländern mit den weltweit meisten Verkehrstoten. Die Zahl der Verkehrsunfälle wurde vor wenigen Jahren auf mehr als 400.000 geschätzt. Unfälle sind einer der Gründe, warum bei Fernreisen auch an einen Hepatitis B-Schutz gedacht werden sollte. Einer der häufigsten Gründe einer Krankenhauseinweisung während der Reise sind Unfälle. Der ungewohnte Straßenverkehr bildet eines der Hauptprobleme. Rund 40 % der Repatriierungsflüge weltweit gehen auf Unfälle im Straßenverkehr zurück. In diesem Zusammenhang können medizinische Eingriffe (Spritzen, Infusionen, Operationen, usw.) im Rahmen einer Erstversorgung vor Ort erforderlich werden. Untersuchungen zeigten, dass zwischen 23-44 % der Todesfälle bei Interkontinentalreisen auf Unfälle und nur 1-3 % auf Infektionskrankheiten zurückzuführen sind.

Auf jeden Fall sollte rechtzeitig vor der Abreise eine reisemedizinische Beratung erfolgen, bei der das persönliche Risiko und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen geklärt werden können.