14. Mai 2022

Guatemala: Gefährliche Fischvergiftungen

Rotalgen iStock / Orietta Gaspari

Die nationale Behörde zur Kontrolle von „Red Tide“ in Guatemala hat zur erhöhten Vorsicht in den pazifischen Küstengebieten aufgerufen. Hier wurde in mehreren Wasserproben ein erhöhter Giftgehalt an Saxitoxin festgestellt. Dieses Nervengift wird durch Plankton vor allem von Miesmuscheln, Pfahlmuscheln und Austern aufgenommen. Am 29. April 2022 wurden drei Erkrankungsfälle bei einem Erwachsenen und zwei Kindern in der Gemeinde Tiquisate im Departement  Escuintla nachgewiesen. Alle drei Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die Vergiftung wurde durch den Verzehr von Muscheln hervorgerufen. In der Zwischenzeit sind es 11 gemeldete Erkrankungsfälle, darunter ein Todesfall. Der Saxitoxingehalt regionaler Wasserproben liegt weit oberhalb des Referenzbereiches und stellt somit eine gesundheitliche Gefahr dar. Aus diesem Grund warnen die örtlichen Behörden derzeit vor der Algenblüte und weisen darauf hin, dass Beschwerden, die nach dem Verzehr von Muscheln oder Meerestieren auftreten, auf die Fischvergiftung hinweisen könnten.

Die hochgiftige Algenblüte ist oft an der Meeresoberfläche erkennbar 

Red Tide“ (deut. Rote Flut) ist eine hochtoxische Algenblüte, die auf der Meeresoberfläche eine rötliche Schicht bildet. Sie setzt sich zusammen aus Milliarden winziger Einzeller (sog. Dinoflagellaten), die Gifte bilden können. Werden die giftigen Dinoflagellaten von Muscheln aufgenommen, reichert sich das Gift in den Muscheln an und kann dann auch beim Verzehr der Muscheln für Menschen gefährlich werden. Kommt es zu einer Massenvermehrung der Algenblüte, wird so viel Gift produziert, dass auch Fische und andere Meerestiere sterben. Dinoflagellate können auch die Gifte Ciguatoxin und Maitotoxin erzeugen und dadurch zum Krankheitsbild „Ciguatera“ führen. Über die Nahrungskette werden die vergifteten Algen durch Schalentiere und Fische aufgenommen. Die Gifte können selbst durch Abkochen nicht zerstört werden. Durch den Verzehr von Meerestieren werden die Gifte durch die Nahrung aufgenommen und können zu Vergiftungserscheinungen führen.

Örtliche Warnhinweise sind zu beachten 

Die Fischvergiftung Ciguatera kann Reisende vor allem in karibischen oder pazifischen Regionen betreffen. Von Wassergischt und/oder Wassertropfen in den betroffenen Küstenabschnitten sollten sich Besucher der Strände fernhalten, da es durch das algenhaltige Meereswasser zu Schleimhautreizungen in den Augen und oberen Atemwegen kommen kann. Dabei können Beschwerden wie Juckreiz, Husten und Halsschmerzen auftreten. Beim Baden können die Algen zu Hautreizungen führen. Auf aktuelle örtliche Warnhinweise der Wasserwacht an den Küsten sollte geachtet werden. Auf den Genuss von Mahlzeiten mit Muscheln, Fischen und Meerestieren sollte in den betroffenen und ausgewiesenen Küstenabschnitten derzeit verzichtet werden. Die einzig wirksame Vorbeugung besteht im Verzicht auf den Verzehr von Fischen und Schalentieren aus den Gewässern der betroffenen Gebiete.