9. Okt 2016

Haiti: Cholerarisiko steigt

Das Cholerarisiko nach Hurrikan Mathew steigt. Unter den rund 750.000 Hilfsbedürftigen, die der Wirbelsturm in einem Trümmerfeld oftmals von der Umwelt vollständig abgetrennt zurückgelassen hat, sind bereits mehrere Cholera-Fälle aufgetreten. Im Süden des Landes sind sogar einige Cholera-Todesfälle verzeichnet worden. Aufgrund der verheerenden Notsituation vor Ort, der mangelhaften sanitären und hygienischen Möglichkeiten, sowie der eingeschränkten medizinischen Versorgung besteht derzeit ein erhöhtes Risiko für den Ausbruch unterschiedlicher Infektionen, wie u.a. Magen-Darm-Infektionen, Cholera, Typhus aber auch Malaria.   

Jan. – Aug. 2016: Mehr als 27.000 Cholera-Fälle in Haiti    

Die Cholera hält landesweit seit 2010 an und konnte seither nicht vollständig bekämpft werden. Seit dem Erdbeben im Oktober 2010 herrschen immer noch in vielen Regionen mangelhafte sanitäre Verhältnisse und hygienisch schlechte Lebensbedingungen, die den Ausbruch von Infektionskrankheiten wie der Cholera fördern. Verunreinigtes Trinkwasser ist dabei eine der häufigsten Ursachen. Die meisten aller in Nord-, Mittel- und Südamerika gemeldeten Cholera-Fälle (98%) wurden seit 2010 aus Haiti berichtet. In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden in Haiti 27.742 Cholera-Verdachtsfälle registriert – darunter 255 Todesfälle. Aufgrund der stark eingeschränkten medizinischen Versorgung können viele Erkrankungsfälle nicht ausreichend versorgt oder rechtzeitig diagnostiziert werden. Die meisten Fälle wurden in Port-au-Prince (Ouest) und Artibonite berichtet, weitere in den zentralen, nördlichen und südlichen Landesteilen. Aktuell wurden Erkrankungen und Todesfälle aus dem Süden Haitis beobachtet.    

2015: Mehr als 30.000 Cholera-Fälle in der Karibik   

Im vergangenen Jahr wurden mehr als 30.000 Cholera-Fälle aus der Karibik berichtet. Die meisten Fälle wurden aus nur drei Ländern gemeldet: Haiti, Dominikanische Republik und Kuba. Sowohl nationale als auch internationale Bemühungen zur Eindämmung der Infektionskrankheit laufen unter großen Bemühungen aller Beteiligten und haben bereits in vielen Gebieten zu einem Rückgang der Fallzahlen führen können. Reisende in Risikoregionen sollten stets eine gute Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene durchführen und von Essen und Trinken an einfachen Straßenständen absehen. Bei Reisen in Risikogebiete sollte eine Cholera-Impfung in Erwägung gezogen werden.  

Cholera-Impfung bei Reisen in Risikogebiete

Die Cholera ist eine akute Durchfall-Erkrankung die unbehandelt in wenigen Stunden tödlich enden kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt das weltweite Auftreten der Cholera auf jährlich rund 3 - 5 Millionen Erkrankungsfälle und 100 000 - 120 000 Todesfälle. Besonders gefährdet sind abwehrgeschwächte Personen, Kranke, Kinder, ältere Menschen und Schwangere. Sorgfältige Hygienemaßnahmen vor allem in der Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene sind immer und für jeden Reisenden empfohlen. Diese Schutzmaßnahmen dienen nicht nur dem Schutz vor den Choleraerregern, sondern auch anderen häufig  auftretenden Magen-Darm-Infektionskrankheiten die in tropischen und subtropischen Ländern vorkommen. Medizinisches Hilfspersonal und Mitarbeiter der humanitären Soforthilfe in den Risikogebieten sollten zudem einen umfangreichen Impfschutz u.a. neben den Standardimpfungen mit einer Hepatitis A- und Hepatitis B-Schutzimfung, Typhus-Schutzimpung und Cholera-Impfung in Betracht ziehen. Durch die strukturelle und immunologische Ähnlichkeit der Gifte von Cholerabakterien und sog. ETEC (enterotoxische E. coli), verleiht die Cholera-Impfung einen eingeschränkten Schutz gegen ETEC (enterotoxische E. coli), einem häufigen Erreger des Reisedurchfalls. Insgesamt errechnet sich nach bisheriger Datenlage für den nicht differenzierten "Reisedurchfall" eine Schutzwirkung von unter 30% (DTG, 2016). Bei Personen mit bestimmten Vorerkranken (v.a. Magen-Darm) oder auch Personen mit der Gefahr schwerer Krankheitsverläufe kann die Impfung, in Betracht gezogen werden. Eine ärztliche Beratung ist hier empfohlen.