21. Feb 2014

Hepatitis A: Wie hoch ist das Risiko für Reisende?

Rund 70 Millionen Deutsche verreisen jährlich. Davon besuchen rund 35% die Mittelmeerregionen, 7% Osteuropa und rund 7% buchen Fernreisen. Im Jahr 2012 wurde erstmals die weltweite Zahl der internationalen Touristen von 1 Milliarde überschritten. 51% der Touristen besuchten Europa, 23% Asien und den Pazifischen Raum, 16% Nord- und Südamerika, 5% Afrika und 5% den Nahen Osten. In fast allen Ländern besteht ein Hepatitis A-Risiko. Doch die Einschätzung des Hepatitis A-Risikos bei Reisen wirft oft eine große Fragestellung auf. Ein eher höheres Risiko besteht in Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika so wie im Nahen Osten, ein eher mittleres Risiko in den Mittelmeerländern.

Sind Hotelreisen sicher?

Das Infektionsrisiko hängt meist von der Reiseart und –dauer, sowie von dem Verhalten des Einzelnen ab. So haben zum Beispiel Rucksackreisende gegenüber Hotelreisenden ein deutlich höheres Risiko. Doch auch eine Hotelreise oder die Unterbringung in einem Touristenzentrum bietet keine absolute Sicherheit vor der Erkrankung. Ein Bespiel dafür ist der Hepatitis A-Ausbruch in Hurghada (Ägypten) der vor einigen Jahren zu über 300 Erkrankungen bei den europäischen Hotelgästen führte. Als Infektionsquelle wurde ein verunreinigter Orangensaft vermutet, der den Urlaubern zum Frühstück angeboten wurde.

Auch in Deutschland besteht ein Infektionsrisiko 

Doch nicht nur bei Fernreisen besteht das Risiko einer Hepatitis A-Übertragung. Im Jahr 2012 wurden 50 Ausbrüche von Hepatitis A-Erkrankungen in Deutschland registriert. Der größte beschriebene Ausbruch ergab sich im Zusammenhang mit einer Bäckerei in Niedersachsen, bei dem rund 80 Kunden der Bäckerei betroffen waren. Auch zwei Mitarbeiter erkrankten. Die Zahl der in Deutschland 2013 erfassten Hepatitis A-Erkrankungen beträgt 776. Für das Jahr 2012 wurden insgesamt 831 Erkrankungen ermittelt. Die meisten Erkrankungen (70%) wurden in Deutschland selbst erworben, weitere in der Türkei (5%), Ägypten (4%), Marokko (1%), Indien (1%) und anderen Destinationen. Die Erkrankten besaßen in den meisten Fällen keine Immunität gegen Hepatitis A.

Immer weniger Jugendliche und Erwachsene besitzen eine Immunität

Das Virus wird mit dem Stuhl ausgeschieden und führt daher in Ländern mit niedrigem Hygienestandard zu einer erhöhten Durchseuchung. Nahrungsmittel, Trinkwasser und Säfte können durch die Viren von Ausscheidern verunreinigt sein und entweder direkt oder auch indirekt durch  Mensch-zu-Mensch-Kontakt übertragen werden. Durch den guten Hygienestandard in Europa und den USA kam es in den letzten Jahren zu einem Rückgang der Infektionshäufigkeit. Dadurch besitzen immer weniger Jugendliche und Erwachsene eine Immunität. Dieses Ergebnis hat für Reisende eine entscheidende Relevanz wenn sie in Länder mit erhöhtem Hepatitis A-Vorkommen reisen.

Eine Schutzimpfung steht zur Verfügung – auch bei „Last Minute-Reisen“

Für viele Reiseländer Europas und vor allem den Tropen und Subtropen bildet die Impfung gegen Hepatitis A somit eine sinnvolle Schutzmaßnahme. In Abhängigkeit vom verwendeten Hepatitis A-Impfstoff gehören 2 bzw. 3 Impfdosen zu einer vollständigen Immunisierung. Um für die Reise einen Schutz vor Hepatitis A zu haben, genügt eine einzelne Impfdosis, auch wenn sie noch am Abreisetag (z.B. bei „Last-Minute-Reisen“) selbst erfolgen würde. Aufgrund der langen Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und ersten Krankheitszeichen) der Hepatitis A von mindestens 15 - 20 Tagen und dem schnellen Aufbau des Impfschutzes (12-15 Tage) kann die Impfung noch kurz vor der Abreise verabreicht werden. Nach 6 Monaten erfolgt die zweite Impfung. Damit wird der Langzeitschutz erreicht und die Grundimmunisierung vollständig abgeschlossen. Der Impfschutz kann Jahrzehnte (mindestens 25 Jahre) andauern und vor der Erkrankung schützen.