28. Okt 2017

Indien: Erhöhtes Tollwutrisiko

iStock / Sven Hoppe

Reiseländer wie Indien und Kenia gehören durch die erhöhte Zahl an streunenden Hunden und Katzen zu den Ländern mit einem erhöhten Übertragungsrisiko. Wie viele Personen in Indien jährlich tatsächlich an Tollwut erkranken und sterben, beläuft sich auf Schätzungen. Nach einer Veröffentlichung in der medizinischen Fachzeitung „Lancet“ wird von 12.700 Tollwut bedingten Todesfällen im Jahr 2013 gesprochen. In anderen nationalen Medien ist sogar von 20.000 Todesfällen die Rede. Wie hoch auch immer die tatsächliche Zahl der Todesfälle ist, Fakt bleibt, dass die Tollwut in Indien weit verbreitet ist und dadurch eine Bedrohung für die Bevölkerung – aber auch für Reisende – darstellt.

Viele Reiseländer haben ein erhöhtes Tollwutrisiko

In vielen Ländern der Welt stellt die Tollwut nachwievor ein großes Problem dar. Betroffen sind unter anderem auch viele beliebte Reiseländer in Afrika und Asien. Schätzungsweise 55.000 Menschen sterben weltweit jährlich an Tollwut – das bedeutet, ungefähr alle 10 Minuten stirbt ein Mensch an der hoch gefährlichen Krankheit. Experten gehen sogar von einer Unterfassung der Datenlage und von wesentlich mehr Erkrankungen aus, da viele Erkrankungen sich in abgelegenen Regionen von afrikanischen oder asiatischen Ländern befinden und gar nicht vollständig erfasst werden können.

Rund 99% aller Tollwutinfektionen geschehen durch tollwütige Hunde

Hauptüberträger der Tollwut ist nachwievor der Hund. Viele Hunde leben frei und herrenlos auf den Straßen. Deshalb gilt als eiserne Regel, sich von freilaufenden Hunden – vor allem auch Welpen – fernzuhalten, da durch infizierte Tiere die Gefahr der Virusübertragung auf den Menschen besteht. Bei Bissverletzungen oder Belecken von Schleimhäuten oder Wunden durch streunende Tiere ist umgehend ein Arzt bzw. medizinische Hilfe aufzusuchen. Dieser sollte neben der Wundversorgung eine aktive und passive Immunisierung gegen Tollwut durchführen. Es sollte jedoch bedacht werden, dass in vielen tropischen und subtropischen Ländern die medizinische Infrastruktur - v.a. in den ländlichen Regionen - unterentwickelt ist, so dass im Notfall u.U. nicht die richtigen Medikamente oder medizinischen Einrichtungen in der erforderlichen Zeit zur Verfügung stehen.

In Europa sind vor allem Fledermäuse Überträger des Tollwutvirus

Während auf den Kontinenten wie Afrika und Asien vorwiegend die Tollwut durch Hunde und Katzen übertragen wird, sind in Europa vor allem Fledermäuse mit Tollwutviren infiziert. Noch ist die Zahl in einem übersichtlichen Ausmaß, doch bereits in manchen Regionen breitet sich das Virus immer weiter aus. In den Jahren 1977 bis 2014 wurden rund 90% aller positiv auf Tollwut getesteten Fledermäuse aus Dänemark, den Niederlanden, Deutschland und Polen berichtet. Die übrigen 10% kamen aus Ländern wie Frankreich, Spanien, Großbritannien, Slovakei, Ungarn, Belarus, Ukraine, Russland, der Tschechischen Republik und der Schweiz. Bislang wurden jedoch nur sporadische Infektionen beim Menschen durch Fledermaus-Bisse in Europa beobachtet. 1977 kam es zu einem ersten Infektionsfall in der Ukraine. 1985 erkrankten ein Schweizer und ein Russe nachdem sie durch einen Fledermausbiss mit Tollwutviren infiziert wurden und starben an der Krankheit. Im November starb ein Schotte aus Angus an Tollwut

Langzeitreisen oder Zelten in der Natur erhöhen das Risiko

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte eine Warnung für Reisende, nachdem eine britische Reisende sich bei ihrem Indienaufenthalt durch einen unbehandelten Hundebiss mit Tollwutviren infizierte und starb. Tragische Erkrankungsfälle bekräftigen die Tollwut-Impfempfehlung für Reisende vor allem bei Langzeitreisen in Länder mit erhöhtem Tollwutvorkommen. Bei erhöhtem Reiserisiko z.B. Trekking oder Übernachten im Freien, ist ebenfalls eine Tollwut-Schutzimpfung zu erwägen.