10. Okt 2013

Israel: Polioviren im Abwasser

Der Kampf mit der Kinderlähmung geht weiter und betrifft auch die Reisevorbereitung. Wer in Länder mit Polio-Vorkommen fährt sollte unbedingt seinen Impfschutz überprüfen. Doch nicht nur in Afrika und Asien besteht eine Infektionsgefahr. Seit April dieses Jahres werden in Israel Polioviren (Erreger der Kinderlähmung) vielerorts im Abwasser nachgewiesen. An 27 Stellen des Landes wurden die Viren bereits gefunden. Seit 1988 wurden in Israel keine Polio-Fälle mehr berichtet - Israel galt als poliofrei. Doch durch das Vorkommen der Polioviren in den Abwässern in unterschiedlichen Landesteilen, wird nun dazu geraten, bei Reisen nach Israel, im Westjordanland oder im Gazastreifen den Polio-Impfschutz zu überprüfen. Mitte September wurden auch in Jerusalem Polioviren in Abwasser festgestellt.

Auch andere Reiseländer wie Kenia und Äthiopien sind betroffen

In den vergangenen Wochen wurden auch aus Reiseländern wie Kenia und Äthiopien, aber auch aus dem Süd-Sudan und Afghanistan Fälle der Kinderlähmung gemeldet. Bis 2. Oktober wurden weltweit 285 Polio-Fälle aus sieben Ländern berichtet: Somalia (170), Nigeria (49), Pakistan (39), Kenia (14), Afghanistan (6), Äthiopien (4) und Süd-Sudan (3). Erst am 18. Januar wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Vorkommen von Polioviren in Abwässern der Distrikte Al Haggana und Al Salam in Kairo in Ägypten gemeldet. Der im Schmutzwasser entdeckte Poliovirus-Typ ähnelte dem Poliovirus-Typ der in Pakistan, im Norden der Provinz Sindh endemisch ist. Diese Tatsache lässt auf eine Einschleppung des Virus nach Ägypten aus Pakistan schließen. Erkrankungsfälle der Kinderlähmung wurden bislang noch keine gemeldet.

Problem: Einschleppung von Polioviren in poliofreie Länder   

Die aktuelle Situation belegt die große Problematik in der geografischen Ausbreitung der Kinderlähmung, auch in Ländern und Regionen in denen die Krankheit schon seit vielen Jahren nicht mehr vorkam. Bei  Personen ohne Polioschutz können die Erreger der Kinderlähmung (Polioviren) zu einer Infektion und in der Folge zu einer Erkrankung führen. In diesem Zusammenhang wurden 2001 drei Fälle aus Bulgarien und ein Fall aus Georgien gemeldet, bei denen das verursachende Poliovirus ursprünglich aus Indien kam. Ebenfalls erkrankten in den Niederlanden anfangs der 90iger Jahre 71 Personen an einer Poliomyelitis durch einen importierten Poliovirus.   

Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene sind wichtig    

Polioviren in jeglichen Gewässern stellen ein Infektionsrisiko dar. Die Virusübertragung kann durch Nahrungsmittel oder Trinkwasser erfolgen, die durch virushaltige Stuhlausscheidungen verunreinigt wurden. Sehr sorgfältige Schutzmaßnahmen, insbesondere bei der Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene sind daher einzuhalten. Grundsätzlich empfiehlt daher die deutsche Impfkommission (STIKO) bei Reisen in Regionen mit Infektionsrisiko eine Schutzimpfung gegen Kinderlähmung. Die aktuelle epidemiologische Lage ist zu beachten, insbesondere die Meldungen der Weltgesundheitsorganisation.