25. Jul 2013

Italien: Kala-Azar in Bologna

Aus der Provinz von Bologna, in der Region Emilia-Romagna wurde in den vergangenen Monaten ein Anstieg einer in Norditalien eher seltenen Infektionskrankheit berichtet; der sogenannten viszeralen Leishmaniose, auch "Kala Azar" genannt. In der Zeit von November 2012 bis Mai 2013 wurden 14 Erkrankungsfälle berichtet. Damit liegt die Zahl der Infektionen um ein Fünffaches höher als in den Vergleichszeiträumen der letzten Jahre. Der letzte größere Leishmaniose-Ausbruch in Bologna ereignete sich in den Jahren 1971-72. Damals erkrankten 60 Personen, 13 starben. In den Folgejahren wurden nur mehr vereinzelte Erkrankungen gemeldet. Seit 1989 werden in Italien zwischen 10-30 Fälle der viszeralen Leishmaniose registriert. In den Jahren 2000 und 2004 gab es einen starken Erkrankungsanstieg mit rund 200 gemeldeten Fällen pro Jahr.

Kala Azar auch in Frankreich, Spanien und den Balearen 

Es wird vermutet, dass durch die globale Erwärmung des Mittelmeerraumes eine stärkere Vermehrung der Überträgermücke stattgefunden hat, die in der Folge in diesem Jahr zu einer Erhöhung der Infektionen geführt hat. Auch in anderen Ländern Südeuropas, wie z.B. Süd-Frankreich, Spanien und den Balearen wurden die letzten Monate Kala Azar-Fälle berichtet. Der letzte größere Ausbruch in Südeuropa ereignete sich 2010-2012. Rund 100 Erkrankungsfälle wurden in der Nähe von Madrid, Spanien registriert. Kala Azar tritt vor allem in tropischen und subtropischen Klimazonen aber auch im Mittelmeerraum auf. Zunächst galten in Italien mehr die südlichen Landesteile und Inseln als Regionen mit Kala Azar-Vorkommen. Seit den neunziger Jahren hat sich die Infektionskrankheit jedoch immer weiter nördlich ausgebreitet.  

Eine Infektionsgefahr besteht in 88 Ländern 

Immer häufiger werden Tropenkrankheiten auch in Europa heimisch. Neben Dengue Fieber und Chikungunya, stellt auch die Leishmaniose ein wachsendes Risiko dar und wird häufig unterschätzt.  Die Leishmaniose kann je nach Erregerform die Haut, die Schleimhäute oder auch die inneren Organe betreffen. Nach Aussage der Weltgesundheitsorganisation, sind rund 350 Millionen Menschen in 88 Ländern der Infektionsgefahr ausgesetzt. Rund 12 Millionen Infektionsfälle werden gegenwärtig angenommen - darunter jährlich rund 1-2 Millionen Neuerkrankungen.  

Mückenschutz empfohlen  

Die Erreger der viszerale Leishmaniose (lat. viscera = Eingeweide) sind Leishmanien und werden durch den Stich der Sandmücke übertragen. Die Erreger befallen bestimmte Zellen des Immunsystems und schädigen dadurch Milz, Leber, Knochenmark und Lymphknoten. Der Schweregrad der Erkrankung und das Krankheitsbild richten sich nach der Erregerart, der Größe des Erregerbefalls als auch nach der Abwehrkraft der infizierten Person. Im Rahmen einer Allgemeininfektion befallen die Parasiten wichtige Körperorgane und beeinträchtigen ihre Funktionen. Das daraus resultierende Krankheitsbild der Kala Azar ist schwerwiegend und endet unbehandelt häufig tödlich. Reisende sollten sich dem Infektionsrisiko bewusst sein und gute Mückenschutzmaßnahmen durchführen.