8. Jul 2018

Marokko: Hepatitis A bei Reisenden

iStock / pulpitis

Mehrere Hepatitis A-Erkrankungen wurden bei europäischen Rückreisenden aus Marokko festgestellt. Dabei wurden zwei unterschiedliche Typen von Hepatitis A-Viren besonders häufig beobachtet. Der eine Hepatitis A-Virustyp „Subgenotyp IA DK2018_231“ wurde aus acht europäischen Ländern bei Rückreisenden berichtet. Insgesamt wurden 55 Fälle nachgewiesen.  Die große Mehrzahl der Fälle wurde bei englischen Touristen im Alter zwischen 3 und 81 Jahren verzeichnet. Beschwerden traten bei den Erkrankten im Zeitraum von Mitte Januar bis Mitte Juni 2018 auf. Ein Patient starb an den Folgen der Infektion. Der zweite Hepatitis A-Virustyp „IB V18-16428“ wurde 33 Mal nachgewiesen, hauptsächlich bei deutschen und französischen Reisenden. Die Reisehepatitis konnte in diesen untersuchten Fällen vor allem bei Rückreisenden aus Marokko festgestellt werden.

Datteln als mögliche Infektionsquelle  

Acht Hepatitis A-Erkrankte der genannten Untersuchung gaben an keine Reise unternommen zu haben. Eine Befragung ergab jedoch, dass die Hepatitis A-Infektion auf Nahrungsmittel von Reiserückkehrern aus Marokko zurückgeführt werden konnte. Sowohl die erkrankten Reisenden aus Marokko, sowie die erkrankten Einzelfälle ohne Reisehistorie gaben an, Datteln in oder aus Marokko gegessen zu haben. Ein Hepatitis A-Patient aus Frankreich berichtete, dass er Datteln aus Marokko mitgebracht hätte und sie nach seiner Heimkehr in Frankreich mit zwei weiteren Personen verzehrt hätte. Alle Drei erkrankten innerhalb des gleichen Zeitraumes an Hepatitis A. Dieses Ergebnis lässt eine Verunreinigung der Datteln mit Hepatitis A-Viren vermuten.  

Reisende waren sich in Marokko keiner Infektionsgefahr bewusst  

Die meisten Reisenden waren nicht geimpft gegen Hepatitis A und gaben an, entweder nicht über das Hepatitis A-Risiko im Reiseland informiert gewesen zu sein oder bezüglich einer Hepatitis A-Impfung keine Informationen gehabt zu haben. Auch weiterführende Befragungen bei Hepatitis A-Erkrankten in anderen europäischen Ländern zeigten, dass viele Reisende in Länder mit Hepatitis A-Risiko, vor ihrer Reise nicht gegen Hepatitis A geimpft waren, da sie über das potentielle Infektionsrisiko nicht informiert waren.  

Schutzimpfung bei Reisen in Hepatitis A-Risikogebiete empfohlen

Hepatitis A kann durch verunreinigte Lebensmittel und Getränke übertragen werden. Reisenden nach Marokko wird daher empfohlen, sich bezüglich der Risiken und Schutzmöglichkeiten einer Hepatitis A aufklären zu lassen. Bei Reisen in Hepatitis A-Risikogebiete ist eine Schutzimpfung empfohlen. Insbesondere in Deutschland ansässige Marokkaner und ihre Familienangehörigen, sollten auf die Gefahr der Hepatitis A und auf die Schutzimpfung  hingewiesen werden, da  diese Personengruppe bei Reisen in das Heimatland nur selten reisemedizinische Beratung aufsucht. Für viele Reiseländer Europas und vor allem den Tropen und Subtropen bildet die Impfung gegen Hepatitis A eine sinnvolle Schutzmaßnahme. Um für die Reise einen Schutz vor Hepatitis A zu haben, genügt eine einzelne Impfdosis, auch wenn sie noch am Abreisetag (z.B. bei „Last-Minute-Reisen“) selbst erfolgen würde. Nach 6 Monaten erfolgt die zweite Impfung. Damit wird der Langzeitschutz erreicht.