15. Mai 2022

Mexiko: Fledermaus-Tollwut in Jalisco

Fledermaus (1) Geza Farkas / Fotolia

In El Salto im mexikanischen Bundesstaat Jalisco starb ein 41-Jähriger an Tollwut, nachdem er von einer Fledermaus gebissen wurde. Dieser Fall ist seit Jahren wieder der erste Tollwutfall beim Menschen, der in diesem Bundesstaat gemeldet wurde. Der Mann aus der Stadt Chapala, erlitt den Fledermausbiss an der rechten Hand bereits im Januar. Als er Anfang April Schmerzen im Arm verspürte, suchte er medizinische Hilfe auf. Doch jede Hilfe kam zu spät. Mitte April verstarb der Patient an Tollwut

Fledermäuse und Stinktiere als Hauptüberträger menschlicher Tollwut

Am 11. November 2019 wurde Mexiko von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) als Land ohne von Hunden übertragene menschliche Tollwut anerkannt. In Jalisco soll der letzte Fall von menschlicher Tollwut durch einen Hundebiss 1995 aufgetreten sein. Heutzutage sind es Wildtierarten (hauptsächlich Fledermäuse und Stinktiere), die in Mexiko die Quelle menschlicher Tollwut sind. Von 2000 bis 2019 wurden insgesamt 46 durch Wildtiere übertragene Fälle von menschlicher Tollwut bestätigt; davon wurden 90 % der Angriffe von Fledermäusen oder Stinktieren verübt. Die derzeitige COVID-19-Pandemie hat Länder wie Mexiko dazu veranlasst, einen Großteil ihrer Gesundheitsressourcen zur Bekämpfung von COVID-19 einzusetzen. Dies führt dazu, dass Bekämpfungsmaßnahmen gegen Krankheiten wie Tollwut vernachlässigt werden, was die Bekämpfungserfolge der Vergangenheit zunichtemachen und das Übertragungsrisiko vielerorts wieder erhöhen kann.  

Langzeitreisen oder Zelten in der Natur erhöhen das Risiko

Tragische Erkrankungsfälle bekräftigen die Tollwut-Impfempfehlung für Reisende vor allem bei Langzeitreisen in Länder (wie z. B. Indien) mit erhöhtem Tollwutvorkommen. Bei erhöhtem Reiserisiko z. B. Trekking oder Übernachten im Freien ist eine Tollwut-Schutzimpfung zu erwägen. Bei Bissverletzungen oder Belecken von Schleimhäuten oder Wunden durch streunende Tiere ist umgehend ein Arzt bzw. medizinische Hilfe aufzusuchen. Dieser sollte neben der Wundversorgung eine aktive und passive Immunisierung gegen Tollwut durchführen. Es sollte jedoch bedacht werden, dass in vielen tropischen und subtropischen Ländern die medizinische Infrastruktur - v. a. in den ländlichen Regionen - unterentwickelt ist, sodass im Notfall u. U. nicht die richtigen Medikamente oder medizinischen Einrichtungen in der erforderlichen Zeit zur Verfügung stehen. 

Tollwütige Fledermäuse treten auch europaweit auf

Die erste tollwütige Fledermaus in Europa wurde 1954 in Hamburg registriert. 1985 erkrankte und starb ein Fledermaus-Forscher in Finnland an Tollwut. Die tödliche Infektionskrankheit wurde bei Fledermäusen in Finnland bereits seit mehreren Jahren beobachtet. In den Jahren 1977 bis 2014 wurden insgesamt 1.085 Fledermaus-Tollwutfälle in Europa registriert. Rund 90 % aller tollwütigen Fledermäuse wurden in den Niederlanden (351), Dänemark (226) und Deutschland (259) registriert. Weitere kranke Tiere wurden in Polen (97), Frankreich (75), Spanien (28) und der Ukraine (16) beobachtet. Einzelne tollwütige Fledermäuse wurden auch in der Schweiz, Tschechischen Republik, Slowakei, Ungarn, Weißrussland und Russland gemeldet.  Auch wenn das Risiko der Tollwutübertragung durch Fledermäuse auf den Menschen in Europa sehr gering ist, ist es dennoch möglich. So kam es in den vergangenen Jahren auch in Europa zu einzelnen Fällen menschlicher Fledermaus-Tollwut.