20. Feb 2021

Namibia: Hepatitis E-Ausbruch in Windhoek

Wasserloch interMEDIS

Der Hepatitis E-Ausbruch in der Region Khomas, in Windhoek, der im Dezember 2017 seinen Anfang gefunden hatte, zeigt einen deutlichen Rückgang. Bis 10. Januar 2021 wurden insgesamt 8.030 Erkrankungsfälle und 66 Todesfälle gezählt. In mehr als 40% der Todesfälle handelte es sich um Schwangere. Die meisten Erkrankungen wurden aus der Khomas Region gemeldet, weitere aus Erongo (v. a. Walvis Bay und Kuisebmund) und andere Regionen. Die Erkrankten waren meist im Alter zwischen 20-39 Jahre. In der Zeit vom 28.12.2020 bis 10.1.2021 sank die Zahl der Hepatitis E-Neuerkrankungen auf fünf Fälle. Obgleich die Zahl der Erkrankungen derzeit rückläufig ist, bleiben die Infektionsursachen – wie eine unzureichende Trinkwasserversorgung und mangelhafte sanitäre als auch hygienische Bedingungen in der Region – weiter bestehen. Zudem werden aktuell aufgrund der COVID-19-Pandemie, nur eingeschränkt  Schutz- und Präventionsmaßnahmen zur Hepatitis E durchgeführt, da der Fokus aktuell auf der Bekämpfung von COVID-19 liegt.

Die Hepatitis E galt viele Jahre als Reisehepatitis 

Die Hepatitis E ist eine akute Lebererkrankung die weltweit auftritt. Sie tritt vor allem in Nord-Afrika (v.a. Ägypten, Sudan) und Asien (v.a. Südostasien, Irak). Viele Jahre galt die Hepatitis E als Reisehepatitis, da sie bei Reisen z.B. nach Indien oder in andere ferne Länder durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen wurde. In Deutschland kommt es häufig durch rohes oder unzureichend gegartes Fleisch von Haus- und Wildschweinen (z.B. Schweinemett, luftgetrocknete Salami und Leberwurst) zu Infektionen. Auch rohes Fleisch von Rotwild kann zu einer Hepatitis E führen. Werden Feldfrüchte wie Kräuter, Salat, Erdbeeren o.ä. durch Tierfäkalien verunreinigt, können die Viren sogar auf diesem Weg übertragen werden.

Es gibt unterschiedliche Formen der Leberentzündung

Es gibt viele Formen der Leberentzündungen („Hepatitis“) mit unterschiedlichen Ursachen. Reisemedizinisch relevant sind vor allem die Leberentzündungen, die durch Viren verursacht werden. Die Hepatitis-Viren A, B, C, D und E können zu einer akuten oder auch chronischen Form der Leberentzündung führen. Je nach Virusinfektion entsteht eine Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C, Hepatitis D oder Hepatitis E mit unterschiedlichen Reiserisiken und Schutzmaßnahmen. Gegen Hepatitis A und Hepatitis B kann man sich impfen lassen. 

Viele Hepatitis E-Fälle auch in Deutschland 

In Deutschland tritt die Hepatitis E seit einigen Jahren gehäuft auf. In diesem Jahr 2021 wurden in den ersten sechs Wochen bereits 326 Hepatitis E-Fälle an das Robert Koch-Institut gemeldet. Im Jahr 2019 waren es 6.922 Hepatitis E-Fälle in Deutschland und im Vorjahr 2020 insgesamt 3.194 Fälle die dem Robert Koch-Institut bis 6.1.2021 übermittelt wurden. Kommt es zu einer Hepatitis E treten beim gesunden Menschen selten Beschwerden auf. Daher bleibt die Infektion meist unbemerkt. Manchmal kann es zu milden Symptomen wie Müdigkeit, Übelkeit und/oder einer Gelbverfärbung der Haut kommen. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z.B. bei AIDS oder nach Organtransplantation) oder auch bei Schwangeren kann eine Hepatitis E einen chronischen und schwerwiegenden Verlauf entwickeln (z.B. Leberzirrhose).