11. Aug 2013

Niederlande: Masern klettern landesweit auf über 900 Fälle

Reisen innerhalb Europas können innerhalb mancher Regionen ein erhöhtes Infektionsrisiko für Masern beinhalten. So ist die Zahl der Masernerkrankungen in den Niederlanden bis 8. August auf 921 angestiegen. Alleine in der ersten Augustwoche wurden über 140 Erkrankungsfälle registriert. Da die Erkrankungsfälle aus dem sogenannten "Bibelgürtel" gemeldet werden, wird ein weiterer Anstieg der Erkrankungsfälle so wie eine hohe Dunkelziffer an Erkrankungen angenommen. Der niederländische Bibelgürtel verläuft über die Provinzen Südholland, Utrecht, Gelderland und teilweise Nordbrabant (Werkendam und Wijk en Aalburg) bis zur Veluwe und in nordwestlicher Richtung nach Overijssel. Ortschaften dieser Region sind Staphorst, Genemuiden, Nieuw-Lekkerland, Elspeet, Opheusden, Kesteren, Barneveld, Ederveen, Ouddorp, Tholen, Arnemuiden, Meliskerke, Aagtekerke, Yerseke und Krabbendijke. Die Bevölkerung im Bibelgürtel weist landesweit den niedrigsten Prozentsatz von rund 30% nicht geimpfter Kinder auf. Dadurch kommt es in der Region immer wieder zu Krankheitsausbrüchen, wie in den Jahren 1999-2000 wo rund 3000 Masernerkrankungen gezählt wurden.

Masern im Süd- und Nordwesten Englands  

Auch in England werden weiterhin Masernfälle registriert. Gegenwärtig werden Erkrankungen aus der Grafschaft Somerset im Südwesten Englands, so wie aus dem Nordwesten des Landes berichtet. Im Vergleich zu den Vormonaten ist die Zahl der Erkrankungen jedoch zurückgegangen. Die meisten Erkrankungsfälle wurden im Mai und Juni berichtet. Insgesamt liegt die Zahl der Erkrankungen derzeit bei 1287 in diesem Jahr. Die meisten Erkrankungen werden in der Nordwestlichen Region beobachtet, doch auch aus London und dem Südwesten des Landes werden Masernfälle registriert. Rund 20% aller in 2013 registrierten Fälle mussten in Krankhäusern stationär behandelt werden, davon entwickelten 39 Patienten Komplikationen wie Lungen-, Magendarm- und Hirnhautentzündungen.  

Rund 7000 Masernfälle in der EU  

Im vergangenen Jahr wurden über 7.000 Masernfälle in der EU gezählt. Bei diesen gemeldeten Masernfälle entfielen 94% der Fälle auf nur wenige Länder wie Rumänien, England, Frankreich, Italien und Spanien. Dennoch zeigen sich die europäischen Gesundheitsbehörden zuversichtlich, dass das Ziel der WHO zur Ausrottung der Masern im Jahr 2015 erreicht werden könnte. Rund 95% aller weltweit gemeldeten Masern-Erkrankungs- und Todesfälle werden aus Ländern mit schlecht ausgeprägter medizinischer Infrastruktur berichtet - das bedeutet viele Reiseländer.  

Reisende sind nach wie vor gefährdet 

So lange es noch Masern gibt, bleibt das Infektionsrisiko jedoch bestehen. Reisende die keinen Masernschutz besitzen können sich in Ländern mit Masernvorkommen anstecken und die Krankheit in ihr Heimatland importieren. So wurden zum Beispiel in den USA rund 200 Masernfälle im Jahr 2011 auf Aufenthalte im Ausland zurückgeführt und somit durch internationales Reisen verursacht. Die Masern galten noch vor wenigen Jahren in vielen Staaten der USA als quasi ausgerottet, bis sie durch Reisende die in Übersee verschiedene Länder mit Masernvorkommen besuchten, wieder ins Land importiert wurden.  

Masernimpfschutz ist bei Reisen in Regionen mit aktuellen Masernausbrüchen empfohlen 

Das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt Reisenden in Regionen mit aktuellen Masernausbrüchen grundsätzlich den Masernimpfschutz zu überprüfen. Ungeimpften Personen bzw. Personen, die noch keine Masern durchgemacht haben und in ein Masern-Epidemiegebiet reisen oder in medizinischen Einrichtungen zur Behandlung von Kindern, Tagesstätten, Kinderheimen, u. ä. arbeiten, wird eine Impfung empfohlen. Nach 1970 geborene ungeimpfte bzw. in der Kindheit nur einmal geimpfte Personen ≥ 18 Jahre oder nach 1970 geborene Personen ≥ 18 Jahre mit unklarem Impfstatus ist ebenfalls eine Impfung empfohlen.