6. Jun 2016

Poliorisiko im internationalen Reiseverkehr

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Der beharrliche Kampf gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis) durch lokale Gesundheitseinrichtungen und internationale Organisationen (WHO, UNICEF) zeigt sich erfolgreich. Nur mehr 15 Erkrankungsfälle wurden in diesem Jahr aus zwei Ländern berichtet (Stand: 18. Mai 2016). Die letzten Erkrankungsfälle wurden in Afghanistan (5) und Pakistan (10) registriert. Im April wurden die Infektionen in beiden Ländern beobachtet; in Afghanistan im Distrikt Shahwalikot in Kandahar und in Pakistan im Bannu Distrikt (Provinz Khyber Pakhtunkhwa) und Sukkur Distrikt (Provinz Sindh). Insgesamt 74 Fälle wurden im vergangenen Jahr aus beiden Ländern berichtet; Afghanistan (20), Pakistan (54). Immer wieder kommt es jedoch durch Unruhen und Krieg zu Unterbrechungen von Impfkampagnen, so dass die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung die zur Ausrottung der Erkrankung erforderlich ist, nicht erreicht werden kann.

Bei Reisen in Risikogebiete ist eine Impfung gegen Kinderlähmung sinnvoll

Bis 2018 erstrebt die WHO weltweit die Ausrottung der Kinderlähmung. In Deutschland gehört die Impfung gegen Poliomyelitis (Kinderlähmung) daher weiterhin zu den Standardimpfungen im Kindesalter.  Bei Erwachsenen gehört die Impfung nicht mehr zum Standard, sondern wird nur bei Reisen in Polio-Risikogebiete empfohlen. Das bedeutet, dass für die afrikanischen Länder, sowie die Polio-Endemieländer Afghanistan und Pakistan weiterhin eine Impfempfehlung gegen Kinderlähmung bestehen bleibt. In anderen Ländern wie Madagaskar, Nigeria, Laos, Guinea, Myanmar oder auch der Ukraine traten im Vorjahr einzelne Polio-Fälle auf, die durch Viren verursacht wurden, die sich von der oralen Lebendvakzine ableiteten. Die Weltgesundheitsorganisation rät internationalen Reisenden die sich länger als vier Wochen in diesen Ländern aufhalten, eine Polio-Schutzimpfung.

Geringes Risiko durch internationalen Reiseverkehr

Nach Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation wird das Risiko der Ausbreitung der Kinderlähmung durch den internationalen Reiseverkehr grundsätzlich als gering eingestuft. Dennoch ruft die WHO die Länder zur Vorsicht auf, dass beim Auftreten von Erkrankungen durch vakzineabgeleitete Polioviren, internationalen Reisenden eine Polio-Schutzimpfung empfohlen sein sollte. Ein Polio-Impfschutz für Reisende nach Afghanistan und Pakistan v.a. bei Hilfseinsätzen bleibt weiterhin unentbehrlich um einen Schutz vor Kinderlähmung zu gewährleisten.