14. Nov 2014

Portugal: Einer der größten Ausbrüche der Legionärskrankheit

nikkytok Mit einem der größten Ausbrüche der Legionärskrankheit (sog. „Legionellose“) hat derzeit die Stadt Vila Franca de Xira zu kämpfen, in der es in den vergangenen Wochen zu über 300 Infizierten und sieben Todesfällen kam. Der Ausbruch wurde von der Weltgesundheitsorganisation als eine „große gesundheitliche Notlage“ eingestuft. Die Gesundheitsbehörden suchen weiter nach der  Infektionsursache. Vorbeugend wurden einige öffentliche Einrichtungen wie zum Beispiel Sport- und Fitness-Anlagen für einige Tage geschlossen. 

Anzahl der Erkrankungsfälle steigt weiter an

Vila Franca de Xira liegt im Distrikt Lissabon am Westufer des Tejo. Der Krankheitsausbruch begann im November in den Regionen Póvoa de Santa Iria, Forte da Casa und Vialonga. Die Zahl der Erkrankten stieg in den vergangenen Tagen erheblich an. Während am 8 November noch rund 90 Erkrankungsfälle und 1 Todesfall gezählt wurden, waren es am 9. November bereits 120 und am 12. November 302 diagnostizierte Erkrankungsfälle mit zwei tödlichen Ausgängen. Zwei weitere Todesfälle werden derzeit im Zusammenhang mit dem Ausbruch untersucht. Zwei Erkrankungsfälle bei Reisenden nach Luanda (Angola) und Lima (Peru) konnten in den Zusammenhang mit dem Ausbruch in Portugal gebracht werden. Die Behörden befürchten, dass die Zahl der Infektionen in den nächsten Tagen weiter ansteigen wird.

Die Suche nach der Infektionsursache geht weiter

Bislang konnte die Quelle noch nicht gefunden werden. Jedoch könnte die Quelle in öffentlichen Warmwasserleitungen liegen. Daher empfehlen die örtlichen Behörden derzeit auf Duschen und Klimaanlagen zu verzichten und Räumlichkeiten zu vermeiden, in denen Wasserdampf auftritt (z.B. Sauna, Dampfbad, etc.). Die Krankheitserreger „Legionellen“ (Bakterien) sind allgemein verbreitet und können sich zum Beispiel in Warmwasserleitungen und Klimaanlagen vermehren. Durch die Anlagen gelangen die Bakterien in klimatisierte Räume und können dort von Personen durch die Atemluft aufgenommen werden – oder im Falle der Warmwasserleitungen zum Beispiel im Sprühnebel der Duschen. Jedoch kann erst die Aufnahme einer größeren Anzahl von Bakterien in die Atemwege die Erkrankung hervorrufen. Eine Gesundheitsgefährdung durch Trinkwasser, in dem sich Legionellen befinden, besteht bei abwehrstarken und gesunden Personen nicht. Eine direkte Krankheitsübertragung von Mensch zu Mensch wurde nicht nachgewiesen.

Über 600 Erkrankungen in Deutschland

Die Erkrankung tritt weltweit meist sporadisch oder im Rahmen von Ausbrüchen auf. In Deutschland wurden in diesem Jahr bereits 612 Erkrankungen registriert (2013: 923). Die Legionärskrankheit tritt bevorzugt in den Sommer- und Herbstmonaten auf. Besonders gefährdet sind ältere oder auch abwehrgeschwächte Personen. Die Krankheit beginnt in der Regel 2–10 Tage nach der Infektion mit uncharakteristischen Beschwerden wie z.B. Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Reizhusten. Innerhalb des weiteren Verlaufes kommt es zu Schmerzen im Brustraum, Schüttelfrost und zu hohem Fieber. Gelegentlich können auch Bauchschmerzen mit Durchfällen und Erbrechen auftreten. Infolge einer Gehirn-Beteiligung kann es zu schweren Verwirrtheitszuständen kommen. Bei schweren Verläufen entwickelt sich eine lebensgefährliche  Lungenentzündung, die in 15 % der Fälle tödlich enden kann. Die Erkrankung ist gut zu behandeln, so dass es - nach einer Erholungsphase - in den meisten Fällen, wieder zu einer völligen Gesundung kommt.

Schutzmaßnahmen beachten

Schutzmaßnahmen bestehen in erster Linie in der Ermittlung und Beseitigung der Infektionsquellen. Für hausinterne Wasseranlagen in z.B. Ferienwohnungen und -häuser warmer Länder und Regionen ist besonders darauf zu achten, dass in den Wasserspeichern (z.B. Boilern) die Warmwassertemperatur mindestens 60°C beträgt und in den Verteilersystemen nicht unter 50°C sinkt. Duschköpfe, Wasserhähne und abmontierbare Armaturen sollten mindestens halbjährig entkalkt und desinfiziert werden. Klima- und Luftbefeuchteranlagen müssen regelmäßig und fachkompetent gereinigt und desinfiziert werden.