1. Jun 2016

So schützen Sie auf Reisen Ihre Gesundheit

Sonnenuntergang, Flugzeug von rechts iStock/sculpies

Sonne, Sand und Meer oder lieber Berge, Wälder und Seen? Kreuzfahrt oder Fernwanderweg? Städtereise oder Trekking-Tour? Ganz gleich, welches Ihr Traumreiseziel ist – der Schutz der eigenen Gesundheit sollte unbedingt Teil der Reisevorbereitungen sein. Denn auf Reisen begegnet man nicht nur Land und Leuten, sondern häufig auch Viren und Bakterien, was einen besonderen Schutz erfordert – und das sogar bei einem Urlaub in Deutschland. Wie ein kompletter Reiseschutz von Hepatitis A bis Z wie Zeckenenzephalitis aussieht, dazu informierten Reisemediziner am Lesertelefon:

Muss ich für einen Urlaub an der spanischen Mittelmeerküste wirklich besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen?

PD Dr. Karl-Heinz Herbinger: Auch wenn Spanien gefühlt nebenan liegt, sollten Sie nicht ohne einen kompletten Impfschutz nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) auf die Reise gehen. Dazu zählt auch, fällige Auffrischimpfungen zum Beispiel gegen Tetanus und Diphtherie vorzunehmen. Hinzu kommt: Der Mittelmeerraum ist ein Risikogebiet für eine Hepatitis A-Infektion. Übertragen werden die Hepatitis A-Viren durch den Verzehr von kontaminierten Muscheln und Meeresfrüchten, ungeschältem Obst und rohem Gemüse, aber auch Eiswürfel sind eine Infektionsquelle. Wegen des breit gestreuten Infektionsrisikos gehört die Hepatitis-Impfung unbedingt zur Reisevorbereitung bei einem Mittelmeer-Trip.

Warum ist eine Hepatitis-Infektion gefährlich?

PD Dr. Karl-Heinz Herbinger: Weil Hepatitis-Viren eine Leberentzündung verursachen. Zwar heilt eine Hepatitis A in der Regel vollständig wieder aus, sie kann aber bei älteren Menschen oder bei einer Vorschädigung der Leber einen schweren Verlauf nehmen. Eine Hepatitis B oder C kann chronifizieren – mit möglichen Folgen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs. Im Gegensatz zur Hepatitis A werden Typ B und C direkt über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten einer infizierten Person übertragen. Gegen Typ A und B kann man sich impfen lassen – bei Typ C hilft nur, den Kontakt mit dem Virus zu vermeiden.

Wann sollte ich die Hepatitis-Impfung vornehmen lassen?

Dr. Albrecht von Schrader-Beielstein: So früh wie möglich. Wer sich gegen Hepatitis A schützen will, kann die Impfung noch am Abreisetag vornehmen lassen und nach sechs bis zwölf Monaten eine zweite Dosis für den Langzeitschutz. Bei einer Impfung gegen Hepatitis A und B erfolgt die erste Impfung vier Wochen, die zweite Dosis kurz vor der Abreise. Wer dafür zu spät dran ist, für den kommt eine Schnell-Impfung innerhalb von drei Wochen vor Abreise in Betracht.

Für wen und für welche Reiseländer ist eine Grippe-Schutzimpfung sinnvoll?

Dr. Albrecht von Schrader-Beielstein: Eine der häufigsten Erkrankungen, die von Auslandsreisen mitgebracht wird und durch eine Impfung verhindert werden kann, ist die klassische Grippe. Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung generell für Menschen ab dem 60. Lebensjahr sowie für bestimmte Risikogruppen. Ansonsten richtet sich die Empfehlung nach dem Reiseziel: Bei Reisen auf der Nordhalbkugel gilt die Empfehlung für die Monate November bis April, auf der Südhalbkugel von Mai bis Oktober, in den Tropen ganzjährig. Mittlerweile gibt es auch neue, so genannte viervalente Grippe-Impfstoffe – diese richten sich entsprechend den Empfehlungen der WHO gegen vier Virustypen statt nur drei und erreichen damit eine breitere Abdeckung.

Sollte man sich gegen so seltene Erkrankungen wie Polio und Diphtherie überhaupt noch impfen lassen?

PD Dr. Karl-Heinz Herbinger: Was Polio betrifft: Nach einer vollständigen Grundimmunisierung und einer Auffrischimpfung wird von einem sehr lang anhaltenden Schutz ausgegangen. Es ist keine weitere Auffrischimpfung empfohlen – außer bei Reisen in die Endemie-Gebiete Pakistan und Afghanistan. Bei längeren Aufenthalten in Afrika und Asien sollte zur Polio-Impfung ein Tropenmediziner konsultiert werden. Der Impfschutz gegen Diphtherie wird nach wie vor von der STIKO empfohlen. Auffrischimpfungen im Erwachsenenalter sollen dann mit einem Dreifach-Impfstoff erfolgen, der auch den Schutz gegen Tetanus und Keuchhusten abdeckt.

Wie stelle ich sicher, dass ich einen kompletten Impfschutz habe?

Prof. Tomas Jelinek: Idealerweise haben Sie einen Impfausweis, mit dem Sie zum Hausarzt oder zu einem Reisemediziner gehen, der etwaige Impflücken identifizieren kann. Er wird Ihnen auf dieser Grundlage erforderliche Impfungen vorschlagen – auch mit Blick auf geplante Reisen. Liegt kein Impfpass vor und sind die bisherigen Impfungen nicht sicher nachvollziehbar, starten Sie sozusagen bei null. Dann wird ein kompletter Impfschutz aufgebaut. Welche Impfungen der Impfkalender der STIKO vorsieht, erfahren Sie auf den Seiten des Robert Koch-Instituts unter www.rki.de.

Wie sieht es mit dem Risiko einer Maserninfektion auf Reisen aus?

Dr. Albrecht von Schrader-Beielstein: Unabhängig von lokal auftretenden Masernausbrüchen bleibt das Grundproblem weiter bestehen: Wer nicht gegen Masern geimpft ist, riskiert einerseits eine Infektion samt der damit verbundenen Risiken – und wird andererseits selbst zur Ansteckungsquelle. Deshalb gilt laut der STIKO nach wie vor: Bis zum 18. Geburtstag zweimalige Impfung mit Masern-Mumps-Röteln Impfstoff, eine einmalige MMR-Impfung für alle nach 1970 Geborenen, die 18 Jahre oder älter sind und noch nicht oder in der Kindheit nur einmal gegen Masern geimpft wurden.

Welche Impfungen sind auf Fernreisen unerlässlich?

Prof. Tomas Jelinek: Entscheidend sind Reiseziel, Reisezeit sowie Art und Dauer der Reise. Daran orientiert sich, welchen gesundheitlichen Risiken Sie sich aussetzen und welcher Impfschutz empfehlenswert oder vorgeschrieben ist. Davon hängt auch ab, ob Sie eine medikamentöse Malaria-Prophylaxe durchführen sollten und ob weitere Schutzmaßnahmen wie Mückenschutz oder Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene angezeigt sind. Weil so viele Faktoren zu berücksichtigen sind, sollten Sie einen erfahrenen Reisemediziner aufsuchen. Als Orientierung kann Ihnen zusätzlich ein – allerdings kostenpflichtiger – Reise-Gesundheitsbrief des Centrums für Reisemedizin CRM dienen. Weitere Informationen dazu unter www.crm.de.

Werden die Kosten für eine Impfung von der Krankenversicherung übernommen?

Dr. Albrecht von Schrader-Beielstein: Schutzimpfungen, die von der STIKO als Standardimpfungen empfohlen sind, werden nach einer Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses von den Krankenversicherungen bezahlt. Viele Krankenkassen bieten die vollständige oder teilweise Kostenübernahme bei Impfungen an, die nicht in der Richtlinie enthalten sind. Einige Krankenversicherungen haben die Malariaprophylaxe in ihren Leistungskatalog aufgenommen.

Gilt das auch für die Impfung gegen die Zeckenenzephalitis?

Prof. Tomas Jelinek: Wer in einem FSME-Risikogebiet lebt oder dort Urlaub machen will, hat bei den gesetzlichen Krankenkassen einen Anspruch auf Kostenübernahme. Die meisten Kassen übernehmen die Kosten auch für die Impfung bei Reisen in ausländische Risikogebiete. Sicherheitshalber sollten Sie sich dazu direkt bei Ihrer Krankenversicherung informieren.

Was hilft zuverlässig gegen Mücken?

Prof. Tomas Jelinek: Zunächst einmal der Einsatz von Repellentien, also Schutzmitteln, die auf die Haut aufgetragen werden und den Geruchssinn der Mücken irritieren. Den besten Schutz bieten Produkte mit dem Wirkstoff DEET, sie sind allerdings nur bedingt für Kinder und Schwangere geeignet. Zusätzlich sollte die Kleidung mit einem Schutzmittel eingesprüht werden. Als besonders wirksam hat sich hier Permethrin gezeigt, das übrigens für den Menschen ungefährlich ist, solange es bestimmungsgemäß auf Kleidung und Moskitonetzen angewendet wird. Im Outdoor-Fachhandel gibt es mückensichere Kleidung, die bereits ab Werk vorimprägniert ist. Und ein gutes Moskitonetz sollte immer mit auf die Reise gehen.

Welche Gefahr geht für Reisende vom ZIKA-Virus aus?

Dr. Albrecht von Schrader-Beielstein: Das Zika-Virus wird durch tagaktive Mücken übertragen, doch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Typische Symptome wie Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und Fieber treten nach etwa drei bis sieben Tagen auf und dauern bis zu einer Woche an. Danach ist die Krankheit überstanden. Sie entspricht einem milden grippalen Infekt. Gefährlich ist eine Infektion für Schwangere oder Frauen mit Kinderwunsch, da sie zu Schädelfehlbildungen beim ungeborenen Kind führen kann. Eine Impfung gibt es bisher nicht. Die Meidung von Risikogebieten, ein konsequenter Mückenschutz in Risikogebieten und die Verwendung von Kondomen beim Sexualkontakt mit möglicherweise Infizierten sind die einzigen Vorbeugungsmaßnahmen.

Was wird bei den medizinischen Reisevorbereitungen gerne vergessen?

PD Dr. Karl-Heinz Herbinger: Nehmen Sie Medikamente, die Sie während der Reise benötigen, in ausreichender Menge mit. Sie können sich je nach Reiseziel nicht darauf verlassen, dass Sie die von Ihnen benötigten Medikamente vor Ort überhaupt oder in Originalqualität bekommen. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte seinen Arzt nach einer Einnahmeempfehlung fragen, falls das Reiseziel in einer anderen Zeitzone liegt. Und gehen Sie vor der Reise zum Zahnarzt. Es kann im Ausland schwierig sein, eine schnelle und gute zahnmedizinische Versorgung zu bekommen.

Tipps zum Thema Zecken

Tipps von Prof. Tomas Jelinek

Risikogebiete

Zecken kommen in ganz Deutschland und Europa vor. Ideale Bedingungen bieten ihnen Waldränder und Waldlichtungen mit hochgewachsenen Gräsern, Laub- und Mischwälder, aber auch Gärten. Überall, wo es Zecken gibt, können sie den Erreger der Borreliose übertragen. FSME-Viren hingegen übertragen Zecken nur in bestimmten Risikogebieten, die hierzulande hauptsächlich in Süddeutschland liegen. Vorsicht ist auch zum Beispiel in Süd-Skandinavien, Österreich und Osteuropa geboten. Einer solchen Zeckenenzephalitis können Sie mit einer Impfung vorbeugen, bei der Borreliose ist das nicht möglich.

Schutz

Sofort nach einem Aufenthalt im Wald gründlich absuchen, besonders zwischen den Beinen, in den Kniekehlen, unter den Armen, im Nacken, hinter den Ohren und am Haaransatz. Geschlossene, helle Kleidung erschwert den Zecken das Eindringen und sie lassen sich besser erkennen. Insektenabwehrende Mittel und bestimmte Duftstoffe helfen zusätzlich, zumindest kurzzeitig. Die FSME-Impfung schützt vor dem Risiko einer Hirnhaut-, Hirn- oder Rückenmarkentzündung mit möglichen schweren Folgen.

Richtig entfernen

Mit einer Pinzette oder Zeckenkarte möglichst nah an der Haut unter die Zecke greifen, langsam und stetig von der Einstichstelle wegziehen. Die Zecke nicht quetschen oder drehen, nicht abbrennen oder mit Öl oder anderen Mitteln beträufeln. Wenn der Stechapparat in der Wunde stecken bleibt – kein Problem! Er wird vom Körper abgestoßen. Zum Schluss Einstichstelle desinfizieren – fertig. Die entfernte Zecke kann auf Krankheitserreger untersucht werden.

Die Expertinnen am Lesertelefon waren:  

      • Prof. Dr. med. Tomas Jelinek; Medizinischer Direktor des BCRT Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reise- und Tropenmedizin Düsseldorf, Lehrbeauftragter der Universität zu Köln (Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene), Consulting Expert der WHO
      • Doris Partosch; BCRT Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin
      • Johannes Friesen; BCRT Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin
      • Priv.-Doz. Dr. med. Karl-Heinz Herbinger; Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin, Ludwig-Maximilians Universität München
      • Dr. med. Albrecht von Schrader-Beielstein; Allgemeinarzt und Arzt für Naturheilverfahren, Praxis für Reise- und Tropenmedizin, Wörthsee bei München

        DE/ENC/0027/16a,Mai16