8. Sep 2021

Südafrika: Tollwut-Fälle gemeldet

Philippinen Hunde Fotolia / canonmark2

In Südafrika erkrankten seit dem 23. August 2021 sieben Personen an Tollwut. Die Fälle wurden in Limpopo, KwaZulu-Natal und Eastern Cape registriert. Unter den Erkrankten befand sich ein 40-jähriger Mann aus Empangeni im King Cetshwayo District, der grundlos von einem streunenden Hund attackiert und gebissen wurde. Obgleich der Mann gleich ins Krankenhaus eingeliefert, die Wunden gewaschen und gereinigt wurden und er alle notwendigen medikamentösen Therapien bekam, entwickelte er im weiteren Verlauf typische Beschwerden wie Fieber, Erbrechen, Unruhe, Halluzinationen, Herz-Rhythmus-Störungen und starkem Speichelfluss. Der Patient verstarb wenig später. Tollwut verläuft unbehandelt fast immer tödlich, da sich zum Ende der Erkrankung starke Krämpfe und Lähmungen der Schlund-, Kehlkopf- und Atemmuskulatur als auch des Herzens entwickeln. Unter den Erkrankten befand sich auch ein 5-jähriges Mädchen aus East London, in Buffalo City (Eastern Cape). Auch sie wurde von einem streunenden Hund attackiert und gebissen. Sie entwickelte ebenfalls nach ihrer Behandlung im Krankenhaus typische Krankheitssymptome und verstarb wenig später. Inwieweit wichtige Tollwut Immunglobuline zur Verfügung standen, um der 5-Jährigen die komplette medizinische Versorgung ermöglichen zu können, steht infrage, da in vielen Krankenhäusern die medizinische Versorgung unzureichend und mangelhaft ist. 

Welt-Tollwut-Tag am 28. September 2021 warnt vor der tödlichen Erkrankung 

Die Bekämpfung der Tollwut stellt in Südafrika weiterhin ein Problem dar, da sowohl domestizierte Hunde als auch streunende Hunde unzureichend geimpft sind. Die Hundetollwut ist in Südafrika endemisch und betrifft v. a. die dicht besiedelten ländlichen Gebiete der Provinzen Limpopo, Mpumalanga und KwaZulu-Natal. Trotz intensiver Impfkampagnen hält die Problematik an. Man nimmt an, dass Gründe dafür in der hohen Dichte an Hunden liegt, insbesondere in den städtischen Townships, wo die meisten Hunde jünger als 3 Jahre sind. Am 28. September 2021 findet der alljährliche Welt-Tollwut-Tag statt, der auf die Verhütung und Bekämpfung der Tollwut auf der ganzen Welt aufmerksam machen soll. Die gefährliche Infektionskrankheit ist für jährlich rund 59.000 Todesfälle verantwortlich. Experten gehen sogar von einer Unterfassung der Datenlage und von wesentlich mehr Erkrankungen aus, da viele Erkrankungen sich in abgelegenen Regionen von afrikanischen oder asiatischen Ländern befinden und gar nicht vollständig erfasst werden können.

Schutzimpfung gegen Tollwut 

Die Impfung ist auch für Reisende eine wichtige Maßnahme, um sich in Ländern mit Tollwut-Vorkommen vorbeugend gegen die lebensgefährliche Krankheit zu schützen. Tragische Erkrankungsfälle auch bei Reisenden bekräftigen die Tollwut-Impfempfehlung vor allem bei Langzeitreisen in Länder mit erhöhtem Tollwutvorkommen oder erhöhtem Reiserisiko (Trekking oder Übernachten im Freien). Bislang waren 3 Impfungen an den Tagen 0, 7 und 21 bis 28 als Impfschema empfohlen. Im April 2018 gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedoch eine neue Empfehlung zur Tollwutimpfung heraus; demnach sind nur mehr zwei Impfungen an den Tagen 0 (= Tag der Impfung) und 7 (= sieben Tage nach der ersten Impfung) erforderlich, um einen ausreichenden Schutz gegen Tollwut zu erhalten. Es wird davon ausgegangen, dass die modernen Impfstoffe das Immunsystem so weit aktivieren, dass bereits nach zwei Impfungen ein ausreichender Schutz vorliegt, so die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft (DTG). 

Hauptüberträger ist der Hund

Viele Hunde leben frei und herrenlos auf den Straßen. Deshalb gilt als eiserne Regel, sich von frei laufenden Hunden – vor allem auch Welpen – fernzuhalten, da durch infizierte Tiere die Gefahr der Virusübertragung auf den Menschen besteht. In mehr als 150 Ländern und Regionen besteht durch die erhöhte Zahl an streunenden Hunden ein erhöhtes Übertragungsrisiko für Tollwut v. a. in Ländern Asiens und Afrika. Es können aber auch Wildtiere wie z. B. Fledermäuse, Füchse, Wölfe und Stinktiere die Tollwut übertragen. 

Tollwut-Impfstoffe sind in vielen Reiseregionen nicht sofort verfügbar

Bei Bissverletzungen oder Belecken von Schleimhäuten oder Wunden durch streunende Tiere ist jedoch weiterhin – unabhängig vom Impfstatus – wegen akuter Lebensgefahr umgehend ein Arzt bzw. medizinische Hilfe aufzusuchen. Es sollte jedoch bedacht werden, dass in vielen tropischen und subtropischen Ländern die medizinische Infrastruktur - v. a. in den ländlichen Regionen - unterentwickelt ist, sodass im Notfall u. U. nicht die richtigen Medikamente oder medizinischen Einrichtungen in der erforderlichen Zeit zur Verfügung stehen.