4. Jun 2022

Südeuropa: Saisonales Leishmaniose-Risiko

Leishmaniose 2022 interMEDIS

Im Juni beginnt im Mittelmeerraum die Hauptflugzeit der Sandmücken (Schmetterlingsmücken). Betroffen sind vor allem die Küstenregionen von Frankreich, Italien, Spanien und Portugal als auch die Inseln im Mittelmeer wie z.B. die Balearen (Mallorca, Menorca, Ibiza, Formentera und Cabrera), Korsika, Sardinien, Malta und Elba. Durch den Stich der Mücke können Parasiten, sog. Leishmanien übertragen werden, die zu einer Leishmaniose führen können. Die Leishmanien befallen die Haut, Schleimhaut oder inneren Organe und verursachen dort große Schäden. Der Schweregrad der Erkrankung und das Krankheitsbild richten sich nach der Erregerart, der Größe des Erregerbefalls als auch nach der Abwehrkraft der infizierten Person. 

Im Mittelmeerraum ist die Leishmaniose weit verbreitet 

Die Leishmaniose ist weltweit in 98 Staaten endemisch. Im Mittelmeerraum tritt die Haut-Leishmaniose und die Innere Leishmaniose auf. Jährlich kommt es zu schätzungsweise rund 1 Million Neuerkrankungen der Haut-Leishmaniose und zwischen 50.000 – 90.000 Fälle der Inneren Leishmaniose. Für die Verbreitung der Erkrankung spielen Klimafaktoren, wie z.B. die Flugzeiten der Überträgermücken, eine wesentliche Rolle. In Südeuropa ist die Hauptflugzeit der Mücken auf die Monate Juni, Juli, August und September begrenzt. Die Schmetterlingsmücken gehören zu einer Mückenart, die vor allem nachts aktiv ist und vorwiegend an Stellen dünner Haut sticht (z.B. Knöchel, Hände, Füße, Gesicht und Nacken). Die Stichstellen jucken meist lange und stark. 

Reisende erkranken oftmals an Haut-Leishmaniose 

Eine der bisher umfangreichsten Untersuchungen zur Leishmaniose in Europa zählte 1.142 Leishmaniose-Fälle in den Jahren 2014-2019. Fast die Hälfte aller Fälle infizierte sich im Mediterranen Raum (Südeuropa und Nordafrika). Aber auch in Mittel- und Südamerika. Bei vielen Infizierten handelte es sich um Touristen. Sorgfältige Mückenschutzmaßnahmen sind daher stets empfohlen. Dazu gehören u. a. das Tragen von Haut bedeckender Kleidung, das Auftragen von Mücken abweisenden Cremes und Lotionen auf unbedeckten Hautstellen, vor allem im Gesicht, Händen und Füßen – insbesondere an den Knochenstellen wo die Haut dünn ist, und die Schmetterlingsmücke bevorzugt sticht. Zusätzlich helfen auch Insektenabtötende und -abweisende Mittel in Form von Aerosolen, Verdampfern, Kerzen, Räucherspiralen, Steckern u. ä. im Wohn- und insbesondere Schlafbereich die Stechmücken fernzuhalten.