27. Jun 2020

Taiwan: Saisonales Risiko für Japanische Enzephalitis

Mücke iStock/Henrik_L

Aus Taiwan wurden in diesem Jahr vier Fälle der Japanischen Enzephalitis (JE) berichtet. Der letzte Fall wurde am 13. Juni 2020 registriert und musste drei Tage nachdem er fieberhafte Beschwerden entwickelt hatte, ins örtliche Krankenhaus zur stationären Versorgung eingewiesen werden. Der 60-jährige Patient stammt aus dem  Fongshan Distrikt, in der Kaohsiung Provinz. Die anderen Erkrankungsfälle wurden aus Pingtung und Tainan gemeldet. In Taiwan besteht ein saisonales Übertragungsrisiko das bis ungefähr Ende Oktober anhält.

Belgische Touristin erkrankte in Thailand

Auch Reisende können erkranken. Erst Anfang des Jahres erkrankte eine 14-jährige Touristin aus Belgien an Japanischer Enzephalitis nachdem sie sich 10 Tage mit ihrer Familie in Thailand aufhielt. Sie bereiste mit den anderen sieben Mitgliedern ihrer Familie Khao Lak, in der Phang Nga Provinz, insbesondere die Provinz Krabi an der südlichen Westküste Thailands, die beliebten Strandziele der Phi-Phi-Inseln, sowie Krasom, Amphoe Kapong und die Similan Inseln. Elf Tage nach ihrer Ankunft in Thailand entwickelte sie erste Beschwerden, darunter Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und Schluckbeschwerden. Im weiteren Verlauf traten eine halbseitige Lähmung und Verwirrtheitszustände auf. Zur Behandlung waren intensivmedizinische Maßnahmen im Krankenhaus erforderlich. Dieser tragische Fall, bezeugt das Infektionsrisiko für Japanische Enzephalitis auch in größeren Tourismusgebieten und bei Kurzzeitaufenthalten von weniger als 14 Tagen.

STIKO empfiehlt Impfung gegen Japanische Enzephalitis 

Seit 4. März 2020 empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Japanische Enzephalitis bei Reisen in die Verbreitungsgebiete und unter bestimmten Bedingungen. Die Verbreitungsgebiete der Japanischen Enzephalitis liegen in Südostasien und in weiten Teilen von China, Indien, Korea, Japan im West-Pazifik und in Nordaustralien (Torres Strait, Queensland). Die Übertragung in den Tropen findet ganzjährig statt, in den Subtropen und gemäßigten Klimazonen überwiegend saisonal. Die Hauptsaison der meisten Übertragungen schwankt von Region zu Region. In den gemäßigten Klimazonen von Japan und Korea findet die Hauptübertragungszeit in den Monaten Mai bis September statt, in Thailand, Kambodscha und Vietnam zwischen April bis Oktober und in Nepal und Nord-Indien zwischen September und Dezember. Die STIKO empfiehlt Reisenden in diese Regionen die Impfung, insbesondere bei Reisen in aktuelle Ausbruchsgebiete, Langzeitaufenthalte länger als 4 Wochen, wiederholte Kurzzeitaufenthalte, voraussehbarer Aufenthalt in der Nähe von Reisfeldern oder Schweinezuchten (nicht nur in ländlichen Gebieten). 

Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht für ältere Menschen und Schwangere 

Jährlich werden der WHO weltweit rund 68.000 symptomatische Fälle der Japanischen Enzephalitis gemeldet, davon rund die Hälfte aller Fälle vom Festland China. Man geht jedoch davon aus, dass nur rund 10% der tatsächlich aufgetretenen symptomatischen Fälle der WHO übermittelt werden. In der Region Asien-Pazifik ist die Japanische Enzephalitis die Hauptursache für Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) beim Menschen. Die meisten JE-Fälle in der Bevölkerung verlaufen ohne Beschwerden. Wenn Patienten Beschwerden entwickeln, so sind diese meist milde und in Form von grippeähnlichen Beschwerden (z.B. Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall). Nur einer von 250 symptomatischen Patienten erkrankt schwer mit neurologischen Beschwerden (z.B. Verwirrtheit, Lähmungen, Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen, parkinsonähnliche Beschwerden). Kommt es zu einem schweren Verlauf so versterben ca. ein Drittel der Patienten, während 30-50% der Überlebenden anhaltende neurologische und psychiatrische Schäden hat (z.B. motorische, kognitive und/oder sprachliche Defizite oder Krampfanfälle). Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht zum Beispiel während der Schwangerschaft, im höheren Alter oder auch bei fehlender Immunität. Eine spezifische Behandlung gegen Japanische Enzephalitis gibt es nicht. 

Impfung schützt

Grundsätzlich ist das Risiko für Reisende sich zu infizieren gering, aber dem niedrigen Risiko steht ein möglicherweise schwerer Verlauf der Erkrankung gegenüber. In Deutschland ist seit 2009 ein Totimpfstoff gegen Japanische Enzephalitis für Erwachsene und seit 2013 auch für Kinder (> 2 Monate) zugelassen. Die Grundimmunisierung erfolgt mit zwei Impfdosen. Eine Auffrischimpfung erfolgt bei erneuter  Exposition, frühestens 12 Monate nach der Grundimmunisierung. Neben dem Impfschutz sind gute Mückenschutzmaßnahmen zu jeder Tages- und Nachtzeit empfohlen. Die Überträgermücke (Culex-Art) ist vor allem nachtaktiv. Sie brütet in Reisfeldern und sticht hauptsächlich kurz nach Sonnenuntergang und na​ch Mitternacht. Eine Übertragung tagsüber kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, v.a. wenn die Mücken gestört werden, wenn man z.B. durch ihre Ruhestätten watet. Ein erhöhtes Übertragungsrisiko besteht bei häufigen Aufenthalten im Freien, fehlendem Auftragen von Mückenabwehrenden Lotionen oder fehlender Benutzung von Mückennetzen am Schlafplatz.