21. Jul 2017

Thailand: Reisender erkrankt an Hautdiphtherie

iStock / Sven Hoppe

Ein 51-jähriger Tourist erkrankte nach seiner Rückreise aus Thailand an einer Hautdiphtherie. Bereits im April letzten Jahres zeigte eine junge Reisende ebenfalls nach ihrem Thailandaufenthalt eine typische Hautgeschwulst, die sich als Hautdiphtherie herausstellte. Die Krankheitserreger treten vermehrt in den Tropen auf und werden über Schmierinfektion, z.B. verunreinigte Gegenstände, übertragen. Die Hautdiphtherie ist in Europa eher selten und tritt vor allem in den tropischen Ländern auf. Vereinzelte Fälle wurden in den vergangenen Jahren bei  Obdachlosen, Drogensüchtigen, aber eben auch bei Reisenden beobachtet. Eine Untersuchung die in den Jahren 2000 bis 2009 durchgeführt wurde, zeigte sich, dass von neun Diphtherie-Erkrankungen die in Deutschland registriert wurden, sieben einen reisemedizinischen Hintergrund hatten.

Hautdiphtherie tritt meist in den Tropen auf  

Diphtherie-Bakterien (Corynebacterium diphtheriae) treten weltweit auf und erzeugen ein gefährliches Gift (Diphtherietoxin). Die Erreger werden mittels Atemluft, z.B. durch Küssen, Niesen, Husten übertragen (Tröpfcheninfektion). Eine Ausnahme bildet die Hautdiphtherie, bei der die Erregerübertragung durch Schmierinfektionen stattfindet. In gemäßigten Klimazonen, wie Europa, tritt die Diphtherie vor allem in den Atemwegen – insbesondere im Gaumen- und Kehlkopfbereich - auf. Die ersten Krankheitsbeschwerden treten für gewöhnlich 2 bis 5 Tage nach der Infektion auf. Zunächst kommt es meist zu hohem Fieber, Schluckbeschwerden und Halsschmerzen. Im weiteren Verlauf bilden sich grauweiße Beläge, sog. „Pseudomembrane“ die sich auf Mandeln und Gaumenzäpfchen legen. Kommt es zur Ausdehnung der Beläge bis in die Kehlkopfregion, droht Erstickung durch Verlegung der Atemwege. Bei dem Versuch die Membrane zu entfernen treten meist Blutungen auf. Bilden sich Komplikationen kann es zu ernsten allergischen Reaktionen, zur Entzündung des Herzmuskels, sowie zu Nieren-, Nervenschädigungen und Lähmungserscheinungen kommen. In 5-10% der Fälle kann die Krankheit tödlich verlaufen, in medizinisch unversorgten Regionen liegt die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Krankheitsverlaufes durch Herzversagen oder Erstickung bei 25%.  

Impfmüdigkeit erhöht die Empfänglichkeit  

Die Vergangenheit zeigte, dass bei sinkender Immunität in der Bevölkerung eine Zunahme der Diphtherie-Fälle beobachtet werden kann. Wegen der oft durch Impfmüdigkeit entstandenen Immunitätslücken der erwachsenen Bevölkerung wird eine zunehmende Empfänglichkeit beobachtet. Obgleich in vielen tropischen Ländern ein Rückgang der Erkrankungszahlen beobachtet wird, bleibt die Krankheit in vielen Reiseländern wie z.B. Brasilien, Nigeria, Indien, Indonesien oder auch den Philippinen endemisch. In den GUS-Ländern kam es zu Beginn der Neunziger Jahre zu einer ausgedehnten Epidemie, der die WHO mit umfangreichen Impfkampagnen begegnete. Aufgrund von Impfkampagen konnte die Zahl der Diphtheriekranken im Jahr 1995 von rund 50.000 auf 730 im Jahr 1999 gesenkt werden.  

Auffrischimpfungen sollten mit einem Impfschutz gegen Tetanus und Keuchhusten kombiniert werden  

Wichtig ist im Erkrankungsfall die rasche Behandlung und Gabe eines Gegengiftes zur Neutralisierung des Diphtherietoxins, das durch die Erreger im Körper ausgeschüttet wird. Die durchgemachte Krankheit hinterlässt keine sichere Immunität, daher ist eine vorbeugende Impfung gegen Diphtherie wichtig. Die Impfung schützt vor allem vor der Wirkung des Giftes im Körper und verhindert somit die folgenschweren Auswirkungen. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) empfiehlt die Diphtherie-Impfung für alle Personen in Deutschland ab dem 3. Lebensmonat. Nicht geimpfte oder Personen mit nicht eindeutig dokumentierter Grundimmunisierung sollten 2 Impfungen im Abstand von 4-8 Wochen und eine dritte Impfung ca. 12 Monate nach der 2. Impfung erhalten. Diese Zeitabstände sind als Mindestabstände zu verstehen, d.h. jede Impfung gilt (es gibt keine unzulässig großen Abstände zwischen den einzelnen Impfungen). Vor der Reise sollten möglichst zwei Impfungen gegen Diphtherie erfolgt sein. Beginn des Schutzes ungefähr 2 Wochen nach der zweiten Impfdosis. Nach vollständiger Grundimmunisierung sollte im Fall eines erhöhten Infektionsrisikos (z.B. vor Reisen in Infektionsgebiete) mit einer Impfung nachgeimpft werden, sofern die letzte Impfung mehr als 5 Jahre zurückliegt.  Außerdem empfiehlt die STIKO die Diphtherie-Impfung in Kombination mit Tetanus und Keuchhusten durchzuführen.