29. Sep 2016

Tollwut in vielen Reiseländern

interMEDIS / Pechel

Alljährlich findet am 28. September, dem Geburtstag von Louis Pasteur  der den ersten wirksamen Impfstoff gegen Tollwut entwickelt hat, der Welttollwuttag statt. Rund 59.000 Menschen sterben weltweit jedes Jahr an Tollwut – darunter mehr als 35.000 Kinder jünger als 15 Jahre. Am stärksten betroffen sind Länder in Afrika und Asien. Experten gehen sogar von einer Unterfassung der Datenlage und von wesentlich mehr Erkrankungen aus, da viele Erkrankungen sich in abgelegenen Regionen von afrikanischen oder asiatischen Ländern befinden und gar nicht vollständig erfasst werden können. In Amerika sind es meist Wildtiere wie Waschbären, Füchse, Stinktiere oder Fledermäuse die Tollwut übertragen. 

Tollwut auch in vielen Reiseländern   

Reiseländer wie Indien und Kenia gehören durch die erhöhte Zahl an streunenden Hunden und Katzen zu den Ländern mit einem erhöhten Übertragungsrisiko. Wie viele Personen in Indien jährlich tatsächlich an Tollwut erkranken und sterben, beläuft sich auf Schätzungen. Nach einer Veröffentlichung in der medizinischen Fachzeitung „Lancet“ wird von 12.700 Tollwut bedingten Todesfällen im Jahr 2013 gesprochen. In anderen nationalen Medien ist sogar von 20.000 Todesfällen die Rede. Wie hoch auch immer die tatsächliche Zahl der Todesfälle ist, Fakt bleibt, dass die Tollwut in Indien weit verbreitet ist und dadurch eine Bedrohung für die Bevölkerung – aber auch für Reisende – darstellt.   

Fledermaustollwut in Europa    

In Norwegen wurde im Oktober 2015 eine tollwütige Fledermaus in der zentralen Landesregion entdeckt. Bei dem Fund des toten Tieres handelt es sich um den ersten Tollwutfall der seit rund 200 Jahren auf dem Festland Norwegens registriert wurde. Ob es gegenwärtig noch weitere tollwütige Fledermäuse auf dem Festland gibt, die lediglich noch nicht entdeckt wurden, bleibt spekulativ. Neben Norwegen gehören mehrere Länder Europas zu den Ländern mit Tollwut-Vorkommen bei Fledermäusen.   

Tollwütige Fledermäuse treten europaweit auf  

In den Jahren 1977 bis 2014 wurden insgesamt 1.085 Fledermaus-Tollwutfälle in Europa registriert. Rund 90% aller tollwütigen Fledermäuse wurden in den Niederlanden (351), Dänemark (226) und Deutschland (259) registriert. Weitere kranke Tiere wurden in Polen (97), Frankreich (75), Spanien (28) und der Ukraine (16) beobachtet. Einzelne tollwütige Fledermäuse wurden desweiteren auch in der Schweiz, Tschechischen Republik, Slowakei, Ungarn, Weißrussland und Russland gemeldet.  Auch wenn das Risiko der Tollwutübertragung durch Fledermäuse auf den Menschen in Europa sehr gering ist, ist es dennoch möglich.   

Impfung schützt gegen Tollwut   

Bei erhöhtem Reiserisiko z.B. Trekking oder Übernachten im Freien, ist eine Tollwut-Schutzimpfung zu erwägen. Bei Bissverletzungen oder Belecken von Schleimhäuten oder Wunden durch streunende Tiere ist umgehend ein Arzt bzw. medizinische Hilfe aufzusuchen. Dieser sollte neben der Wundversorgung eine aktive und passive Immunisierung gegen Tollwut durchführen. Es sollte jedoch bedacht werden, dass in vielen tropischen und subtropischen Ländern die medizinische Infrastruktur - v.a. in den ländlichen Regionen - unterentwickelt ist, so dass im Notfall u.U. nicht die richtigen Medikamente oder medizinischen Einrichtungen in der erforderlichen Zeit zur Verfügung stehen. Tragische Erkrankungsfälle bekräftigen die Tollwut-Impfempfehlung für Reisende vor allem bei Langzeitreisen in Länder mit erhöhtem Tollwutvorkommen.