6. Nov 2022

Ungarn: Häufung von Hepatitis A-Fällen

Hepatitis Grafik blau iStock / Zerbor

Ausbrüche und gehäuftes Auftreten von Hepatitis-A mit vier einzigartigen, aber eng verwandten Virussequenzen wurden in Ungarn, sowie in fünf weiteren Ländern der Europäischen Union (EU) und im Vereinigten Königreich (VK) gemeldet. Bis zum 29. September 2022 meldete das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) 303 Hepatitis A-Fälle mit identischen oder eng verwandten Virusstämmen des sogenannten Genotyps IB. Die meisten Infektionen wurden in Ungarn (161) gezählt, weitere in  Österreich (7), Deutschland (8), den Niederlanden (8), Slowenien (35), Schweden (8) und dem Vereinigten Königreich (76). Nach derzeitigem Wissen erfolgte die Übertragung von Mensch zu Mensch oder möglicherweise auch durch verunreinigte Lebensmittel. 

Ungarn meldet 161 Hepatitis A-Fälle des Genotyps IB

Bereits am 15. Februar 2022 meldete Ungarn einen Hepatitis A-Ausbruch des Genotyps IB, wobei der erste Fall bereits Anfang Dezember 2021 auftrat. Bis heute wurden 161 Fälle mit diesem Stamm bei 139 Männern und 22 Frauen im nationalen Hepatitis-Referenzlabor in Ungarn bestätigt. Die wöchentliche Zahl der gemeldeten Hepatitis-A-Fälle ist seit Juni 2022 rückläufig. Mehrere Patienten wurden ins Krankenhaus eingeliefert. In vielen Fällen wurde als Infektionsweg die Übertragung durch gleichgeschlechtliche Sexualkontakte (MSM) angenommen. Zudem wurde im Juli 2022 ein lebensmittelbedingter Ausbruch vermutet, der mit einem Restaurant in Ungarn in Verbindung gebracht wurde. Hier erkrankten 16 Personen an einer Hepatitis A (Genotyps IB). Einige der Patienten gaben an, kalte Suppe mit gefrorenen Beeren gegessen zu haben. Im Vereinigten Königreich, Deutschland, den Niederlanden und Schweden wurden keine eindeutigen Infektionsquellen ermittelt. Neben der Übertragung von Mensch zu Mensch ist auch eine Infektion mittels verunreinigter Lebensmittel möglich.

Die „Reisehepatitis“ Hepatitis A ist weltweit verbreitet

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt die Anzahl der Hepatitis-A-Erkrankungen global auf 1,4 Mio. pro Jahr. Ein Risiko besteht vor allem bei Fernreisen in tropische Länder, aber auch bei "nahen" Zielen wie den Mittelmeerländern und Osteuropa. Das Hepatitis-A-Übertragungsrisiko unterliegt regionalen Schwankungen und richtet sich nach den Hygienestandards in der Region bzw. im Land. In Regionen mit niedrigem Hygienestandard besteht meist ein erhöhtes Übertragungsrisiko. Die Übertragung der Hepatitis-A-Viren erfolgt fäkal-oral durch eine Kontakt- oder Schmierinfektion. Eine fäkal-orale Übertragung von Hepatitis-A-Viren kann durch verunreinigtes Trinkwasser oder durch verunreinigte Nahrungsmittel erfolgen (z. B. fäkal gedüngtes Gemüse oder verunreinigtes Gefrierobst v. a. Beeren, Trockenobst od. -gemüse etc.). Ein erhöhtes Übertragungsrisiko besteht auch bei engen Personenkontakten mit oral-analen Geschlechtsverkehr (z. B. durch Finger oder Sex-Toys die Kontakt mit Anus und Mund haben) v. a. bei Sex zwischen Männern (MSM) oder aber auch unhygienische sanitäre Gemeinschaftstoiletten und/oder -bäder (v.a. bei Obdachlosen oder in einfachsten unhygienischen Unterkünften). Hepatitis A-Viren sind relativ umweltresistent und können über längere Zeit vermehrungsfähig bleiben.

Bedeutung für Reisende

Ein Schutz vor Hepatitis A besteht durch eine sorgfältige Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene sowie durch Impfung. Eine Schutzimpfung ist kurzfristig vor Reiseantritt möglich. Aufgrund der langen Inkubationszeit (ca. 15-50 Tage) und dem schnellen Aufbau des Impfschutzes (12-15 Tage) kann die Impfung auch noch kurz vor der Abreise (z.B. bei „Last-Minute-Reisen“) verabreicht werden. Nach 6 Monaten erfolgt die zweite Impfung. Damit wird der Langzeitschutz erreicht und die Grundimmunisierung ist vollständig abgeschlossen. Eine Impfung ist Reisenden empfohlen, bei Reisen in Risikogebiete und für Risikopersonen d.h. Personen, die ein Risiko haben, besonders schwer zu erkranken. Reisende in Länder mit erhöhtem Hepatitis-A-Übertragungsrisiko stellen nach ihrer Rückreise eine Quelle für importierte Hepatitis-A-Erkrankungen dar. Der Anteil der "Reisehepatitis" (d.h. Hepatitis-A-Infektion durch Reisen in gefährdete Regionen) lag in den letzten Jahren zwischen 40-50% aller in Deutschland gemeldeten Hepatitis-A-Fälle. Personen, die mit dem Hepatitis-A-Virus infiziert sind, können das Virus, wenn sie nicht oder noch nicht erkrankt sind weiterverbreiten und dadurch z.B. Mitglieder ihrer Schulklasse oder Familie anstecken. Da in Deutschland eine geringe Hepatitis A-Immunität in der Bevölkerung besteht, kann sich das Virus innerhalb der sozialen Umgebung schnell verbreiten.