14. Okt 2015

Venezuela: Landesweit 88.000 Malaria-Fälle

Sonnenuntergang interMEDIS Bereits 88.000 Malaria-Erkrankungen wurden in diesem Jahr aus Venezuela berichtet. Die Zahl der Erkrankungen ist damit mit mehr als die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Das bedeutet für Reisende, dass die Überträgermücke der Malaria gegenwärtig in bestimmten Regionen vermehrt auftritt und somit ein erhöhtes Übertragungsrisiko besteht. Im Bundesstaat Bolivar, insbesondere im Stadtgebiet von Sifontes, wurden vermehrt Malaria tertiana-Fälle registriert. Nach Aussage der örtlichen Behörden wurden 6.777 Fälle der „gutartigen“ Form der Malaria registriert und in nahezu 2.500 Mischinfektionen. Bei sogenannten Mischinfektionen werden das zweierlei Malariaerreger im Blut der Patienten nachgewiesen (P. falciparum und P. vivax). Das Infektionsrisiko hat in den vergangenen Monaten und Jahren deutlich zugenommen. Ein weiterer Anstieg an Malariaerkrankungen wird bis Ende des Jahres befürchtet. Ebenso wurde beobachtet, dass aus den Nachbarländern wie z.B. aus Kolumbien, Guyana und Brasilien Malaria-Fälle importiert wurden.

Die beliebte Ferieninsel Isla Margarita gilt weiterhin als malariafrei

Bereits im Mai zählte Venezuela mehr als 30.000 Erkrankungsfälle. Die Erkrankungen traten zu Beginn des Jahres v.a. in den südlichen Landesteilen wie Bolivar und den Amazonasstaaten auf. In den meisten Fällen handelte es sich, wie auch in den letzten Monaten registriert, um die milde Form der Malaria, die sogenannte Malaria tertiana, die durch den Erreger Plasmodium vivax verursacht wird. Rund ein Viertel der Fälle erkrankte hingegen an der lebensgefährlichen Malaria tropica. Die südlichen und östlichen Provinzen des Landes, v.a. Amazonas, Anzoátegui, Bolívar inklusive Angel Falls und Delta Amacuro gelten als Regionen mit mittlerem Infektionsrisiko. Ein geringeres Risiko besteht in Apure, Monagas, Sucre und Zulia. Die großen Städte, so wie die Küstenhälfte im Westen und die Isla Margarita gelten als malariafrei.

Mitnahme eines Malaria-Notfallmedikamentes ist empfohlen

Die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft empfiehlt bei Reisen nach Venezuela die Mitnahme eines Malaria-Notfallmedikamentes, dass nur bei Verdacht auf Malaria und nur wenn kein Arzt zur Diagnostik und Behandlung zur Verfügung steht, eingenommen werden kann. Bei jedem Malariaverdacht sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Erst wenn dieser innerhalb von 24 Stunden nicht erreichbar ist, sollte die notfallmäßige Selbstbehandlung durchgeführt werden. Nach jeder Selbstbehandlung ist eine ärztliche Kontrolle auf jeden Fall erforderlich, um zum einen die Diagnose „Malaria“ zu verifizieren und um sicher zu gehen, dass keine andere fieberhafte Infektionskrankheit die Beschwerden hervorgerufen hat. Sollte es sich wirklich um eine Malaria gehandelt haben, so sollte durch die Nachuntersuchung geklärt werden, ob die Behandlung erfolgreich war oder ggf. fortgesetzt werden muss.

Jedes unklare Fieber gilt als malariaverdächtig

Ab dem 6. Aufenthaltstag in einem Malariagebiet, gilt jedes unklare Fieber als malariaverdächtig. Ebenso sollte bei der Rückkehr bei Fieber immer an eine Malaria mit gedacht werden, da durch die längere Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Erkrankung) auch noch Monate später nach Rückkehr eine Malaria auftreten kann. In aller Regel treten jedoch nahezu alle Malaria tropica-Fälle bei deutschen Reisenden innerhalb von 4 Monaten nach Rückkehr auf.