Chagas-Krankheit

tucan
  • Die Chagaskrankheit wird durch Parasiten verursacht, die durch Raubwanzen übertragen werden.
  • Am Herzmuskel können Ausdehnungen auftreten die Anstrengungen platzen und zum plötzlichen Herztod führen können.
  • Vor allem die ärmsten Bevölkerungsschichten in Mittel- und Südamerika sind betroffen.

Die Chagaskrankheit, auch "südamerikanische Trypanosomiasis" genannt, wird durch Parasiten (sog. Trypanosoma cruzi) verursacht. Nur ein geringer Anteil der Infizierten erkrankt. Bei der sog. "akuten Chagas-Krankheit" kommt es zu Fieber und zu Entzündungen der Gewebe, in denen sich die Parasiten eingenistet haben. Bei schweren Verläufen können Hirnhautentzündungen auftreten. Bei der sogenannten "chronischen Chagas-Krankheit", die ca. 10 bis 30 Jahre nach dem Frühstadium auftreten kann, kommt es durch den langfristigen Parasitenbefall in den Organen zur Zerstörung von Nervengewebe sowie einem erschlaffen und einer Ausdehnung verschiedener Gewebe, wie zum Beispiel typischerweise dem Herzmuskel und des Magen-Darmtraktes. Am Herzmuskel können diese Ausdehnungen zu einem papierdünnen Ballon führen, der bei Anstrengungen platzt und zu einem plötzlichen Herztod führt. Laut WHO stellt die Krankheit eine der 17 am wenigsten beachteten Krankheiten dar, die aus infektiologischer Sicht ernst genommen werden sollten. Nach neuesten Erkenntnissen kann das Anfangsstadium der Erkrankung unbemerkt bleiben und sogar über mehrere Jahre anhalten bevor die Krankheit ausbricht. Bei einem derartigen Krankheitsverlauf ist das Risiko eines tödlichen Krankheitsverlaufs nahezu verdoppelt. Experten nehmen an, dass es eine hohe Dunkelziffer an Erkrankungen gibt, da die Erkrankungsfälle nicht alle registriert bzw. diagnostiziert werden. Immer wieder kommt es zu Chagas-Erkrankungsfällen in Lateinamerika. In rund 21 Regionen ist die Krankheit endemisch. Nach Schätzung beträgt die Zahl der weltweit infizierten Personen 7 bis 8 Millionen. 

Übertragung:

Die Chagas-Parasiten werden von Raubwanzen übertragen. Beim Saugakt scheiden die Wanzen die Parasiten mit dem Stuhl aus, so dass diese durch kleine Verletzungen oder über die Schleimhäute auf den Menschen übertragen werden. Die Raubwanzen verstecken sich gerne in dunklen Ritzen von Lehmhütten und Reisigdächern und befallen des nachts die Schlafenden für eine Blutmahlzeit. Vor allem die ärmsten Bevölkerungsschichten in Mittel- und Südamerika sind betroffen. Zu einem größeren Ausbruch kam es im Jahr 2007 in Caracas. Rund 130 Kinder erkrankten. Wahrscheinlich infizierten sich die Betroffenen durch das Trinken von Guavensaft, der durch Kotausscheidungen der Raubwanze verunreinigt war.

Schutz:

In der Regel besteht für Reisende nur ein sehr geringes Infektionsrisiko. Auf das Trinken offener Fruchtsäfte sollte ohnehin in Hinblickt auf die Infektionsgefahr diverser Durchfallerreger verzichtet werden. Bei Trekking- bzw. Überlandtouren, sollten in den Infektionsgebieten Übernachtungen in einfachen Holz- oder Lehmhütten vermieden werden. Ein festgewebtes, widerstandsfähiges Moskitonetz kann ebenfalls einen guten Schutz bieten, wenn es sorgfältig angebracht und gut unter die Matratze gesteckt wird. In der Regel besteht für Reisende nur ein sehr geringes Risiko.

Raubwanze iStock / nathanfoto Lehmhütte Pechel / interMEDIS Fruchtsaftstand (Kolumbien) iStock / 1001nights