Diverse Darminfektionen

tucan
  • Darminfektionen gehören zu den häufigsten Beschwerden während und nach Urlaubsaufenthalten.
  • Häufige bakterielle Infektionen erfolgen unter anderem durch Escherichia coli (E. coli), Salmonellen und Shigellen.
  • Häufige Parasiten die zu Darminfektionen führen können sind Einzeller wie Amöben und Lamblien.
  • Ungefähr ein Drittel aller infektiösen Durchfallerkrankungen werden durch Viren verursacht.
Darminfektionen gehören zu den häufigsten Beschwerden während und nach Urlaubsaufenthalten. Als Ursache kommen verschiedenartige Erreger in Betracht, die regional unterschiedlich gehäuft vorkommen. Dabei kann es sich um Bakterien, Viren, Einzeller oder auch Würmer handeln. Die Erreger sind unterschiedlich und werden meist durch verunreinigte Speisen oder Getränke aufgenommen.

Die Auswahl des Reisezieles kann sich auf das Risiko, an einem Reisedurchfall zu erkranken, auswirken. In West Europa, den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Neuseeland und Japan ist das Übertragungsrisiko gering, in Süd Europa, Israel, Südafrika, den Karibischen und Pazifischen Inseln ist das Risiko bereits etwas erhöht. Am höchsten ist es in Asien, im Mittleren Osten, Afrika und Lateinamerika. Schätzungsweise zwischen 20-60% aller Reisenden in Gebiete mit dem höchsten Risiko für Reisedurchfälle infizieren sich und erkranken. Die Länder in denen am häufigsten Reisedurchfälle erworben werden sind v.a. Ägypten, Indien, Thailand, Pakistan und Marokko. 

Erreger


Häufige bakterielle Erreger

Häufige bakterielle Infektionen erfolgen unter anderem durch Escherichia coli (E. coli), Salmonellen und Shigellen. Die häufigsten Erreger des Reisedurchfalls sind Enterotoxische E. coli (kurz ETEC). Shigellen, Salmonellen und Campylobacter sind ebenfalls häufige Ursachen für Durchfälle. Ein erhöhtes Risiko für Darminfektionen besteht in den Ländern Afrikas, Asiens (v.a. Südostasien) und Lateinamerika. In Lateinamerika sind schätzungsweises 50% der Durchfälle auf ETECs zurückzuführen (sog. Montezumas Rache). Aber auch bei Nilkreuzfahrten kommt es nicht selten zu Durchfällen, bei denen bis zu 80% der Passagiere betroffen sein können. In dem Zusammenhang wird oft von einer Pharaos Rache, dem Fluch des Pharao oder auch einem „Pyramiden side step“ gesprochen. In Südeuropa und der Karibik besteht ein mittleres Infektionsrisiko. Ein geringeres Risiko für Darminfektionen besteht bei Reisen nach Nordeuropa, Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan. Aber auch Enterohämorrhagische E. coli (kurz EHEC) können in vielen Regionen durch verunreinigte Lebensmittel oder auch durch das Verschlucken von Badewasser beim Schwimmen oder Baden zu Infektionen führen. Über den gleichen Infektionsweg können auch Shigellen, die weltweit vorkommen, eine sog. Bakterienruhr verursachen. Man schätzt, dass weltweit alljährlich rund 160 Mio. Menschen infiziert werden, von denen rund 1 Mio. v.a. Kinder, ältere Menschen und Immungeschwächte sterben. Bei Shigellen reicht bereits eine sehr geringe Infektionsdosis von ca. 100 Bakterien aus, um zu einer Erkrankung zu führen. Um Shigellenausbrüchen daher vorzubeugen, sind sehr sorgfältige Hygienemaßnahmen erforderlich. Auch Salmonellen gehören zu Bakterien, die häufig zu Darminfektionen führen. Allein in Deutschlandweit geht man davon aus, dass ca. jeder Fünfte Träger und somit Ausscheider von Salmonellen ist. Salmonellen können zu einer Typhus-Erkrankung führen. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt weltweit alljährlich mehr als 16 Millionen Typhus-Erkrankungen – darunter mehr als eine halbe Million Todesfälle, die vornehmlich bei den Risikopersonen auftreten, d.h. bei  Säuglingen, Kleinkindern, alten Menschen, HIV-Patienten und immungeschwächten Patienten mit schweren Erkrankungen. 

Häufige parasitäre Erreger

Häufige Parasiten, die zu Darminfektionen führen können, sind Einzeller wie Amöben und Lamblien. Amöben können schwere Magen-Darm-Erkrankungen (sog. Amöbenruhr) hervorrufen. Sie ist weltweit verbreitet, kommt aber besonders in den tropischen und subtropischen Ländern vor, v. a. in Süd- und Südostasien wie u. a. in Indien, Indonesien, Bangladesch, Thailand und Vietnam. Die häufigste durch Einzeller in den Tropen erworbene Infektion stellt bei Reisenden die Lambliasis – d.h. eine Infektion mit Lamblien dar. Die Erreger befallen als erstes den Darm und werden meist durch verunreinigte Nahrung aufgenommen. Man geht davon aus, dass rund 10% der Weltbevölkerung mit Lamblien infiziert sind. Häufig bleiben diese Infektionen unbemerkt und macht sich lediglich durch Blähungen und leichtere Durchfälle bemerkbar. Auch Kryptosporidien sind Einzeller, die den Menschen häufig befallen, weltweit vorkommen und zu chronischen Durchfällen führen können.

Häufige virale Erreger

Schätzungsweise ein Drittel aller infektiösen Durchfallerkrankungen werden durch Viren verursacht. Die häufigsten Erreger sind Rotaviren, Adenoviren, Noroviren und Norwalk-Viren.

Häufiger Wurmbefall

Bandwürmer, Fadenwürmer und Filarien sind Würmer, die häufig den Menschen befallen und weltweit vorkommen. Saugwürmer wie Schistosomen treten insbesondere in tropischen und subtropischen Regionen auf. Einige Wurmarten können zu Durchfällen bzw. Magen- und Darmbeschwerden führen.  

Übertragung  

Verschiedene Reisefaktoren legen das Risiko fest. Dazu gehören neben dem Reiseland auch die Unterkunft und die Ernährung am Reiseort. Am häufigsten erkranken Kinder und ältere Menschen so wie Personen mit chronischen Grundleiden. Die häufigsten Ursachen bilden verunreinigte Lebensmittel (v.a. ungeschältes Obst, rohe Salate und Gemüse) und Getränke (v. a. Eiswürfel, Leitungswasser, Wasser- und Speiseeis). Shigellen und Lamblien können auch durch Fliegen in die Nahrungsmittelkette des Menschen gelangen und zu Infektionen führen. Kryptosporidien kommen weltweit vor und werden vor allem über verunreinigtes Trinkwasser übertragen. Würmer befallen häufig durch die Haut den Menschen, z.B. beim Barfuß laufen im Sandstrand (Hakenwürmer) oder beim Schwimmen (Schistosomen). Salmonellen bleiben außerhalb des Körpers wochenlang lebensfähig. In getrocknetem Kot können sie sogar  über 2,5 Jahre lang nachweisbar sein. Um Salmonellen abzutöten müssen Lebensmittel mindestens zehn Minuten auf 75° C erhitzt werden. Desinfektionsmittel können Salmonellen jedoch in wenigen Minuten abtöten. Auch bei Amöben muss das Wasser mindestens fünf Minuten gekocht werden. Eine Trinkwasserentkeimung durch Chlorung reicht in der Regel nicht aus, um Amöben abzutöten. Sicherheit bietet nur Mineralwasser in original verschlossenen Flaschen.

Schutz


Wichtig ist im Falle einer Infektion auf eine genügend große Flüssigkeitszufuhr zu achten, da durch die Durchfälle dem Körper sehr viel Wasser verloren geht und damit die Gefahr eines Ungleichgewichts besteht. Nach Möglichkeit sollte ärztliche Hilfe vor Ort aufgesucht werden, um andere Ursachen auszuschließen. Das Tragen von geschlossenem Schuhwerk so wie das Meiden von Süßwasser (Seen, Bäche, Flüsse) in Bilharziosegebieten beugt dem Befall durch einige Wurmarten vor.