Hepatitis A

tucan
  • Da viele Deutsche sich mit Hepatitis-A-Viren während der Reise infizieren, spricht man bei der Hepatitis A auch von der "Reisegelbsucht".
  • Hepatitis A ist weltweit verbreitet.
  • Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht in Ländern/Regionen mit niedrigem Hygienestandard.
  • Die Übertragung der Hepatitis-A-Viren erfolgt fäkal-oral durch eine Kontakt- oder Schmierinfektion.
  • Personen die mit dem Hepatitis-A-Virus infiziert sind, können andere anstecken.
  • Erste Beschwerden können 15 bis 50 Tagen nach Infektion auftreten (Inkubationszeit).
  • Bei Fern- und Nahzielen kann ein Hepatitis-A-Impfschutz sinnvoll sein.

Vorkommen

  • Die Hepatitis A ist weltweit verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt die Anzahl der Hepatitis-A-Erkrankungen auf weltweit 1,4 Mio. pro Jahr.
  • Ein Risiko besteht vor allem bei Fernreisen in tropische Länder, aber auch bei "nahen" Zielen wie den Mittelmeerländern und Osteuropa.
  • In Deutschland waren nach dem 2. Weltkrieg nahezu 90% der Kinder und Jugendliche mit dem Hepatitis-A-Virus infiziert, was ihnen zu einer lebenslangen Immunität verholfen hat – das betrifft vor allem die vor 1950 Geborenen. Durch den wachsenden Hygienestandard der vergangenen Jahrzehnte schätzt man heute die Infektionsrate bei Kindern und Jugendlichen auf ungefähr 5% ein. Das hat zur Folge, dass in den vergangenen Jahren zunehmend mehr Personen keinen Hepatitis-A-Schutz mehr besitzen und bei Aufenthalten in Ländern mit mäßigem bzw. geringem Hygienestandard einem erhöhten Erkrankungsrisiko ausgesetzt sind.

Bedeutung für Reisende

  • Das Hepatitis-A-Übertragungsrisiko unterliegt regionalen Schwankungen und richtet sich nach den Hygienestandards in der Region bzw. im Land. In Regionen mit niedrigem Hygienestandard besteht meist ein erhöhtes Übertragungsrisiko.
  • Reisende in Länder mit erhöhtem Hepatitis-A-Übertragungsrisiko stellen nach ihrer Rückreise eine Quelle für importierte Hepatitis-A-Erkrankungen dar.
  • In Deutschland wurden 874 Hepatitis-A-Fälle berichtet (2019).
  • Der Anteil der "Reisehepatitis" (d.h. Hepatitis-A-Infektion durch Reisen in gefährdete Regionen) lag in den letzten Jahren zwischen 40-50% aller in Deutschland gemeldeten Hepatitis-A-Fälle.

Ansteckung durch Hepatitis A-Infizierte

  • Da die Virusausscheidung vor Beginn der ersten Erkrankungssymptome ihren Höhepunkt hat, kann sich die soziale Umgebung an einer infizierten Person bereits angesteckt haben, bevor diese Beschwerden bekommt und sich über ihre Infektion bewusst ist.
  • Personen die mit dem Hepatitis-A-Virus infiziert sind, können das Virus, wenn sie nicht oder noch nicht erkrankt sind weiterverbreiten und dadurch z.B. Mitglieder ihrer Schulklasse oder Familie anstecken.
  • Da in Deutschland eine geringe Hepatitis A-Immunität in der Bevölkerung besteht, kann sich das Virus v.a. innerhalb der sozialen Umgebung schnell verbreiten; es kommt so immer wieder zu kleinen Hepatitis-A-Ausbrüchen.

Beschwerden

  • Erste Beschwerden nach ca. 15 bis 50 Tagen (Durchschnitt 25-30) nach Infektion
  • Im Kindesalter kann es Infektionen ohne besondere Beschwerden geben.
  • Mit zunehmendem Alter kann es häufiger zu Beschwerden und schwereren Krankheitsverläufen kommen.
  • Es gibt bei der Hepatitis A keine chronische Verlaufsform
  • Im Anfangsstadium kann es zu Appetitlosigkeit, Übelkeit, Brechreiz, Temperaturerhöhung, Verstopfung, Durchfall und Schmerzen im rechten Oberbauch kommen; anschließend zu einer Gelbverfärbung der Haut und einer Vergrößerung der Leber und Milz.
  • Krankheitsdauer ca. 2-4 Wochen (selten Monate)
  • Die Hepatitis A heilt i.d.R. von selbst aus.
  • Nur in seltenen Fällen treten schwere Krankheitsverläufe auf (meist bei > 50 Lj.)
  • Erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle bei vorbestehenden chronischen Lebererkrankungen (z.B. bei chronischer Hepatitis B oder C) und/oder Leberschädigungen infolge chronischer Erkrankungen.
  • Es gibt keine spezifische Behandlung
  • Die Infektion hinterlässt eine lebenslange Immunität 

Übertragung

  • Die Übertragung der Hepatitis-A-Viren erfolgt fäkal-oral durch eine Kontakt- oder Schmierinfektion.
  • Mit Hepatitis-A-Viren verunreinigtes Trinkwasser bzw. Nahrungsmittel (fäkal gedüngtes Gemüse, aber auch verunreinigtes Gefrierobst v.a. Beeren, Trockenobst od. -gemüse, etc.)
  • Enge Personenkontakte bei oral-analen Geschlechtsverkehr (z.B. durch Finger oder Sex-Toys die Kontakt mit Anus und Mund haben) v.a. bei Sex zwischen Männern (MSM)
  • Unhygienische sanitäre Gemeinschaftstoiletten und/oder -bäder (v.a. bei Obdachlosen oder in einfachsten unhygienischen Unterkünften)

Reiserisiken für Hepatitis A

  • Übertragungsrisiko durch Meeresfrüchte (z.B. Muscheln, Schalentiere, Austern). Bei Muscheln kann ein hoher Durchseuchungsgrad mit Hepatitis-A-Viren bestehen. Das Kochen oder Grillen von Muscheln kann Hepatitis-A-Viren nicht sicher abtöten. Das italienische Gesundheitsinstitut in Rom hat mehrere traditionelle Zubereitungsarten von Meeresfrüchten untersucht und nachgewiesen, dass mit Hepatitis-A-Viren infizierte Muscheln und Schalentiere auch nach dem Kochen noch infektiös sein können.
  • Fischgerichte mit rohem Fisch z.B. „Ceviche“ (Lateinamerika) oder Sushi (Asien)
  • Rohes Gemüse kann als Beilage oder Salat fäkaliengedüngt oder mit verunreinigtem Wasser gewaschen sein. Daher birgt es ein erhöhtes Infektionsrisiko für Hepatitis A und andere Magen- und Darmerreger.
  • Hepatitis A-Viren sind relativ umweltresistent und können über längere Zeit vermehrungsfähig bleiben. In den vergangenen Jahren wurde die Übertragung von  Hepatitis-A-Viren über Gefrierobst (z.B. Beeren) oder Trockengemüse (getrocknete Tomaten) in verschiedenen Ländern Europas und den USA beobachtet.

Schutz

Hepatitis A-Impfung

  • Impfung ist kurzfristig vor Reiseantritt möglich
    Aufgrund der langen Inkubationszeit (ca. 15-50 Tage) und dem schnellen Aufbau des Impfschutzes (12-15 Tage) kann die Impfung auch noch kurz vor der Abreise (z.B. bei „Last-Minute-Reisen“) verabreicht werden.
  • Nach 6 Monaten erfolgt die zweite Impfung. Damit wird der Langzeitschutz erreicht und die Grundimmunisierung ist vollständig abgeschlossen.
  • Nach der ersten Hepatitis-A-Impfung sind bei mindestens 95% der Geimpften Antikörper gegen die Erkrankung nachweisbar.
  • Der Impfschutz tritt ungefähr 12-15 Tage nach der ersten Impfung ein.
  • In einem ärztlichen Gespräch wird die persönliche Indikation für eine Schutzimpfung besprochen.

Eine Impfung ist Reisenden empfohlen,

  • bei Reisen in Risikogebiete
  • für Risikopersonen d.h. Personen, die ein Risiko haben, besonders schwer zu erkranken

Weitere Schutzmaßnahmen

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