Kinderlähmung

Synonym: Poliomyelitis

tucan
  • Im Jahr 2016 wurden nur mehr 35 Polio-Fälle weltweit registriert.
  • Es gibt aktuell nur mehr drei Polio-Endemieländer: Afghanistan, Pakistan und Nigeria
  • Als poliofrei gelten Australien, Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika und viele Länder Asiens und Afrikas.
  • Polio-Risikoländer sind Länder in denen importierte Polioviren oder abgeleitete Impfviren [Lebendimpfstoff] nachgewiesen wurden.
  • Ein Polio-Impfschutz ist für Reisen in Länder mit Polio-Vorkommen (Endemieländer) und Polio-Risikoländer empfohlen.
Die Kinderlähmung (sog. Poliomyelitis) wird durch Viren (sog. Picornaviridae) verursacht. Die Krankheit kann auf unterschiedliche Art und Weise verlaufen. Zu Beginn der Erkrankung treten zunächst grippeähnliche Beschwerden auf. Im weiteren Verlauf befallen die Viren das Gehirn und Rückenmark, so dass sich in kürzester Zeit (bereits in 24 - 48 Stunden) ein Lähmungsbild ausbreitet. Die Lähmungen können sehr vielfältig sein und zu unterschiedlichen Ausfällen führen. Ebenso kann es zu einer Hirnhautentzündung mit starken Rückenschmerzen und Muskelkrämpfen kommen. Je nach Krankheitsverlauf kommt es zur vollständigen oder aber nur teilweisen Rückbildung der Beschwerden und Lähmungen. Auch tödliche Verlaufsformen werden beobachtet. Von schweren Verläufen betroffen sind vor allem Kleinkinder und ältere Personen. Körperliche Überanstrengungen begünstigen das Krankheitsgeschehen. Die Lähmungen können sich teilweise oder sogar vollständig zurückbilden. Auch tödliche Verläufe können auftreten. Es gibt keine spezifische Behandlung gegen das Poliovirus.

Seit 1988 konnte die Zahl der weltweit registrierten Polio-Fälle stark reduziert werden - von 350.000 Erkrankungsfällen in 125 Endemieländern (1988) auf 35 Erkrankungsfälle (2016) in drei Endemieländern (Afghanistan, Pakistan und Nigeria). Das Ziel der weltweiten Ausrottung der Krankheit ist greifbar nahe. Impfkampagnen sorgten dafür, dass die Ausbrüche im vergangenen Jahr nahezu alle gestoppt werden konnten. Die WHO legt nun den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten zur Ausrottung der Polioviren in die drei Endemieländer (Afghanistan, Nigeria und Pakistan). Aufgrund von politischen Unruhen sind die medizinischen Möglichkeiten, so wie die Meldesysteme in diesen Ländern eingeschränkt.

Als poliofrei gelten:
Australien, Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika und viele Länder Asiens und Afrikas.
Eine aktuelle Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Länder mit endemischem Auftreten der Polio (d.h. permanenten Vorkommen) 2017:
Afghanistan, Nigeria und Pakistan
Immer wieder kommt es durch Unruhen und Krieg zu Unterbrechungen von Impfkampagnen, so dass die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung die zur Ausrottung der Erkrankung erforderlich ist nicht erreicht werden kann. Daher ist ein Polio-Impfschutz für Reisende v.a. bei Hilfseinsätzen weiterhin unentbehrlich um einen Schutz vor Kinderlähmung zu gewährleisten.


Risiko-Länder durch importierte oder Impfstoff-abgeleitete Polioviren
Madagaskar, Laos, Guinea, Kamerun, Zentralafrika, Tschad, Demokratisches Rpublik Kongo, Äquatoroalguinea, Äthiopien, Irak, Kenia, Liberia, Myanmar, Niger, Sierra Leone, Somalia, Süd-Sudan, Syrien und Ukraine.
In diesen Ländern wurden Einzelfälle von Kinderlähmung festgestellt die durch Polioviren verursacht wurden die sich von der Lebendvakzine ableiten lassen bzw. es wurden Polioviren im Land (z.B. in Abwässern) nachgewiesen die aus Ländern mit Polio-Vorkommen importiert wurden. In diesen Fällen ruft die Weltgesundheitsorganisation zur Vorsicht im internationalen Reiseverkehr auf. Reisende sollten bei Aufenthalten in Ländern mit Polio-Vorkommen oder auch Ländern mit Polio-Risiko sich gegen Kinderlähmung impfen lassen. Diese Maßnahme dient nicht nur dem persönlichen Schutz, sondern soll, laut WHO, der Vorbeugung dienen, dass sich die Erkrankung nicht weiter ausbreitet. Die Impfung soll zudem in einen international gültigen Impfausweis dokumentiert werden. In diesen Ländern werden fortlaufend Impfkampagnen durchgeführt, die eine Grundimmunisierung gegen Kinderlähmung in der Bevölkerung sicherstellen, insbesondere bei den Personengruppen (z.B. Flüchtlinge, Heimatlose) die sich über die Nachbarländer hinweg in andere Länder bewegen.

Übertragung:

Die Ausscheidung des Poliovirus erfolgt mittels Stuhl oder Tröpfchen (Rachenraum) durch Poliokranke oder sogenannte "asymptomatische Träger" (Menschen die durch Polioviren infiziert wurden, aber aufgrund ihrer Immunität nicht an Kinderlähmung erkranken). Die Virusübertragung kann durch Nahrungsmittel (z.B. Muscheln) aber auch durch Trinkwasser erfolgen, die durch virushaltige Stuhlausscheidungen verunreinigt wurden.

Schutz:

Bis 2018 erstrebt die WHO weltweit die Ausrottung der Kinderlähmung.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Reisenden die Polio-Schutzimpfung bei Aufenthalt in Ländern mit Polio-Vorkommen (sog. Endemieländer) oder in Polio-Risikoländer (d.h. Länder in denen durch importierte Polioviren aus dem Ausland oder durch abgeleitete Impfviren [Lebendimpfstoff] ein Infektionsrisiko besteht). Eine Übersicht über das aktuelle Polio-Vorkommen bietet die Weltgesundheitsorganisation

Darüber hinaus sind sorgfältige persönliche Hygienemaßnahmen, insbesondere bei Kontaktmöglichkeit mit Einheimischen in Entwicklungsländern (mögliche Virusträger s.o. "asymptomatische Träger") sowie grundlegende und umsichtige Nahrungsmittel- und Trinkwasser-Hygienemaßnahmen empfohlen.