Saugwurmbefall

Synonyme: Leberegelinfektion, Lungenegelinfektion

Die Saugwürmer (syn. "Egel", Trematoden) kommen überwiegend in den Tropen vor und können unterschiedliche Erkrankungen beim Menschen hervorrufen. Zu den Saugwürmern gehören die Pärchenegel (Schistosomen), Leberegel (u.a. Fasciola hepatica) und der Lungenegel (Paragonimus).

Bilharziose

Die Bilharziose wird durch Pärchenegel (sog. Schistosomen) verursacht. Die daher auch "Schistosomiasis" genannte Krankheit ist in vielen Ländern der Tropen und Subtropen verbreitet. Nach Schätzungen der WHO sind mehr als 200 Millionen Menschen mit Schistosomen infiziert, davon rund 120 Millionen mit Krankheitsbeschwerden, 20 Millionen mit ernsthaften, gesundheitlichen Folgen und ca. 20.000 Todesfälle pro Jahr.

Man unterscheidet verschiedene Bilharzioseformen: u.a. die "Darmbilharziose" (Erreger hauptsächlich S. mansoni, S. japonicum, S. mekongi und sehr selten S. haematobium), "Blasenbilharziose" (Erreger S. haematobium) und die Hepatolienale Bilharziose (= Leber-Milz Bilharziose; Erreger S. japonicum, seltener S. mansoni).

Wird ein Reisender erstmals durch Zerkarien im Gewässer befallen, treten als Erstreaktion häufig juckende, rötliche Hauterscheinungen (sog. "Zerkariendermatitis") auf. Zu Beginn der Erkrankung kann es zu einer fieberhaften Allgemeinerkrankung kommen (sog. Katayama-Syndrom). Im weiteren Verlauf der Erkrankung treten typische Krankheitszeichen der Bilharziose wie z.B. blutiger Urin bzw. Blutauflagerungen auf dem Stuhl auf. Bei langjährigem Wurmbefall können u.a. auch schwere Störungen der Leberfunktion als auch bindegewebige Veränderungen des Dickdarmes, der Blase und der ableitenden Harnwege auftreten. Die Bilharziose ist, sofern rechtzeitig behandelt und komplikationsloser Verlauf, gut zu behandeln.

Die Schistosomen leben in den Venen der Blase bzw. des Darmes und produzieren dort große Mengen von Eiern, die mit dem Urin bzw. Stuhl ausgeschieden werden. Bei Süßwasser-Kontakt schlüpfen die Larven aus den Eiern und befallen Wasserschnecken. In den Schnecken entwickeln sie sich weiter zu sogenannten Zerkarien, die durch die Atemhöhle der Schnecke wieder ins Wasser gelangen und dort frei an der Wasseroberfläche umherschwimmen. Befindet sich ein Mensch oder Tier im Wasser, durchbohren sie dessen Haut und wandern zunächst in die Leber und anschließend wieder in die Venengeflechte von Blase oder Darm. Dort reifen sie zu erwachsenen Würmern heran. Die erwachsenen Würmer können bis zu 15 Jahre leben und produzieren in dieser Zeit täglich ca. 100 - 3.500 Eier. Der Träger kann wiederum die Eier an jedes Gewässer abgegeben. Enthält das Gewässer die entsprechenden Wasserschnecken, können die Larven erneut in den Schnecken zu Zerkarien heranreifen und der Infektionszyklus beginnt erneut.

Übertragung:

Die Erreger (infektionstüchtige Zerkarien) dringen beim Schwimmen oder Baden in tropischen bzw. subtropischen Süßwasser durch die Haut ein und befallen dadurch den menschlichen Körper. Zum Haut-Wasserkontakt kann es durch Baden, Spielen, Arbeiten, Waschen und Durchwaten von Süßwasser, das mit infektionstüchtigen Zerkarien besiedelt ist, kommen.

Schutz:

Durch das Vermeiden von Hautkontakten mit Süßwasser in Bilharziosegebieten kann das Infektionsrisiko ausgeschlossen werden.

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Fasziolose

Die Fasziolose wird durch den großen Leberegel (Fasciola hepatica) hervorgerufen und ist weltweit verbreitet. Laut Schätzungen der WHO sind rund 2,5 Millionen Menschen weltweit infiziert. Die Erkrankung richtet sich in der Häufigkeit ihres Vorkommens stark nach den Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung. Daher werden eine erhöhte Anzahl an Erkrankungen aus dem Nildelta, Peru, Kuba, Frankreich oder dem Nahen Osten berichtet. Sporadische Erkrankungsfälle werden u.a. aus Europa (einschließlich Deutschland, Österreich, Schweiz), sowie Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien beobachtet.

Die Mehrzahl der Infektionen verläuft ohne Beschwerden und wird daher auch oft nicht bemerkt. Bei einem akutem Krankheitsverlauf kommt es u.a. zunächst zu Fieber, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und einem Anschwellen der Leber. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann es zu chronischen Entzündungen und immer wieder auftretenden Verschlüssen der Gallengänge mit kolikartigen Schmerzen kommen. Kommt es zu einem ernsthaften Krankheitsverlauf mit Komplikationen, können die Würmer auch andere Organe befallen und dort zu Entzündungen und Eiterherden führen, die in vereinzelten Fällen bleibende gesundheitliche Schäden hervorrufen oder tödlich sein können. Die Fasziolose ist medikamentös zu behandeln. Bei vielen Patienten kann es durch ein Absterben der Würmer zu einer Spontanheilung kommen.

Übertragung:
Zur Übertragung des großen Leberegels kommt es durch den Verzehr roher Salate, Gemüse und wildwachsender Pflanzen (v.a. Brunnen- bzw. Wasserkresse), an denen die infektiösen Stadien der Parasiten haften (sog. Metazerkarien). In selteneren Fällen kann die Übertragung der Metazerkarien auch über verunreinigtes Trinkwasser oder das Kauen an Stroh- bzw. Grashalmen, an denen die Parasiten behaftet sind, erfolgen.
Schutz:
Durch das Vermeiden des Verzehrs von Brunnen- bzw. Wasserkresse sowie anderen ungekochten Wildpflanzen als auch des Kauens an Grashalmen kann ein Infektionsrisiko nahezu ausgeschlossen werden.

Paragonimosel

Die Paragonimose (syn. Paragonimiasis) wird durch den Lungenegel (Paragonimus) verursacht. Das Vorkommen des Lungenegels beschränkt sich vor allem auf Ost- und Südostasien (insbesondere China, Taiwan, Japan, Korea, Laos, Thailand und die Philippinen), westliches und südliches Afrika (Kamerun, Kongo, Gambia und Nigeria) und Mittel- und Südamerika (Kolumbien, Costa Rica, Mexiko und Peru). Laut Schätzungen sind mehr als 20 Millionen Menschen mit dem Lungenegel infiziert. Die Krankheitsbeschwerden hängen sehr stark davon ab, wie viele Würmer welche Organe befallen haben. Typischerweise befallen die Würmer die Lunge und führen dort zu Brustschmerzen und einem anhaltenden Husten mit blutigem Auswurf. Verirren sich die Parasiten in andere Organe, können sie dort auch u.a. zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Bauchorgane, des Zentralen Nervensystems als auch zu Hautveränderungen (Schwellungen, Knoten) durch die wandernden Larven (Larva migrans) führen. Die Paragonimose wird medikamentös behandelt und ist in der Regel, sofern das Gehirn nicht betroffen ist, gut heilbar.

Übertragung:
Die Lungenegel werden meistens durch den Verzehr von ungenügend gekochten bzw. rohen Krabben und Krebsen übertragen. Gefährliche Infektionsgerichte finden sich in China (u.a. der Krebssalat "Kung Plah"), in Thailand (u.a. die Krabbensauce Nam Prik Poo), auf den Philippinen (u.a. Salat "Kinulao" und die nur leicht angebratenen Krabben "Sinugba") und in Korea (Krabben in Sojasauce "Ke Jang"). Zudem wird der Saft von Krabben auch in der volkstümlichen Medizin mancher afrikanischer Länder als auch in Japan und Korea verwendet. Des weiteren kann eine Infektion auch über verunreinigte Hände oder Küchengeräte, an denen die Lungenegel bei der Nahrungszubereitung kleben, entstehen. Auch eine Übertragung der Parasiten durch das Trinkwasser ist möglich. Auch krebsfressende Säugetiere können die Parasiten durch ihr Fleisch übertragen. Junge Lungenegel können sich zum Beispiel in der Muskulatur des Schweins, Kaninchens oder Huhnes ansiedeln und beim Verzehr des rohen Fleisches dieser Tiere (z.B. bei Hungersnöten) auf den Menschen übertragen werden.
Schutz:
Der Verzehr von rohen, ungenügend gekochten Krabben oder Krebsgerichten sollte vermieden werden. Ebenso sollte von gepökelten und marinierten Krabben- und Krebsgerichten abgesehen werden. Sorgfältiges Kochen der Nahrung ermöglicht die Mahlzeit.