Medikamente gegen Malaria

tucan

Kurzinfo & Tipps

  • Im Rahmen einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung in einem persönlichen Beratungsgespräch mit dem Arzt ist die Chemoprophylaxe unter Berücksichtigung bestimmter individueller Faktoren individuell zu entscheiden, d.h. ob und zu welcher medikamentösen Malariaprophylaxae geraten wird.
  • Eine vorbeugende medikamentöse Einnahme ist bei entsprechendem Malariarisiko wirksam und sinnvoll.
Vor der Reise, Tabletten iStock/FotografiaBasica

Artemether / Lumefantrin

Dieses Kombinationspräparat ist sowohl zur notfallmäßigen Selbstbehandlung als auch zur Behandlung der unkomplizierten Malaria tropica, so wie zur Akutbehandlung anderer Malariaarten geeignet. Zur Malariavorbeugung ist das Medikament nicht geeignet. Das Medikament ist für Kinder ab 5 kg Körpergewicht zugelassen. Weitere Informationen zur Anwendung können dem Beipackzettel entnommen werden.

Atovaqoun/Proguanil

Dieses Kombinationspräparat kann zur Malariaprophylaxe, zur notfallmäßigen Selbstbehandlung und zur Behandlung der unkomplizierten Malaria tropica, so wie zur Akutbehandlung auch anderer Malariaarten eingesetzt werden. Das Kombinationspräparat ist sowohl für Erwachsene als auch für Kinder erhältlich. Aufgrund der kurzen Einnahmedauer vor Abreise ist Atovaqoun/Proguanil für Last-Minute Reisen und für Kurzaufenthalte in Risikogebieten besonders gut geeignet. Weitere Informationen zur Anwendung können dem Beipackzettel entnommen werden. Einnahme: Ein bis zwei Tage vor Betreten bis 7 Tage nach Verlassen des Malariagebietes.

Chloroquin

Eine Standardprophylaxe oder Therapie mit Chloroquin kommt nur für Gebiete ohne Chloroquin-Resistenz in Betracht. Chloroquin ist geeignet für Langzeitaufenthalte und kann bei entsprechender Dosierung auch während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie von Kindern eingenommen werden. Nebenwirkungen sind in aller Regel leicht und gehen schnell vorüber. Augenschäden werden bei einer prophylaktischen Einnahmedauer von über fünf Jahren gelegentlich beobachtet. Daher ist bei langjährigen Aufenthalten in den Tropen eine augenärztliche Kontrolle alle drei Jahre empfohlen. Chloroquin kann in Gebieten ohne Chloroquin-Resistenz auch zur Malariatherapie und zur notfallmäßigen Selbstbehandlung bei Malariaverdacht verwendet werden. Weitere Informationen zur Anwendung können dem Beipackzettel entnommen werden. Einnahme: Eine Woche vor Betreten bis vier Wochen nach Verlassen des Malariagebietes.

Mefloquin

Mefloquin kann in Malaria tropica-Gebieten mit hohem Malaria-Übertragungsrisiko und Gebieten mit überwiegend Mefloquin-sensiblen P. falciparum zur Prophylaxe und unter Einschränkung zu Therapie eingesetzt werden. Aufgrund seines Nebenwirkungsprofils und der vorhandenen Alternativen wird es von der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) jedoch nicht mehr zur notfallmäßigen Selbstbehandlung empfohlen. Ausnahmen bilden Schwangere. Seit Mitte 2013 gibt es Einschränkungen bei der Verschreibung, die auf der Website des Herstellers und/oder des Präperates eingesehen werden können. Die DTG betont in ihren Empfehlungen jedoch, dass unter Berücksichtigung der Kontraindikationen und Warnhinweise Mefloquin nach wie vor einen wichtigen Stellenwert in der Malariaprophylaxe bei Schwangeren, Kindern, Migranten und Langzeitreisenden, so wie Personen, die das Medikament wiederholt gut vertragen haben, darstellt. Zur Prophylaxe kommt es daher weiterhin in Frage. In der Regel treten Nebenwirkungen schon häufig nach der ersten oder zweiten Einnahme auf. Daher ist Reisenden, vor allem denen die noch keine Erfahrungen mit einer Mefloquin-Einnahme gemacht haben, empfohlen 2 - 3 Wochen vor Abreise mit der Mefloquin-Prophylaxe zu beginnen. Sollten Nebenwirkungen auftreten, kann in diesem Fall immer noch rechtzeitig eine Alternative gesucht werden. Weitere Informationen zur Anwendung können dem Beipackzettel entnommen werden. Einnahme: Eine Woche vor Betreten bis vier Wochen nach Verlassen des Malariagebietes.

Weitere Mittel zur Behandlung der Malaria:


Dihydroartemisinin/Piperaquintetraphosphat

Dieses Kombinationspräparat kann zur Behandlung der unkomplizierten Malaria tropica bei Erwachsenen, Kindern und Säuglingen ab 6 Monaten (> 5 kg KG) eingesetzt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit (DTG) weist darauf hin, dass das Kombinationspräparat für die Notfallbehandlung oder die Prophylaxe von reisenden in Malariagebieten nicht empfohlen wird. Weitere Informationen zur Anwendung können dem Beipackzettel entnommen werden.

Doxycyclin

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit (DTG) weist darauf hin, dass Doxycyclin allein zur Therapie der Malaria nicht geeignet ist, jedoch zur Prophylaxe alternativ zu Atovaqoun/Proguanil und Mefloquin eingesetzt werden kann. Grundsätzlich ist Doxycyclin in Deutschland zur Malariaprophylaxe nicht zugelassen, obgleich andere Länder wie z.B. USA oder Australien es wegen der guten Wirksamkeit und Verträglichkeit zur Prophylaxe einsetzen. In der deutschen Rechtsprechung darf Doxycyclin zur Malariaprophylaxe ("off-label-use") eingesetzt werden, wenn durch den Arzt gut begründete und fundierte medizinische Vorteile genannt werden (z.B. Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen anderer Malariamittel). Vor starker Sonneneinstrahlung - v.a. in den Tropen- und Subtropen - wird unter Doxycyclin-Einnahme jedoch gewarnt (kein längeres Sonnenbaden). Weitere Informationen zur Anwendung können dem Beipackzettel entnommen werden. Bei Schwangeren, Stillenden und Kindern unter 8 Jahren darf Doxycyclin nicht eingesetzt werden. Einnahme: Ein Tag vor Ankunft und vier Wochen nach Verlassen des Malariagebietes.

Chinin

Chinin wird - meist mit einem Antibiotikum kombiniert (Tetracyclin)- zur Behandlung der komplizierten Malaria tropica eingesetzt. Als Notfallmedikament wird es nur in absoluten Ausnahmesituationen mitgegeben.

Primaquin

Das Medikament muss aus dem Ausland bezogen werden. Es wird zur Behandlung der Malaria tertiana eingesetzt, ist aber auch zur Prophylaxe geeignet. Weitere Informationen zur Anwendung können dem Beipackzettel entnommen werden.