26. Nov 2013

Deutschland: Aktuelle Polio-Impfempfehlungen

hepatitis Der Polioausbruch (Kinderlähmung) in Syrien gab dem Robert Koch-Institut (RKI) Anlass mit einer aktuellen Pressemeldung am 25. November, auf die bestehenden Impfempfehlungen gegen Poliomyelitis hinzuweisen. Aufgrund der Flüchtlingsbewegungen aus Syrien besteht die Gefahr einer Einschleppung von Polioviren nach Deutschland. Allerdings gibt es bislang noch keinen Hinweis, dass Polioviren nach Deutschland bereits importiert  wurden. 

Polioviren: Gefahr einer Einschleppung aus Syrien  

Aufgrund der guten hygienischen Verhältnisse und der guten bundesweiten Impfquoten gegen Polio wird eine größere Ausbreitung des Virus in Deutschland nicht befürchtet. Dennoch könnten Infizierte aus Syrien in einzelnen Fällen das Virus übertragen. Bedroht wären diejenigen die keinen Polioschutz besitzen. Impfquoten von knapp 95% der Schulanfänger lassen den Rückschluss zu, dass mehrere 10.000 Kinder in Deutschland nicht gegen Polio geschützt sind. Die meisten Personen die sich mit Polioviren infizieren erkranken nicht, scheiden aber das Virus mit dem Stuhl über mehrere Wochen aus. Dabei kann es durch Schmierinfektionen oder schlechte hygienische Bedingungen auf andere Personen übertragen werden. In Gemeinschaftsunterkünften wie z.B. Flüchtlings- und Asylbewerberheimen und an Orten wo viele Menschen aus Polio-Gebieten auf engem Raum zusammenleben, besteht die Gefahr einer Virus-Einschleppung und -übertragung. 

Impfschutz überprüfen und gegebenenfalls fehlende Impfungen nachholen  

Deshalb hat das Robert Koch-Institut Anfang November für Flüchtlings- und Asylbewerberheimen die Empfehlung ausgesprochen, besonders gute Hygienemaßnahmen sorgfältig einzuhalten. Die Virusübertragung kann auch durch Nahrungsmittel oder Trinkwasser erfolgen, die durch virushaltige Stuhlausscheidungen verunreinigt wurden. Daher sollten neben sorgfältigen sanitären Hygienemaßnahmen auch eine sorgfältige Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene eingehalten werden. Sowohl Bewohner als auch Personal in Flüchtlings- und Asylbewerbereinrichtungen sollte den persönlichen Impfstatus überprüfen und fehlende Impfungen gegen Kinderlähmung nachholen. Bei Kindern aus Syrien, die nach dem Jahr 2010 geboren wurden, sollte zusätzlich eine Stuhlprobe auf Poliovirus untersucht werden, damit eine Virusausscheidung ausgeschlossen werden kann. Weitere Informationen erteilt das Robert Koch-Institut unter www.rki.de/polio oder www.impfen-info.de 

Auch Reisende in Länder mit Polio-Risiko sollten geimpft sein 

Das Robert Koch-Institut empfiehlt daher Eltern den Polioschutz ihrer Kinder zu überprüfen und gegebenenfalls fehlende Impfungen nachzuholen. Die vollständige Impfung gegen Kinderlähmung setzt sich aus fünf Impfungen im Säuglings- und Jugendalter zusammen, die normalerweise mit Kombinationsimpfstoffen erfolgen. Erwachsenen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) dann eine Auffrischimpfung, wenn ein erhöhtes Risiko besteht, mit dem Poliovirus in Kontakt zu kommen, zum Beispiel bei Reisen in Länder mit Poliovorkommen. Zu diesen Ländern gehören Nigeria, Pakistan und Afghanistan. Auch Länder in denen Polioviren erneut eingeschleppt wurden und die Krankheit neu ausgebrochen ist, gehören zu den Risikogebieten. Dazu zählen u.a. Somalia, Äthiopien, Kenia, Kamerun und Syrien. 

WHO plant Ausrottung der Kinderlähmung bis 2018  

Bis zum Jahr 2018 plant die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Kinderlähmung (Poliomyelitis) weltweit auszurotten – doch immer wieder kommt es zu Rückschlägen. Insgesamt 341 Fälle wurden bis 20. November in diesem Jahr berichtet. Im Vorjahr betrug die Zahl der Fälle insgesamt 223 und wurde weitestgehend aus Nigeria, Pakistan und Afghanistan, den sogenannten „Endemieländern“ berichtet (188 Fälle).