4. Dez 2022

Europa: Diphtherie in 10 Ländern

Gelbfieberausweis, Spritze iStock/cruphoto

Seit Januar 2022 bis zum 30. November 2022 wurden 231 Diphtherie-Fälle in Europa gemeldet. Betroffen sind Österreich (42), Belgien (18), Frankreich (14), Deutschland (64), Italien (3), die Niederlande (4), Norwegen (7), Schweiz (25), Spanien (1) und das Vereinigte Königreich (53). Bei den meisten dieser Fälle handelte es sich um die kutane Form der Krankheit (sog. „Hautdiphtherie“), 33 Fälle hatten eine respiratorische Diphtherie (sog. „Rachendiphtherie“) und in sechs Fällen traten beide Formen auf. Neunzehn Infizierte zeigten keinerlei Beschwerden und waren asymptomatisch. Bei den erkrankten handelte es sich laut Aussage des ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) um Migranten. Berichte über Diphtheriefälle unter Migranten sind nicht selten, denn ähnliche Fälle sind in den letzten Jahren in Europa immer wieder aufgetreten. Die Zunahme der gemeldeten Fälle unter dieser Gruppe und das Auftreten ähnlicher Ausbrüche in mehreren europäischen Ländern in letzter Zeit ist jedoch ungewöhnlich und muss sorgfältig überwacht werden, ebenso wie die Durchführung der Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, um das Auftreten weiterer Fälle und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Die Bedeutung der Diphtherie für Reisende

Die Diphtherie tritt weltweit auf und somit auch in vielen Reiseländern. 2018 erkrankte ein 51-jähriger Tourist nach seiner Rückreise aus Thailand an einer Hautdiphtherie. Eine Untersuchung, die in den Jahren 2000 bis 2009 durchgeführt wurde zeigte, dass von neun Diphtherie-Erkrankungen die in Deutschland registriert wurden, sieben einen reisemedizinischen Hintergrund hatten. Im Jahr 2020 wurden in Deutschland dem RKI insgesamt 16 Diphtherie-Erkrankungen übermittelt. Die Erkrankungen wurden in Bayern, Niedersachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, Sachsen- Anhalt, Berlin und Rheinland-Pfalz registriert. Als wahrscheinliches Infektionsland wurde bei 11 Erkrankungen Deutschland angegeben. Das Alter der Erkrankten lag zwischen 13 und 86 Jahren.

Diphtherie-Impfung ist Standardimpfung in Deutschland

Diphtherie wird durch Bakterien übertragen, die ein gefährliches Gift erzeugen (Diphtherietoxin). Die Erreger werden mittels Atemluft, z.B. durch Küssen, Niesen, Husten übertragen (Tröpfcheninfektion). Eine Ausnahme bildet die Hautdiphtherie, bei der die Erregerübertragung durch Schmierinfektion stattfindet. Die durchgemachte Krankheit hinterlässt keine sichere Immunität, daher ist eine vorbeugende Impfung gegen Diphtherie wichtig. Die Impfung schützt vor allem vor der Wirkung des Giftes im Körper und verhindert somit die folgenschweren Auswirkungen. Die Vergangenheit zeigte, dass bei sinkender Immunität in der Bevölkerung eine Zunahme der Diphtherie-Fälle beobachtet werden kann. Wegen der oft durch Impfmüdigkeit entstandenen Immunitätslücken der erwachsenen Bevölkerung wird eine zunehmende Empfänglichkeit beobachtet. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) standardmäßig die Diphtherie-Impfung für alle Personen in Deutschland (ab dem 3. Lebensmonat). Nicht Geimpfte oder Personen mit nicht eindeutig dokumentierter Diphtherie-Grundimmunisierung sollten die Impfung zu nächstmöglichem Zeitpunkt nachholen. Vor der Reise sollten möglichst zwei Impfungen gegen Diphtherie erfolgt sein. Nach vollständiger Grundimmunisierung kann im Fall eines erhöhten Infektionsrisikos (z.B. vor Reisen in Infektionsgebiete) mit einer Impfung nachgeimpft werden, sofern die letzte Impfung mehr als 5 Jahre zurückliegt. Außerdem empfiehlt die STIKO die Diphtherie-Impfung in Kombination mit Tetanus und Keuchhusten durchzuführen.