30. Jun 2013

Indien: Regenzeit erhöht Infektionsrisiko

Fluss in Indien Der Monsun im Norden Indiens hat früher eingesetzt als erwartet. Durch die starken Regenfälle ist es vielerorts zu verheerenden Überschwemmungen und Erdrutschen mit Todesopfern gekommen. Betroffen sind vor allem die Bundesstaaten Uttarakhand und Himachal Pradesh. Beide Bundesstaaten sind aufgrund ihrer einmaligen Bergwelt bei vielen Trekkingtouristen sehr beliebt. In Kerala, im Süden Indiens, hat die saisonale Monsunzeit  bereits schon angefangen. Urlauber sollten bei ihren Reisevorbereitungen  in die betroffenen Regionen die Umstände der Regenzeit berücksichtigen. Um eine umsichtige Einschätzung für das individuelle Risiko zu erhalten, sollte rechtzeitig vor der Reise eine aufklärende reisemedizinische Beratung erfolgen. 

Monsun erhöht Infektionsrisiko

Während und nach den Regenzeiten, stehen für viele Insekten, wie z.B. Mücken vermehrt Brutplätze zur Verfügung. Dadurch nimmt die Anzahl der Überträgermücken zu. Aus diesem Grund treten Krankheiten, die durch Mücken übertragen werden, wie z.B. Malaria und Dengue-Fieber während und nach den Regenperioden häufiger auf. Ein sorgfältiger Mückenschutz ist kontinuierlich am Tag und in der Nacht empfohlen. Die Mitnahme eines Malaria-Notfallmedikamentes ist bei Reisen in Malaria-Risikogebiete ebenfalls empfehlenswert und sollte zuvor mit einem Arzt besprochen werden.  Auch andere Infektionskrankheiten, wie z.B. Durchfallerkrankungen, Typhus und diverse Magen-Darm-Infektionen stellen aufgrund der mangelhaften sanitären und hygienischen Verhältnisse in den Überschwemmungsgebieten ein erhöhtes Risiko dar.  Aus diesem Grund sind sowohl sorgfältige Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygienemaßnahmen und gegebenenfalls eine Schutzimpfung gegen Typhus bei Reisen in die Risikogebiete empfohlen. 

Monsunzeit in Indien Mai bis Oktober

Saisonal kommt es alljährlich in den Monaten Mai bis Oktober durch den Monsun im Nordosten Indiens regelmäßig zu verstärkten Niederschlägen. Davon betroffen sind die nördlichen Regionen von Bihar und Uttar Pradesh, sowie die Bundesstaaten Punjab, Haryana, Sikkim, Nagaland, Manipur, Mizoram, Tripura, Meghalaya, Assam und Westbengalen. Die Regenzeiten können regional ausbleiben (gelegentlich im Nordwesten) oder verstärkt auftreten (v.a. im Nordosten und an der Westküste). Die ebenfalls im Mai/Juni beginnende Regenzeit im Südwesten des Landes schiebt sich in den Folgemonaten langsam über den gesamten indischen Subkontinent und erreicht dadurch die einzelnen Bundesstaaten in zeitlicher Versetzung.  

Hepatitis A und Typhus sind in Indien weit verbreitet 

Speziell für Indienreisen sollten ein Hepatitis A- und ein Typhus-Schutz überdacht werden. Hepatitis A ist weit verbreitet, nicht nur in Indien. Untersuchungen legen nahe, dass nicht nur bei Fernreisen in tropische Länder, sondern auch bei "nahen" Zielen wie den Mittelmeerländern und Osteuropa noch ein nennenswertes Risiko für eine Infektion mit Hepatitis A vorliegt. Insgesamt wurden in diesem Jahr in Deutschland bereits über 500 Hepatitis A-Fälle berichtet. Ebenso für Typhus besteht in Indien ein nennenswertes Infektionsrisiko. Die meisten Typhuserkrankungen bei deutschen Reisenden (57%) werden in Indien erworben. Im vergangenen Jahr wurde bei 61 deutschen Reiserückkehrern Typhus diagnostiziert – in 35 Fällen handelte es sich um Rückreisende aus Indien. Während der Regenzeit ist das Infektionsrisiko grundsätzlich eher erhöht.

Unfälle - ein oft unterschätztes Risiko

Auch Hepatitis B ist eine Impfung über die Reisende nachdenken sollten. Durch die weltweite Verbreitung der Hepatitis B stellt sie eine der häufigsten Infektionskrankheiten dar. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht in Reiseländern mit unterentwickelten medizinischen und hygienischen Gegebenheiten, da verunreinigte Spritzbestecke, medizinische Geräte, Bluttransfusionen etc. zum Einsatz kommen können. Einer der häufigsten Gründe einer Krankenhauseinweisung während der Reise sind Unfälle. Der ungewohnte Straßenverkehr bildet eines der Hauptprobleme. Rund 40 % der Repatriierungsflüge gehen auf Unfälle im Straßenverkehr zurück. In diesem Zusammenhang können medizinische Eingriffe (Spritzen, Infusionen, Operationen, usw.) im Rahmen einer Erstversorgung vor Ort erforderlich werden. Untersuchungen zeigten, dass zwischen 23-44 % der Todesfälle bei Interkontinentalreisen auf Unfälle und nur 1-3 % auf Infektionskrankheiten zurückzuführen sind.