7. Dez 2015

Reisen und Durchfälle

Trinkwasserbeutel interMEDIS Über Reisedurchfälle wird während oder nach den Reisen kaum mehr berichtet, so häufig und fast schon gewöhnlich sind sie als unliebsames Reisesouvenir geworden. Immerhin leiden vorsichtigen Schätzungen zu folge rund 20 - 50 % aller Reisenden während ihrer Reise an Durchfällen. Obgleich diese Durchfälle für Reisende meist harmlos und wenig gefährlich sind, müssen dennoch rund 30 % die Reiseplanungen vor Ort - zumindest kurzfristig -ändern.   

Montezumas Rache oder der Fluch des Pharao?

Bei Nilkreuzfahrten können bis zu 80% der Passagiere von einem Reisedurchfall betroffen sein, was zu der synonymen Krankheitsbeschreibung als Fluch des Pharao geführt hat. In Südamerika spricht man in diesem Zusammenhang häufig von einer Montezumas Rache. In etwa 30-50% der Fälle wurde ETEC (Enterotoxische Escherichia coli) bei Reisedurchfällen nachgewiesen. Bei dem Erreger handelt es sich um krankheitsauslösende Stämme des Darmbakterium Escherichia coli. Durch das Gift das die Bakterien im Darm produzieren (sog. Enterotoxin) kommt es meist zu sehr wässerigen Durchfällen. Durch das weltweite Vorkommen des Erregers v.a. auch in vielen Reiseländern mit niedrigem hygienischem Standard, stellt ETEC ein Risiko für Durchfallerkrankungen bei Reisenden dar. In Lateinamerika wird ETEC für rund 50% der Durchfälle verantwortlich gemacht - in Asien immerhin auch für rund 15%.

Die Übertragung erfolgt meist über verunreinigte Nahrungsmittel oder Trinkwasser.

Zur Infektion mit ETEC kommt es häufig durch verunreinigte Nahrungsmittel insbesondere in Gemeinschaftsküchen. Doch auch verunreinigte Getränke wie beispielsweise durch kontaminierte Eiswürfel können den Erreger übertragen und nach wenigen Stunden oder gar Tagen zu heftigen Durchfällen führen. Typischerweise tritt ein starker Flüssigkeitsverlust durch die wässrigen Durchfälle ein, sowie starke Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Vor allem bei Kindern und älteren Menschen kann der starke Flüssigkeitsverlust zu ernsten Kreislaufbeschwerden führen.

Bei Kindern und älteren Menschen kann es zu ernsten Folgen kommen

Als Behandlung steht vor allem der Ausgleich von Flüssigkeits- und Mineralstoffverlusten im Vordergrund. Daneben können auch verschiedene Tabletten gegen Reisedurchfall hilfreich sein, die in keiner Reiseapotheke fehlen sollten. Bereits bei Beginn der Krankheitsbeschwerden, sollte jedoch ausreichend auf die Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Das bedeutet: viel Trinken! Neben einer sorgfältigen Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene, kann u.U. auch eine Impfung bei erhöhtem Risiko in Betracht gezogen werden. Untersuchungen zufolge wirkt der Cholera-Impfstoff auch zu 30% gegen Reisedurchfall. Daher empfiehlt die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft (DTG) die Anwendung für Personen die ein erhöhtes Risiko für Reisedurchfälle haben. Zu diesen Risikogruppen gehören u.a. Personen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, M. Crohn); chronische Erkrankun­gen mit erhöhtem Komplikationsrisiko durch Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen (z.B. chro­nische Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, Diuretika-Einnahme) aber auch  Kleinkinder und Immunsupprimierte. Nachdem der Cholera-Impfstoff in diesem Zusammenhang als „off-label use“ eingesetzt werden würde, sollten Reisende in einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung gemeinsam mit dem Impfarzt die Impfung besprechen.