Video - Tierkontakte auf Reisen

Streunende Hunde und Katzen, kleine Affen und Wildtiere… viele Tiere sind neugierig und suchen den Kontakt zum Menschen. Der erste Moment der Begegnung kann freundlich beginnen, doch vor allem kranke und tollwütige Tiere können von einem Moment zum anderen beißen und aggressiv werden. Es kann zu Körperverletzungen kommen: Bissen oder Kratzern…. und was dann?  In vielen Fällen hilft dann nur mehr ein schneller Rücktransport ins Heimatland oder – wenn möglich – zur  nächstgelegenen medizinischen Versorgungsstelle.

Unzureichende medizinische Infrastrukturen  

In vielen tropischen und subtropischen Ländern ist die medizinische Infrastruktur v.a. in den ländlichen Regionen unterentwickelt. Das bedeutet, dass im Notfall eine Behandlung nach einer Verletzung durch Tierkontakt oftmals nicht rechtzeitig möglich ist, da die richtigen und lebensnotwendigen Medikamente fehlen. Tollwut bildet in vielen Reiseländern ein lebensgefährliches Risiko - auch für Reisende.

Touristen infizierten sich mit Tollwut

In Frankreich erkrankte im November 2017 ein zehnjähriger Junge an Tollwut, nachdem er mit einem Hundewelpen auf seiner Urlaubsreise in Sri Lanka Kontakt hatte. Der Junge spielte mit dem Hundewelpen und wurde von ihm gebissen. Die ersten Krankheitszeichen entwickelte der Junge erst einige Wochen nach seiner Rückkehr. Auch ein 23-jähriger Österreicher erkrankte im August 2004 an Tollwut, nachdem er in Marokko von einem streunenden Hundewelpen gebissen wurde. Er starb nur wenige Wochen später im September. Kurz zuvor im Mai 2004 erkrankte und verstarb ein 51-jähriger Mann an einer Tollwutinfektion, nachdem er 6 Wochen zuvor von einem fünfmonatigen Aufenthalt in Indien nach Deutschland zurückkehrte. Ende Dezember 2016 wurden mehrere Touristen in der Tempelanlage Pashupati in Nepal von Affen gebissen. Im Durchschnitt wurden in den letzten Dezembertagen täglich zwischen 3-5 Bissverletzungen registriert. Die Affen wurden von den Besuchern nach eigener Aussage nicht provoziert. In einigen Fällen kam es zu ernsten Bissverletzungen.

Erhöhtes Tollwutrisiko 

In vielen Ländern der Welt stellt die Tollwut nachwievor ein großes Problem dar. Betroffen sind unter anderem auch viele beliebte Reiseländer in Afrika und Asien. Schätzungsweise 55.000 Menschen sterben weltweit jährlich an Tollwut – das bedeutet, ungefähr alle 10 Minuten stirbt ein Mensch an der hoch gefährlichen Krankheit. Experten gehen sogar von einer Unterfassung der Datenlage und von wesentlich mehr Erkrankungen aus, da viele Erkrankungen sich in abgelegenen Regionen von afrikanischen oder asiatischen Ländern befinden und gar nicht vollständig erfasst werden können.

Hauptüberträger der Tollwut ist nachwievor der Hund

Viele Hunde leben frei und herrenlos auf den Straßen. Deshalb gilt als eiserne Regel, sich von freilaufenden Hunden – vor allem auch Welpen – fernzuhalten, da durch infizierte Tiere die Gefahr der Virusübertragung auf den Menschen besteht. Bei Bissverletzungen oder Belecken von Schleimhäuten oder Wunden durch streunende Tiere ist umgehend ein Arzt bzw. medizinische Hilfe aufzusuchen. Dieser sollte neben der Wundversorgung (auch Tetanus-Impfschutz!) eine aktive und passive Immunisierung gegen Tollwut durchführen. Während auf den Kontinenten wie Afrika und Asien vorwiegend die Tollwut durch Hunde und Katzen übertragen wird, sind in Europa vor allem Fledermäuse mit Tollwutviren infiziert. 

Viele streunende Vierbeiner in Indien und Kenia erhöhen das Risiko  

Reiseländer wie Indien und Kenia gehören durch die erhöhte Zahl an streunenden Hunden und Katzen zu den Ländern mit einem erhöhten Tollwut-Übertragungsrisiko. In Städten wie Neu Delhi wird die Anzahl der vierbeinigen Streuner auf weit über 250.000 geschätzt. Wie viele Personen in Indien jährlich tatsächlich an Tollwut erkranken und sterben, beläuft sich auf Schätzungen. Nach einer Veröffentlichung in der medizinischen Fachzeitung „Lancet“ wird von 12.700 Tollwut bedingten Todesfällen im Jahr 2013 gesprochen. In anderen nationalen Medien ist sogar von 20.000 Todesfällen die Rede. Wie hoch auch immer die tatsächliche Zahl der Todesfälle ist, Fakt bleibt, dass die Tollwut in Indien weit verbreitet ist und dadurch eine Bedrohung für die Bevölkerung – aber auch für Reisende – darstellt.

Folgende Reisende haben ein erhöhtes Tollwutrisiko

  •  Reisen mit erhöhtem Aufenthalt im Freien bzw. Freizeitaktivitäten wie z.B. Trekking, Camping, Biking, Abenteuerreisen, Höhlenwanderungen, etc.
  •  Personen die mit Tieren arbeiten oder vermehrt in Kontakt kommen, z.B. beruflich exponierte Personen wie z.B. Höhlenforscher, Arbeiten in Wildparks, Tierärzte, Tierforscher
  •  Personen die für längere Zeit in Ländern mit erhöhten Tollwutrisiko verweilen
  •  Kinder, da sie häufiger Tierkontakte aufnehmen, mit Tieren spielen und dabei kleine Kratzer oder Bisse erlangen können und denen keine Bedeutung zukommen lassen. Bei Kindern kommen Bissverletzungen im Kopf und Nackenbereich häufiger vor.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte eine Warnung für Reisende, nachdem eine britische Reisende sich bei ihrem Indienaufenthalt durch einen unbehandelten Hundebiss mit Tollwutviren infizierte und starb. Tragische Erkrankungsfälle bekräftigen die Tollwut-Impfempfehlung für Reisende vor allem bei Langzeitreisen in Länder mit erhöhtem Tollwutvorkommen. Bei erhöhtem Reiserisiko z.B. Trekking oder Übernachten im Freien, ist ebenfalls eine Tollwut-Schutzimpfung zu erwägen.

Bei Verletzungen ist auch ein Tetanus-Schutz wichtig 

Ebenso sollte bei Verletzungen ein sofortiger Schutz gegen Tetanus erfolgen. Tetanus-Bakterien gelangen durch Hautverletzungen in den Körper. Tierbisse beinhalten ein erhöhtes Tetanusinfektionsrisiko. Der einzige Schutz vor Tetanus besteht durch die Schutzimpfung, die alle zehn Jahre aufgefrischt werden sollte. Unabhängig von Auslandsreisen, sollte jedes Kind und jeder Erwachsene einen immunologisch gültigen Tetanusschutz besitzen. 

Auch Würmer können übertragen werden

Die sogenannte zystische Echinokokkose wird durch den Hundebandwurm hervorgerufen, der weltweit verbreitet ist. Der Befall durch den Hundebandwurm wird durch das Verschlucken der Hundebandwurmeier verursacht, die direkt vom Hund ausgeschieden werden, entweder durch den direkten Hundekontakt (durch abschlecken oder streicheln des Hundes), durch verunreinigte Nahrungsmittel oder auch durch Schmierinfektionen. Ebenso können durch Hunde oder Katzen auch andere Wurmerkrankungen übertragen werden, die gesundheitliche Beschwerden verursachen.